Schlanke Prozesse für den Cerealienversand

Warehouse-Management | Seit Kölln im Jahr 2003 SAP als Unternehmenssoftware eingeführt hat, ersetzt der Lebensmittelhersteller Schritt für Schritt alle proprietären Software-Systeme durch SAP-Anwendungsmodule. Nachdem der damalige Softwareanbieter den Wartungsvertrag für das bis dato eingesetzte Lagerverwaltungssystem gekündigt hat, kam viastore Software ins Spiel und integrierte das Zentrallager mit SAP EWM in die SAP-Landschaft. Das Ergebnis ist eine bessere Datenqualität, mehr Transparenz, schnellere sowie schlankere Prozesse und eine deutlich verringerte Reklamationsquote.


Bild 1 Mehr als 500 Paletten verlassen an Spitzentagen das Zentrallager des Familienunternehmens Kölln im schleswig-holsteinischen Elmshorn. Mit SAP EWM konnte auch die Verwaltung der doppelt hohen Paletten, die bei Kölln als Lager- und Versandeinheit dienen, sicher umgesetzt werden.

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Mehr als 500 Paletten verlassen an Spitzentagen das Zentrallager des Familienunternehmens Kölln im schleswig-holsteinischen Elmshorn. Mit SAP EWM konnte auch die Verwaltung der doppelt hohen Paletten, die bei Kölln als Lager- und Versandeinheit dienen, sicher umgesetzt werden.

Cerealien stehen auf fast jedem Frühstückstisch, der Markt boomt. Das Familienunternehmen Kölln ist einer der Marktführer. Mehr als 500 Paletten verlassen an Spitzentagen das Zentrallager im schleswig-holsteinischen Elmshorn (Bild 1). Dieser Output erfordert effiziente, reibungslose Prozesse von der Anlieferung der Grundprodukte bis zur Produktion, vom Auftragseingang bis zur Auslieferung. Doch ausgerechnet im Zentrallager, das die Produktion mit Rohstoffen versorgt und aus dem die Kundenbestellungen versendet werden, knirschte es. Denn die Software, die das Hochregallager und seine 5 600 Palettenplätze gesteuert und gemanagt hat, stammte aus dem Jahr 1999.

Lagerverwaltungssystem ohne Wartung

Bild 2 Sie haben gemeinsam das Software-Projekt im Zeit- und Budgetrahmen gestemmt – ohne dass das Lager stillstand (v.l.): Patrick Eichstädt, Geschäftsführer viastore Software, Uwe Oestreich, Winfried Rostock, Corinna Strade, Manfred Hruschka (Senior Vertrieb Softwarelösungen bei viastore Software) sowie IT-Leiter Sebastian Krome.

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Sie haben gemeinsam das Software-Projekt im Zeit- und Budgetrahmen gestemmt – ohne dass das Lager stillstand (v.l.): Patrick Eichstädt, Geschäftsführer viastore Software, Uwe Oestreich, Winfried Rostock, Corinna Strade, Manfred Hruschka (Senior Vertrieb Softwarelösungen bei viastore Software) sowie IT-Leiter Sebastian Krome.

„Dass das Hochregallager reibungslos funktioniert, ist grundlegend für uns“, betont Winfried Rostock, Mitglied der Geschäftsleitung von Kölln (Bild 2). „Würde es ausfallen, könnten wir auf einen Schlag nicht mehr produzieren und nichts mehr an unsere Kunden versenden.“ Doch vor einiger Zeit kündigte das Softwarehaus den Wartungsvertrag des Lagerverwaltungssystems. Für Winfried Rostock war das eine gute Gelegenheit: „Wir haben schon 2003 SAP als ERP-System eingeführt. Seitdem lautet unsere Strategie, Fach-Software-Lösungen bei einer fälligen Ablösung durch SAP-Module zu ersetzen.“ Der unter anderem für IT-Systeme zuständige Manager sieht vielfältige Vorteile einer solchen Plattform-Strategie – etwa bei Datenmigration, -austausch und -sicherheit oder in der durchgängigen Verfügbarkeit der Stammdaten. Sebastian Krome, Abteilungsleiter IT bei Kölln, ergänzt: „Spezifische Software-Lösungen für die einzelnen Fachabteilungen bedeuten für uns mehr Schnittstellen, zusätzliche Wartungsverträge und eventuell verschiedene Release-Stände bei Datenbanken. Mit der Plattform-Strategie haben wir in den vergangenen Jahren unsere IT-Landschaft deutlich vereinfacht.“

