Dienstag, den 24. Oktober 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 04-05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Geld aus dem Internet

Alternative Finanzierungsform | Industrie 4.0 und Digitalisierung sind die beherrschenden Themen in der Logistikszene. Komplette Wertschöpfungs- und Prozessketten können heute virtuell abgebildet und verknüpft werden. Warum also nicht auch Finanzströme im digitalen Zeitalter über das Internet abwickeln?


Wenn es um Geld und Zahlungsströme geht, hat die Logistikbranche an vielen virtuellen Stellen noch Luft nach oben. Natürlich wird der klassische Zahlungsverkehr heute nahezu überall elektronisch erledigt. Rechnung, Löhne und Gehälter bezahlen Logistiker online. Doch wenn es um Finanzierungen und deren Anbahnung geht, tigern viele Mittelständler nach wie vor zur Hausbank und bitten um Kredit.
Davon ist ein Hamburger Logistikbetrieb abgekommen. Er nutzt digitale Alternativen, wie ein Beispiel zeigt: Die Hausbank ist seit Jahren vertrauter Partner des Intralogistikers mit 120 Mitarbeitern. Das Kreditlimit ist selten vollkommen ausgeschöpft. Man kennt sich. Man schätzt sich. Doch für die Vorfinanzierung eines Großauftrags wählt der Inhaber, Firmenchef in dritter Generation, eine alternative Finanzierungsform.
Der Unternehmensberater des Betriebs bringt online Finetrading ins Spiel. Für die anstehende Umbaumaßnahme sind neue Regal- und Fördersysteme zu kaufen. Das Gesamtvolumen der neuen Muli-User-Anlage beläuft sich auf rund 20 000 €. Bis der Kunde mit seinen Konsumgütern einzieht, dauert es zwar nicht mehr lang. Trotzdem steht für den Diplom Verfahrenstechniker und Firmeninhaber schnell fest, dass er darüber nicht mit seiner Bank verhandeln will. Zumal es sich um kurzfristigen Liquiditätsbedarf handelt. Als zu träge schätzt er die Entscheidungswege des Kreditinstituts ein. Und die Konditionen von Online-Finetradern sind vielversprechend für 120 Tage Zahlungsziel.
Er entscheidet sich für das Fintech interFin. Schnell sind Logistiker und Finanzdienstleister einig. Ähnlich einem klassischen Kontokorrentkredit stellt der Finetrader eine Finanzierungslinie bereit. Basis für die Finanzierung ist jedoch ein Handelsgeschäft. Finetrading funktioniert dabei so (Bild 1): Kunden wie der Hamburger Familienunternehmer verhandeln wie üblich die Preis- und Liefermodalitäten mit dem Lieferanten. Im Unterschied zu herkömmlichen Geschäftsabläufen springt der Finetrader bei Vertragsabschluss als Zwischenhändler ein. Er erwirbt die Ware für einen definierten Finanzierungszeitraum von bis zu 150 Tagen.

Bild 1 So funktioniert das Online-Finetrading.

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So funktioniert das Online-Finetrading.


Nach Auftragsfreigabe und Bestellung durch den Finetrader wird die Ware geliefert – an die vom Kunden angegebene Anschrift. Das FinTech begleicht die Rechnung des Lieferanten unverzüglich. Der Kunde kann dennoch das vom Finetrader gewährte Zahlungsziel voll in Anspruch nehmen. Auf diese Weise schont der Besteller die Liquidität seines Unternehmens und verringert die Kapitalbindung. Zudem verbessert er die Verhandlungsposition gegenüber seinem Lieferanten und kann als quasi Barzahler weitere Rabatte oder ein höheres Skonto verhandeln und durchsetzen.

Verlängertes Zahlungsziel

Finetrading ähnelt in gewisser Weise dem Factoring. Doch statt Rechnungen zu verkaufen, wie beim Factoring üblich, und innerhalb von zwei Tagen Geld auf dem Konto zu sehen, bedeutet Finetrading wie geschildert ein verlängertes Zahlungsziel. Beide Finanzierungsinstrumente sorgen für eine höhere, kurzfristige Liquidität.

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Dirk Oliver Haller, Vorstand der Deutschen Finetrading AG.

Online Finetrading finanziert demnach den Einkauf vor. „Expansionsfreudige Firmen oder Betriebe, die ihre Angebotspalette erweitern wollen, können dies tun, ohne Banken einzubeziehen“, erklärt Dirk Oliver Haller, Vorstand der Deutschen Finetrading AG (Bild 2). Finetrading wird gerne eingesetzt, wenn der Kreditrahmen bei der Hausbank am Limit steht. Der Unternehmer jedoch einen Wareneinkauf tätigen will, weil etwa ein Sonderangebot vorliegt oder Saisonware gekauft werden soll.

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Autoren

 Leila Haidar

Online-Finetrading

Online-Finetrading  gehört  in  die  Sparte  der  FinTechs,  das  sind meist junge Unternehmen, die den Banken Konkurrenz machen. PwC-Marktbeobachter  gehen  heute  davon  aus,  dass  rund  40 % der Banken Partnerschaften mit FinTechs eingehen. Dabei bringen die Start-ups Produktdesign und Entwicklung ein. Die Banken liefern Vertriebs- und Infrastruktur. Manche entdecken darin sogar ein Geschäft.  Sie  richten  Risikokapitalfonds  für  die  Finanzierung  der
FinTechs ein. Besonders gut sind die jungen Wilden darin, einfache Produkte  zu  entwickeln  und  diese  nahtlos  zu  implementieren. Schwächen haben sie oft in passender IT- oder bei der Rechtssicherheit. Bei beidem können die Banken punkten.

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