Freitag, den 22. September 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Schlanke Prozesse für den Cerealienversand

Die Anlage hat ein anderer Anbieter gebaut, sie läuft mit einer fremden Technik und einem nicht von uns entworfenen Steuerungskonzept. Diese unterschiedlichen Komponenten zusammenzubringen, ist die eigentliche Herausforderung.“ Ein Beispiel dafür sind die SPS der Kölln-Anlage, die 1999 installiert wurden – zu einer Zeit, als sich noch keiner eine direkte Kopplung von Fördertechnik-Steuerung und SAP vorstellen konnte. „Wir hatten es daher mit einer Datenstruktur zu tun, die SAP EWM nicht verstanden hat“, erklärt Manfred Hruschka, Vertriebsberater von viastore Software, der das Projekt begleitet hat. Gelöst haben die Experten die Anbindung über eine Kopfsteuerung. „Mit EWM und dem integrierten Materialflusssystem haben wir später die Möglichkeit, bei einer Steuerungs-Modernisierung die neuen SPS direkt an SAP zu koppeln“, schildert Eichstädt. „Damit kann Kölln ein weiteres Software-Element herausnehmen und nochmals Schnittstellen reduzieren.“

Lager-Mitarbeiter frühzeitig integriert

Der Aufbau des SAP EWM-Systems mit der Abbildung des Lagers, aller Prozesse und des Materialflusses erfolgte in enger Zusammenarbeit mit den Fachabteilungen bei Kölln. „Wir nehmen bei derartigen Projekten von Anfang an Key-User ins Projektteam“, betont Winfried Rostock. „Auf diese Weise können sie sich mit dem neuen Produkt identifizieren – es wird zu ihrem Baby.“ Zudem kann das Know-how der Leute, die später täglich damit arbeiten, in das Projekt einfließen. „Wir hatten schon in der Blueprint-Phase zwei Lager-Mitarbeiter im Projektteam, ebenso später in der Testphase“, berichtet Corinna Strade vom Auftragszentrum. „Wir konnten also bereits während der Einführung die ersten Mitarbeiter schulen und haben nach und nach alle Kollegen aus dem Lager mit reingeholt.“

Keine Reklamationen mehr durch neue Etikettier-Lösung

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Bild 3
Die kundenspezifischen Etiketten werden direkt aus SAP EWM generiert und über den Applizierer an der vom Kunden gewünschten Stelle der doppelt hohen Versandpaletten platziert – früher die manuelle Aufgabe eines Mitarbeiters und Ursache vieler Reklamationen.

Besondere Aufmerksamkeit legten die viastore-Experten auf die Etikettierung: „viastore schlug vor, beim Kommissionierplatz eine Parkfunktion einzurichten“, erklärt Oestreich. Hier kann die erste am Platz eintreffende Palette zwischenparken, bis eine zweite ankommt, die in der Versandeinheit unten positioniert werden soll. „Der Kommissionierer teilt dann dem System nur noch mit, an welcher Stelle – oben oder unten – er welche Paletten platziert.“ Diese Daten werden anschließend an den neu eingerichteten automatischen Etiketten-Applizierer weitergegeben, der ein entsprechend kundenindividuelles Etikett druckt (Bild 3). Damit kann der bisher mit dem manuellen Aufkleben der Etiketten beschäftigte Mitarbeiter andere Aufgaben übernehmen. Vor allem gehören Reklamationen auf Grund fehlerhafter Etiketten der Vergangenheit an.

Daten stehen unternehmensweit sofort zur Verfügung

Auch bei der Datenqualität und der Verfügbarkeit von Informationen führte die Integration des Lagers in das SAP-System zu großen Vorteilen, wie Uwe Oestreich betont: „Mit der alten Lagerverwaltung erfolgte maximal viermal am Tag ein Datenabgleich. Heute stehen die Informationen zu den aktuellen Beständen allen SAP-Nutzern genau dann zur Verfügung, wenn eine Palette am I-Punkt erfasst ist oder den Kommissionierplatz verlässt.“(Bild 4) Insgesamt sind die Prozesse schlanker und effizienter geworden, meint auch Corinna Strade aus dem EWM-Team und nennt als Beispiel die Bestandskontrolle und -pflege: „Unterschiede zwischen der Menge an produzierter und eingelagerter Ware fallen gleich auf. Falsch eingelagerte Paletten erkennt die Software sofort und nicht erst nach einem halben Tag.“
Der Informationsfluss ist auch in die andere Richtung verbessert worden. Das verdeutlicht ein Beispiel: Bei Kölln kommen neu angelieferte Rohstoffe zunächst in Quarantäne – sie werden mit einer Sperre in das Hochregallager eingelagert. Erst wenn das Labor sie für in Ordnung erklärt, gehen die Waren in die Produktion. „Dieser Freigabe-Status wird im ERP-System geändert“, erklärt Oestreich. Früher dauerte es bis zum nächsten Datenabgleich, also mitunter mehrere Stunden, bis die Freigabe durch das Labor im Lager ankam. „Heute steht uns die Information sofort zur Verfügung.“
Die hohe Datentransparenz macht es außerdem einfacher, auf Kundenwünsche zu reagieren: Zum Beispiel erwarten Exportkunden, bei denen die Anlieferung mit dem Schiff mehrere Wochen dauern kann, Waren mit – einem möglichst langen Mindesthaltbarkeitsdatum. „Früher mussten wir schauen, welche Ware welches MHD hat und sie den entsprechenden Aufträgen manuell zuordnen“, erinnert sich Oestreich. „Heute ordnet die zuständige Fachabteilung im ERP-System dem Auftrag einfach eine passende Charge zu, die dann im Lager kommissioniert wird.“

Bild 4 Seitdem das Lager über das Anwendungsmodul EWM an das SAP-System angebunden ist, liegen die Informationen zu den aktuellen Beständen im gesamten Unternehmen vor, sobald eine Lieferung den I-Punkt passiert hat.

Bild 4
Seitdem das Lager über das Anwendungsmodul EWM an das SAP-System angebunden ist, liegen die Informationen zu den aktuellen Beständen im gesamten Unternehmen vor, sobald eine Lieferung den I-Punkt passiert hat.

Seite des Artikels
Die Projektpartner:

Kölln:
Im  Stadtzentrum  von  Elmshorn  ist  die  Firma  Peter Kölln GmbH & Co. KGaA seit fast 200 Jahren unternehmerisch  tätig.  Mit  seinen  368  Mitarbeiterinnen und  Mitarbeitern  sowie  35  Auszubildenden  erwirtschaftet  der  Lebensmittelhersteller  einen  Jahresumsatz von 129,1 Mio. Euro. Neben der Marke Kölln gehören  seit  2004  auch  Livio,  Biskin,  Palmin  und Becht’s  sowie  Pomps  Kindergrieß  und  Edelweiss Milchzucker  zum  Unternehmen.  Diese  Diversifizierungsstrategie wurde 2014 mit dem Kauf der Marke Mazola fortgesetzt.

viastore:
viastore ist ein führender internationaler Anbieter von Intralogistik-Systemen und Intralogistik-Software. Das Unternehmen viastore Systems fokussiert sich auf die Planung,  die  Implementierung  und  die  permanente Verbesserung von System-Anlagen. Die viastore Software bündelt alle Aktivitäten rund um das Standard-WMS viadat sowie um die viastore-SAP-Logistiklösungen  (EWM  und  WM).  viastore  beschäftigt  weltweit 500 Mitarbeiter und erwirtschaftet einen Umsatz von 130 Mio. Euro.

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