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Ausgewählte Ausgabe: 04-05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Versorgungslogistik im Outback

Logistische Reiseeindrücke | In der Zeit vom 20.12.2014 bis 29.01.2015 machte ich eine 10 000 km lange Rundreise mit einem Camper durch Australien. Immer wieder beeindruckte mich dieser Kontinent durch seine Gegensätze – Megastädte wie Sydney und die Weiten entlang des Stuart Highways im roten Herzen des Landes.


Gerade in den extrem abseits gelegenen Landstrichen macht man sich als Logistiker natürlich Gedanken über die Herausforderungen der Versorgung der einsamen Farmen, Roadhouses und kleinen Ansiedlungen entlang der wenigen Highways. Umso mehr überrascht wurde ich in der kleinen Gemeinde Winton (QLD) beim abendlichen Einkauf durch einen Spar-Markt mit den vertrauten Farben und Logo (Bild).

Die Familie Gillespie führt bereits in der 2. Generation einen Grocery Store in Winton, einer Gemeinde mit 900 Einwohnern im australischen Outback.

Die Familie Gillespie führt bereits in der 2. Generation einen Grocery Store in Winton, einer Gemeinde mit 900 Einwohnern im australischen Outback.


Meine Berater-Neugier war geweckt und so beschloss ich, am nächsten Morgen dem Markt einen erneuten Besuch abzustatten. Wie mit allen Menschen im australischen Outback war das Gespräch dann von großer Offenheit und gegenseitiger Neugier geprägt.
Die Betreiber-Familie Gillespie führt bereits in der 2. Generation einen Grocery Store in Winton, einer Gemeinde mit 900 Einwohnern, von der aus die Menschen in einem Umkreis von 200–300 km versorgt werden. Dafür müssen die Kunden aber nicht ins Geschäft kommen, sondern bestellen telefonisch oder per Mail ihre Ware, die dann durch den sogenannten Mail Run ausgeliefert wird. Das heißt, dass die Post nicht nur ihre Sendungen - sondern auch Bestellungen von diversen Versorgungsunternehmen, nicht nur der Spar - an die entlegenen Adressen ausliefert. Der Mail Run wurde in vielen Regionen des Outbacks als Transportsystem teilweise schon am Ende des 19. Jahrhunderts etabliert, um die riesigen Distanzen im extrem dünn besiedelten Outback effizient zu überbrücken. In dem Versorgungsgebiet von Spar Winton liegt die Bevölkerungsdichte in der unvorstellbar geringen Größenordnung von 0,025 Einw. / km² (vergl. Österreich 101 Einw. / km² = 3 900-fach dichtere Besiedlung).
Auch die Belieferung des Spar-Marktes in Winton ist eine logistische Herausforderung. Das Lager in Brisbane ist gut 1 350 km oder 15 h entfernt. Auf Europa übertragen würde dies bedeuten, dass ein einzelner „Tante-Emma-Laden“ in Wien aus einem Lager in Paris beliefert wird. Angeliefert werden 2 x / Woche jeweils 6–12 Paletten. Aus dem Spar-Sortiment sind 70 % der Produkte, 30 % werden lokal eingekauft. Das Marktsortiment umfasst rund 4 000 Artikel. Mit fünf Mitarbeitern, davon 2 Familienmitgliedern und 7 Teilzeitkräften wird ein Jahresumsatz von rund 3 Mio A$ (= 2 Mio € *) erzielt. Damit liegt dieser Markt deutlich über dem Durchschnitt der australischen Spar-Märkte (172,5 Mio € / 141 Märkte = 1,2 Mio € **). Die Vergleichszahlen für österreichische Spar-Märkte: 5,8 Mrd € / 1 566 Märkte = 3,7 Mio € **).
Vor dem Hintergrund dieser Zahlen kann man den Pioniergeist der Betreiber und den des Unternehmens Spar nur bewundern. Dies unterstreicht auch die Aussage der Betreiber, warum denn ausgerechnet die Verbindung mit Spar aus dem so weit entfernten Österreich eingegangen wurde: die umfassende Unterstützung in allen Belangen passt. Wenn zum Beispiel der PC Probleme bei der Bestellung macht, ist nicht - wie in Europa - die Unterstützung aus nächster Nähe zu erwarten. Dann kann die Familie Gillespie aber auf telefonischen Support aus Brisbane rechnen.
Jeder hat sicher schon in einem der vielen Touristen-Shops in Österreich Artikel mit dem Aufdruck „There are no Kangaroos in Austria“ gesehen. Wenn es schon keine Kängurus in Österreich gibt, Spar gibt es nachweislich in Australien!

***
*)Wechselkurs: 1,50 A$ =1,00 €
**) Quelle: http://www.spar-international.com/spar-worldwide/key-figures-2013.html

Autoren

 Hans-Otto Weissenborn

Logistik-Berater in Garching

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