Auf Kundenwünsche zugeschnittene Lösungen

Die Einführung der neuen Lagerverwaltung auf Basis von SAP nutzte Kölln für einen weiteren Schritt nach vorn. Ein Punkt war für Uwe Oestreich, Key User EWM, besonders wichtig: „Wir Lebensmittler denken in CCG1-Maßen.“ Das ist die von der GS1 Germany GmbH empfohlene Ladehöhe für Europaletten von 1050 mm. „Unsere Handelspartner erwarten, dass wir sie mit doppelt hohen CCG1-Paletten beliefern. Wir lagern und versenden also zwei übereinander gestapelte Paletten als eine Einheit.“ Doch ihre Verwaltung war mit der bisherigen Software nur eingeschränkt möglich, und falsche Etikettierungen führten immer wieder zu Reklamationen der Endkunden.

SAP EWM verwaltet Bestände bis auf den Lagerplatz

Mit SAP EWM hat Kölln zahlreiche Verbesserungen erzielt. Das Extended Warehouse Management (EWM) verwaltet sämtliche Warenbewegungen und Bestände im Lager und ist direkt an die Steuerung der Automatik-Komponenten der Anlage angebunden. Das System bildet den gesamten Lagerkomplex detailliert bis auf Lagerplatzebene ab. Für die Realisierung beauftragte Kölln das Stuttgarter Softwarehaus viastore Software. Der Anbieter von hochvernetzten Materialflussanlagen ist auf Warehouse-Management- und SAP-basierte Lösungen für Intralogistik und industrielle Produktionsprozesse spezialisiert. Das Unternehmen ist seit 1996 Service-Partner der SAP und hat zahlreiche Lager in SAP integriert.
Die Ablösung einer alten Software in einem automatischen Lagersystem ist immer eine besondere Aufgabe, wie Patrick Eichstädt, Geschäftsführer der viastore Software, beschreibt: „Wir führen SAP EWM in einer im Drei-Schicht-Betrieb laufenden Anlage so ein, dass die Lieferfähigkeit zu keinem Zeitpunkt eingeschränkt ist.

Die Anlage hat ein anderer Anbieter gebaut, sie läuft mit einer fremden Technik und einem nicht von uns entworfenen Steuerungskonzept. Diese unterschiedlichen Komponenten zusammenzubringen, ist die eigentliche Herausforderung.“ Ein Beispiel dafür sind die SPS der Kölln-Anlage, die 1999 installiert wurden – zu einer Zeit, als sich noch keiner eine direkte Kopplung von Fördertechnik-Steuerung und SAP vorstellen konnte. „Wir hatten es daher mit einer Datenstruktur zu tun, die SAP EWM nicht verstanden hat“, erklärt Manfred Hruschka, Vertriebsberater von viastore Software, der das Projekt begleitet hat. Gelöst haben die Experten die Anbindung über eine Kopfsteuerung. „Mit EWM und dem integrierten Materialflusssystem haben wir später die Möglichkeit, bei einer Steuerungs-Modernisierung die neuen SPS direkt an SAP zu koppeln“, schildert Eichstädt. „Damit kann Kölln ein weiteres Software-Element herausnehmen und nochmals Schnittstellen reduzieren.“

