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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Outsourcing - die bessere Alternative?

Maintenance Service | Direkte Instandhaltungskosten von Personal und Material stellen in der Betreuung intralogistischer Anlagen eine messbare Größe innerhalb der Jahresbilanz dar. Wie aber verhält sich der Aufwand von Anlagen mit identischem Automatisierungsgrad? Welche Bedeutung wird den indirekten Instandhaltungskosten bei Anlagenstillstand aufgrund mangelnder Verfügbarkeit zugeordnet? Eine Studie der TU München in Zusammenarbeit mit der Telogs GmbH weist - basierend auf einer anonymen Onlineumfrage bei Betreibern von automatisierten Lager- und Verteilzentren - interessante Ergebnisse aus.


Von den ursprünglich 90 Umfrageteilnehmern brachen eine Vielzahl den Fragebogen an der Stelle ab, wo konkrete Kostenangaben über den Instandhaltungsaufwand erfragt wurden. Ist dies ein Zeichen dafür, dass die zugeordneten Kosten in den Betrieben nicht eindeutig erfasst werden? Zu indirekten Instandhaltungskosten findet man zumeist gar keine Angaben. Eine Zuordnung von entgangenem Gewinn, Kosten von Maschinenstillstand und Kompensationsmaßnahmen findet in der betriebswirtschaftlichen Gesamtdarstellung des Instandhaltungsaufwandes offenbar nicht statt. Gerade hier beweisen sich die Qualität der durchgeführten Präventivmaßnahmen sowie die Schnelligkeit der reaktiven Instandhaltung. Eine effiziente Instandhaltungsorganisation sichert eine höchstmögliche Verfügbarkeit der Anlage und senkt das Risiko von indirekten Instandhaltungskosten erheblich. Eine auf Minimalkostenniveau gewartete Anlage, die im Störfall Produktionsunterbrechungen zur Folge hat, produziert ein Vielfaches an indirekten Kosten.

Instandhaltungsintensität als Index

Die jährlich erfassten Gesamtkosten sagen über die Effizienz von Organisation und Maßnahmen der Instandhaltung nichts aus, solange man sie nicht einer vergleichenden Kennzahl zuordnet. Diese Instandhaltungsintensität ist definiert als „jährliche Instandhaltungskosten“ dividiert durch den „Wiederbeschaffungswert der Anlage“ multipliziert mit dem Faktor 100. Es darf nicht infrage gestellt werden, wenn der sich aus den Umfragen ergebende Wert für die Instandhaltungsintensität eine sehr große Streubreite ausweist: von knapp 1 % bis über 11 %, im Mittel 4,4 %. Ausschlaggebend für die Streuung sind individuelle Einflussgrößen wie:

•  Alter der Anlage
•  Nutzungsdauer
•  Verfügbarkeitsansprüche
• Größe  und  Automatisierungsgrad der Anlage
• Instandhaltungsstrategie: reaktiv,  präventiv  oder  zustandsorientiert
• Instandhaltungsorganisation
• Ausgeführte  Retrofitmaßnahmen

Eine Anlage mit einem Wiederbeschaffungswert von beispielsweise 10 Mio. EUR, geringem Automatisierungsgrad und einschichtigem Betrieb sollte in ihren jährlichen IH-Kosten somit eher unterhalb von 4,4 % liegen (< 440 000 EUR). Im Zwei-Schicht-Betrieb mit Betreuung von Technikern zur Sicherstellung einer höchstmöglichen Verfügbarkeit dagegen wird der Aufwand deutlich höher als 4,4 % sein. Einen prägenden Einfluss auf Verfügbarkeit und Kosten hat auch die gewählte Instandhaltungsstrategie: Eine reaktive Instandhaltung, bei der die Bauteile bis zur Grenze des Abnutzungsvorrats oder darüber hinaus gefahren werden, generiert kurzfristig betrachtet die geringsten Kosten, kann aber auch keine Verfügbarkeit sicherstellen. Präventive oder sogar zustandsorientierte Instandhaltungsmodelle – mit lebensdauer- bzw. verschleißabhängig definiertem Bauteilaustausch – führen zu höherem Material- und Personalaufwand (Instandhaltungsintensität hier im Mittel 5,1 %), liefern dafür aber auch Verfügbarkeiten von über 99 % ab.

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Bild 1
Arbeiten am Fahrmotor eines RBG durch einen externen Servicetechniker.

Retrofit-Maßnahmen sind die Frischzellenkur einer in die Jahre gekommenen Anlage. Üblicherweise findet dabei ein Upgrade auf die aktuelle Version der Steuerungsbaugruppen statt. Eine Generalüberholung der Mechanik und Elektrik bewirkt zudem eine deutliche Verbesserung der Verfügbarkeit – was von 78 % der Umfrageteilnehmer bestätigt wurde. 67 % der Befragten konnten ferner eine Reduzierung der laufenden IH-Kosten nach Abschluss der Retrofit-Maßnahmen verzeichnen.

Verteilung der Kernkompetenzen

Die Einbindung von externen Dienstleistungsspezialisten für Instandhaltungsaufgaben wächst (Bild 1).

Seite des Artikels
Autoren

 Jürgen Dönges

Geschäftsführer der Telogs GmbH

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