Montag, den 23. Oktober 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 04-05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Umweltschutz mit Augenmaß


Der Schierlings-Wasserfenchel hat einstweilen gesiegt. Um diese Pflanze zu schützen, liegt die  Elbvertiefung  weiterhin  auf  Eis.  Einhergehend  mit  großen  Infrastrukturprojekten  bekommen  wir  seit  geraumer  Zeit  Nachhilfeunterricht  über  Seltenes  aus  unserer  Flora-  und Faunawelt. Wer kannte schon den Schierlings-Wasserfenchel,  die  Kleine  Hufeisennase,  die Gelbbauchunke  oder  den  Juchtenkäfer?  Allesamt sind sie als Baustopper berühmt-berüchtigt geworden.
Umwelt-  und  Naturschutz  ist  wichtig.  Jedoch darf dieser nicht dazu führen, dass Infrastrukturprojekte durch eine überbordende Gesetzesmaschinerie behindert  und  verhindert  werden.  Die Duisburger Hafen AG (duisport)  als  größte
Logistikdrehscheibe Europas  braucht  beispielsweise zur weiteren Expansion Flächen für die Ansiedlung von Logistikunternehmen. Im Ruhrgebiet  gibt  es  nach  dem  Bedeutungsverlust von Kohle und Stahl l zahlreiche industriell nicht mehr genutzte Flächen. Mit unseren Logports I bis IV haben wir bereits  gezeigt,  wie  ehemalige  Brachen  zu  boomenden  Logistikzentren  umgestaltet  werden können.  Tausende  neuer  Arbeitsplätze  sind entstanden.  Logport V  bis VII sind  in  der  Planung. Weitere werden folgen.
Nun  ist  allerdings  nicht  auszuschließen, dass sich auf den ehemaligen Industrieflächen neue Bewohner aus der Tier- und Pflanzenwelt niedergelassen haben. Dort, wo einst die Schlote  qualmten,  tausende  von  Arbeitern  für  eine Produktion rund um die Uhr sorgten, ist nun abgeschiedene idyllische Ruhe eingekehrt. Ein Paradies für Tiere und Pflanzen. Die  neuen  Gäste  auf  den  Industriebrachen könnten  den  erfolgreichen Strukturwandel durch  zügigen  Abbau  alter  Anlagen  und  die Schaffung neuer Arbeitsplätze auf den Brachen verhindern. Eine absurde Situation: Arbeitsplätze brechen weg, alte Anlagen und Brachen bleiben zurück, Flora und Fauna zieht ein und kann die Schaffung von dringend benötigten neuen Arbeitsplätzen erschweren oder verhindern. Die Logistikbranche ist nach der Automobilindustrie  und  dem  Handel  der  drittgrößte Wirtschaftsbereich  in  Deutschland.  Eine  reibungslos funktionierende Logistikkette ist die Basis  für  eine  florierende  Industrie.  Bei  allen Infrastrukturmaßnahmen  darf  der  Umwelt-schutz nicht zu Verwerfungen führen, bei der Kröten  und  Wasserfenchel  mehr  Beachtung finden  als  dringend  benötigte  neue  Arbeitsplätze für Menschen.
Für  duisport  ist  Umweltschutz  und  Wachstum kein Widerspruch. Vor zwei Jahren haben wir  beispielsweise  das  Klimaschutzgesetz  des Landes  Nordrhein-Westfalen  zum  Anlass  genommen,  ein  eigenes  Energie-  und Klimaschutzkonzept auf den Weg zu bringen. Duisport betreibt ein hoch effizientes intermodales Verkehrsnetz.  Dazu  gehörte  die  Einführung eines Verkehrsleitsystems für logport I und logport II, mit dem die Anwohner beim Verkehrslärm entlastet  werden  sowie  ein  Verkehrs-  und  Logistikkonzept.
Auf diese Weise gelingt  es,  einen  großen Anteil des Güterverkehrs  von  der  Straße  auf  die  alternativen Verkehrsträger Bahn und Binnenschiff zu verlagern. So entlasten wir Straßen und Autobahnen  um  jährlich  über  100 000 LKW-Fahrten. Für  uns  ist  Klimaschutz  integraler  Bestandteil aller Geschäftsfelder, Projekte und Aktivitäten. Wir haben die Bedeutung nachhaltiger Logistik  sehr  früh  erkannt  und  verbinden  dies  mit technischen  Innovationen,  einer  ökologischen  Transportkette  sowie  einer  effizienten Flächennutzung. Mit dem Unternehmen Innogy arbeiten wir an  innovativen  Lösungen  für  die  Gewinnung von Solarenergie und den Einsatz von Elektromobilität  im  Duisburger  Hafen.  In  einer  Kooperation mit RWE bauen wir einen LNG-Bunker und eine Verteilstation für das Flüssiggas im Hafen. Bei seinem jüngsten Besuch betonte der grüne  NRW-Umweltminister  Johannes  Remmel, dass  Duisport  als Wirtschaftsunternehmen beim Klimaschutz bereits weiter als die Politik sei.  Duisport  habe  in  der  Region  Strukturen jenseits  von  Kohle  und  Stahl  geschaffen,  die wirtschaftlich  und  ökologisch  gleichermaßen zukunftsfähig seien. Duisport sei ein gelungenes  Beispiel  für  den  Klimaschutz  –  made  in NRW. Das  hören  wir  mit  Genugtuung.  Bleibt  zu hoffen,  dass  Politik,  Verwaltung  und  Rechtsprechung nicht aus dem Auge verlieren, dass Logistik als Basis für eine erfolgreiche Industrie Arbeitsplätze  schafft.  Ein  klares  Ja  zum  Umweltschutz, aber bitte mit Augenmaß.

Autoren
Erich Staake

 Erich Staake

Vorsitzender des Vorstands der Duisburger Hafen AG

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