Lager-Mitarbeiter frühzeitig integriert

Der Aufbau des SAP EWM-Systems mit der Abbildung des Lagers, aller Prozesse und des Materialflusses erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen bei Kölln. „Wir nehmen bei derartigen Projekten von Anfang an Key-User ins Projektteam“, betont Winfried Rostock. „Auf diese Weise können sie sich mit dem neuen Produkt identifizieren – es wird zu ihrem Baby.“ Zudem kann das Know-how der Leute, die später täglich damit arbeiten, in das Projekt einfließen. „Wir hatten schon in der Blueprint-Phase zwei Lager-Mitarbeiter im Projektteam, ebenso später in der Testphase“, berichtet Corinna Strade vom Auftragszentrum. „Wir konnten also bereits während der Einführung die ersten Mitarbeiter schulen und haben nach und nach alle Kollegen aus dem Lager mit reingeholt.“

Keine Reklamationen mehr durch neue Etikettier-Lösung

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Die kundenspezifischen Etiketten werden direkt aus SAP EWM generiert und über den Applizierer an der vom Kunden gewünschten Stelle der doppelt hohen Versandpaletten platziert – früher die manuelle Aufgabe eines Mitarbeiters und Ursache vieler Reklamationen.

Besondere Aufmerksamkeit legten die viastore-Experten auf die Etikettierung: „viastore schlug vor, beim Kommissionierplatz eine Parkfunktion einzurichten“, erklärt Oestreich. Hier kann die erste am Platz eintreffende Palette zwischenparken, bis eine zweite ankommt, die in der Versandeinheit unten positioniert werden soll. „Der Kommissionierer teilt dann dem System nur noch mit, an welcher Stelle – oben oder unten – er welche Paletten platziert.“ Diese Daten werden anschließend an den neu eingerichteten automatischen Etiketten-Applizierer weitergegeben, der ein entsprechend kundenindividuelles Etikett druckt (Bild 3). Damit kann der bisher mit dem manuellen Aufkleben der Etiketten beschäftigte Mitarbeiter andere Aufgaben übernehmen. Vor allem gehören Reklamationen auf Grund fehlerhafter Etiketten der Vergangenheit an.

Daten stehen unternehmensweit sofort zur Verfügung

Auch bei der Datenqualität und der Verfügbarkeit von Informationen führte die Integration des Lagers in das SAP-System zu großen Vorteilen, wie Uwe Oestreich betont: „Mit der alten Lagerverwaltung erfolgte maximal viermal am Tag ein Datenabgleich. Heute stehen die Informationen zu den aktuellen Beständen allen SAP-Nutzern genau dann zur Verfügung, wenn eine Palette am I-Punkt erfasst ist oder den Kommissionierplatz verlässt.“(Bild 4) Insgesamt sind die Prozesse schlanker und effizienter geworden, meint auch Corinna Strade aus dem EWM-Team und nennt als Beispiel die Bestandskontrolle und -pflege: „Unterschiede zwischen der Menge an produzierter und eingelagerter Ware fallen gleich auf. Falsch eingelagerte Paletten erkennt die Software sofort und nicht erst nach einem halben Tag.“
Der Informationsfluss ist auch in die andere Richtung verbessert worden. Das verdeutlicht ein Beispiel: Bei Kölln kommen neu angelieferte Rohstoffe zunächst in Quarantäne – sie werden mit einer Sperre in das Hochregallager eingelagert. Erst wenn das Labor sie für in Ordnung erklärt, gehen die Waren in die Produktion. „Dieser Freigabe-Status wird im ERP-System geändert“, erklärt Oestreich. Früher dauerte es bis zum nächsten Datenabgleich, also mitunter mehrere Stunden, bis die Freigabe durch das Labor im Lager ankam. „Heute steht uns die Information sofort zur Verfügung.“
Die hohe Datentransparenz macht es außerdem einfacher, auf Kundenwünsche zu reagieren: Zum Beispiel erwarten Exportkunden, bei denen die Anlieferung mit dem Schiff mehrere Wochen dauern kann, Waren mit – einem möglichst langen Mindesthaltbarkeitsdatum. „Früher mussten wir schauen, welche Ware welches MHD hat und sie den entsprechenden Aufträgen manuell zuordnen“, erinnert sich Oestreich. „Heute ordnet die zuständige Fachabteilung im ERP-System dem Auftrag einfach eine passende Charge zu, die dann im Lager kommissioniert wird.“

Bild 4 Seitdem das Lager über das Anwendungsmodul EWM an das SAP-System angebunden ist, liegen die Informationen zu den aktuellen Beständen im gesamten Unternehmen vor, sobald eine Lieferung den I-Punkt passiert hat.

