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Ausgewählte Ausgabe: 09-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Kommissionieren mit der Datenbrille

Systemvergleich | Heute wird in den meisten Lagern per Scanner oder Papier kommissioniert (Bild 1). Um auch in Zeiten von Industrie 4.0 mithalten zu können, arbeitet die Branche intensiv an innovativen Lösungen: In Zukunft sollen in der Lagerlogistik verstärkt Datenbrillen (Pick-by-Vision) zum Einsatz kommen. Das Ziel: Kommissionier-Leistung steigern und Mitarbeiter entlasten. Lagerbetreiber versprechen sich von Pick-by-Vision-Lösungen, die Herausforderungen in der modernen Lagerlogistik zu bewältigen. Vereinzelt setzen Unternehmen bereits Datenbrillen ein. Von einer Standard-Lösung ist die Technologie aber noch weit entfernt.


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Bild 1
Heute wird in den meisten Lagern per Scanner oder Papier kommissioniert.

Die Situation in Lagern heutzutage sieht folgendermaßen aus: Auftragsmengen schwanken, Lagerflächen wachsen und stetig werden neue Sortimente eingeführt. Hinzu kommt, dass Kommissionier-Aufträge fehlerfrei bereitgestellt und pünktlich ausgeliefert werden müssen – und dies zu möglichst geringen Kosten. Um diese Herausforderungen zu meistern, nutzen Lagermanager heute verschiedene Verfahren wie Barcodescanner (Pick-by-Scan) oder Signallampen (Pick-by-Light). Der Anspruch aller Methoden ist derselbe: Das Kommissionieren muss effizient sein. Denn schnelles und genaues Arbeiten sind die Voraussetzungen erfolgreicher und wirtschaftlicher Unternehmen. Softwaredienstleister wissen das. Sie arbeiten verstärkt an Technologien, die das Kommissionieren voranbringen.

Pick-by-Vision: relevante Informationen auf einen Blick

Der SAP-Dienstleister abat hat bereits eine erste Lösung geschaffen. Dabei handelt es sich um eine Schnittstelle zwischen Datenbrille und dem Lagerverwaltungssystem SAP Extended Warehouse Management (EWM). Informationen und Lageraufträge werden damit in Echtzeit aus SAP EWM an das System übermittelt und auf der Datenbrille angezeigt – so hat der Lagerist alle relevanten Informationen im Blick. Aufträge werden direkt in seinem Sichtfeld dargestellt. Dadurch kann er ganz einfach die Menge und den Standort der Ware erkennen. Und die Datenbrille kann noch mehr: Sie hebt Lagerfächer optisch hervor und kann zudem Bilder vom Artikel einblenden. Kommissionierer können die Ware dadurch schneller verorten, erfassen und effizienter weiterbearbeiten. Ein weiteres Highlight: Einfache Befehle wie „weiter“, „zurück“ oder „enter“ lassen sich per Sprachsteuerung an die Datenbrille übermitteln. Noch ist diese Funktion nicht so ausgereift wie bei einer reinen Pick-by-Voice-Lösung, die Anbieter von Datenbrillen arbeiten aber mit Hochdruck daran.

Warenbewegung á la Navigationssystem – noch eine Vision

Ziel ist, dass Pick-by- Vision-Lösungen die Grenzen der heutigen sprachgestützten Technologie überschreiten. Bisher dienen Datenbrillen lediglich als Scanner und Wiedergabegerät. Diese Funktionen werden künftig noch erweitert: Wenn Informationen zu Waren und Aufträgen beim Wareneingang fehlen, sollen sie über die Datenbrille sofort anforderbar sein. Der Lagerarbeiter erteilt dazu der Brille einfach per Spracheingabe einen Befehl – schon liegen die Informationen vor. Genauso soll es beim Warenausgang erfolgen. Die Datenbrille leitet den Mitarbeiter unmittelbar zum Lagerort (z.B. „links abbiegen“). Nötige Voraussetzung: eine Inhouse-Ortung im Lager. Noch einen Schritt weiter gehen Augmented-Reality- Lösungen. Sie verbinden die wahrgenommene Umgebung mit digitalen Inhalten und Bildern. Der Träger der Brille sieht Objekte vor sich, als befänden sie sich tatsächlich im physischen Raum. Eine solche Brille böte in der Lagerlogistik viele praktische Möglichkeiten: Ein Lagerist könnte eine virtuelle Palette im dreidimensionalen Raum drehen, um besser zu verstehen, in welcher Reihenfolge sie gepackt werden muss.
Aktuell ist Pick-by-Vision aber nur eingeschränkt einsatzbereit, aufgrund von einigen technologischen Stolpersteinen: Die Hardware ist nicht robust genug, die Schnelligkeit des Scanvorgangs ist noch nicht optimal, die Laufzeit der Akkus ist begrenzt und viele Lager verfügen über keine Inhouse- Ortung. Oft sind auch instabile WLAN-Verbindungen der Grund für Ausfälle. Die Entwicklung von Datenbrillen hängt daher stark mit der Weiterentwicklung der Hardware zusammen. Es bedarf besseren Akkus, ausreichend großen und ergonomischen Displays sowie stabilen Netzwerkverbindungen.

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Autoren

 Harald Göbel

Senior Consultant bei abat

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