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Seitdem das Lager über das Anwendungsmodul EWM an das SAP-System angebunden ist, liegen die Informationen zu den aktuellen Beständen im gesamten Unternehmen vor, sobald eine Lieferung den I-Punkt passiert hat.

Zukunftssichere Investition

Seit einigen Monaten läuft das Kölln-Lager unter SAP EWM. „Die Effizienz der Abläufe ist deutlich gestiegen“, lautet das Fazit von Winfried Rostock. „Und mit dem Standard-System haben wir eine sehr transparente und zukunftsfähige Logistik-Welt. Die Ablösung des alten Systems durch SAP EWM ist also auch ein wichtiges Stück Investitionssicherheit.“

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Neuer viastore-SAP-Dialog beschleunigt Kommissionierung bei Mennekes

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Die Experten von viastore Software haben das SAP EWM im Lager der Mennekes Elektrotechnik Sachsen GmbH so angepasst, dass es keine Wartezeiten mehr bei der Kommissionierung gibt.

Zahlreiche marktführende Unternehmen aus dem In- und Ausland vertrauen seit Jahren auf die SAP-Logistiklösungen des Software-Anbieters  viastore.  Ein  Beispiel  ist  die  Mennekes  Elektrotechnik Sachsen GmbH. Das von viastore ausgestattete automatische Lager im erzgebirgischen Neudorf bildet das Rückgrat der neu organisierten Fertigung des führenden Herstellers von elektrischen Steckverbindern.  Dort  hat  viastore  Software  das  Lagerverwaltungssystem
SAP  EWM  sowie  das  Materialflusssystem  SAP  EWM-MFS  zur Steuerung der Anlage mit direkter Kopplung auf die Anlagen- und Fördertechniksteuerung  implementiert  (Bild).  Besonderes  Augenmerk  legten  die  Software-Spezialisten  auf  die  Set-Kommissionierung der Amaxx-Produkte. Um die Montageplätze optimal zu versorgen, kommissionieren hier die Mitarbeiter bestimmte Baugruppen wie Ober- und Unterteile vor. Dabei packen sie die für die Endmontage benötigten Teile als Sets in Behälter. Sechs dieser Set-Kisten können am Kommissionierplatz aufgestellt werden. Die Artikel werden immer genau in der Reihenfolge angedient, wie sie für die Kommissionierung  benötigt  werden,  auch  wenn  sie  in  mehreren Lagerbehältern liegen. SAP EWM muss also in der Lage sein, zum Beispiel zunächst zwei Kisten mit den Teilen „A“, dann zwei Kisten mit den Teilen „B“ und dann wieder drei Kisten mit den Teilen „C“ auszulagern. Umfasst ein Auftrag mehr Sets, als in die sechs Kommissionierbehälter  passen,  muss  der  gesamte  Kommissioniervorgang in einem neuen Durchlauf wiederholt werden, also wieder mit Teil „A“ anfangen. Die Experten von viastore Software haben SAP EWM so angepasst, dass die Behälter in der richtigen Reihenfolge angeliefert werden. Gleichzeitig kontrolliert das System, ob genug Material in den Behältern ist, um alle Sets zu füllen. Wenn dem nicht so ist, muss es einen zweiten Behälter mit dem gleichen Material anliefern, bevor neue Komponenten zum Kommissionierplatz kommen. Die Bedienung läuft über einen eigens für die Anforderung von Mennekes entwickelten Dialog. Auf diese Weise gibt es keine Wartezeiten mehr bei der Kommissionierung. Die Materialien werden just-in-time an die Arbeitsplätze geliefert. Es staut sich kein Material mehr in der Fertigung, wodurch wieder Flächen in der Produktion für wertschöpfende Prozesse freistehen.