Logistik 4.0 durch SAP EWM

Zukunftsweisender Lagerneubau | Um Wachstumspotenziale und Innovationschancen künftig schneller und effektiver erschließen zu können, hat Linde Hydraulics in ein neues Hauptwerk am Standort Aschaffenburg investiert. Das innovative integrierte Zentrallager für die Produktionsversorgung hat Anfang August 2016 seinen Betrieb aufgenommen (Bild 1). Die Umsetzung verantwortete die IGZ, der SAP EWM-Generalunternehmer aus Falkenberg/Opf. Das Leistungspaket der Oberpfälzer umfasste neben der SAP EWM Lagerverwaltungssoftware und MFS Materialflusssteuerung auch die auf die individuellen Kundenbedürfnisse maßgeschneiderte Planung und Projektierung, die schlüsselfertige Lieferung und Installation der Anlagentechnik sowie die auf SAP abgestimmte Siemens TIA Steuerungstechnik.


Bild 1 Um Wachstumspotenziale und Innovationschancen künftig schneller und effektiver erschließen zu können, hat Linde Hydraulics in ein neues Hauptwerk am Standort Aschaffenburg investiert. Das innovative integrierte Zentrallager für die Produktionsversorgung - hier ein Blick in die Wareneingangs- und Routenzug-Bereitstellung - hat Anfang August 2016 seinen Betrieb aufgenommen.

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Um Wachstumspotenziale und Innovationschancen künftig schneller und effektiver erschließen zu können, hat Linde Hydraulics in ein neues Hauptwerk am Standort Aschaffenburg investiert. Das innovative integrierte Zentrallager für die Produktionsversorgung - hier ein Blick in die Wareneingangs- und Routenzug-Bereitstellung - hat Anfang August 2016 seinen Betrieb aufgenommen.

Linde Hydraulics ist ein weltweit tätiger Entwickler und Anbieter modularer Antriebssysteme aus Hydraulik, Elektrotechnik und Elektronik, die in mobilen Arbeitsmaschinen, wie etwa in Land-, Bau-, Bergbau-, Forst- und Kommunalmaschinen sowie Industriemaschinen zum Einsatz kommen. Das Produktprogramm umfasst hydraulische Pumpen, Motoren, Ventile, elektronische Steuerungen, Peripheriegeräte und Drehantriebe. An fünf Produktionsstandorten in Deutschland und China sowie in den Tochtergesellschaften in Europa, Südamerika, den USA und China beschäftigt das Unternehmen derzeit rd. 1 300 Mitarbeiter. Mit einem dichten Netz von rd. 80 Vertriebs- und Servicepartnern ist die Präsenz von Linde Hydraulics in über 50 Ländern sichergestellt.

Strategische Neuausrichtung als logische Konsequenz

Mit dem symbolischen Spatenstich legte die heute eigenständig geführte Linde Hydraulics GmbH & Co. KG im September 2013 den Grundstein für das neue Hauptwerk in Aschaffenburg. Es ist zentraler Bestandteil eines umfassenden Optimierungsprogramms mit dem Ziel, zukünftig noch besser auf Markt- und Kundenanforderungen reagieren zu können. Unterstützt und aktiv vorangetrieben wird diese Wachstumsstrategie auch durch den Investor Weichai Power, eines der führenden Unternehmen der Nutzfahrzeug- und Automobilzulieferindustrie in China.

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Über 4 000 Paletten, Gitterboxen und Großladungsträger finden im automatischen Hochregallager Platz.

Im Zuge der Baumaßnahmen sind auf insgesamt 70 700 m² ein Gebäudekomplex für die Verwaltung, Forschung, Entwicklung und den Vertrieb sowie eine hochmoderne Produktions- und Montagehalle errichtet worden. Letztere beansprucht in etwa 22 000 m² Grundfläche. Offiziell eröffnet wurde das neue Werk am Hauptsitz Aschaffenburg im Juli 2016. Die Fertigungskapazität beläuft sich auf jährlich 150 000 Hydraulikeinheiten (Pumpen und Motoren) für Kunden und weitere 50 000 Montagekits für die Endmontage in anderen Werken.
Das im neuen Hauptwerk innovative integrierte Zentrallager umfasst ein flexibles Hochregallager, welches Platz für über 4 000 Ladungsträger (in doppelt- oder vierfachtiefer Lagerung) in drei Gassen bietet sowie ein 1-gassiges vollautomatisches Kleinteilelager AKL für rd. 28 000 Behälter (in dreifach- oder sechsfachtiefer Lagerung) (Bild 2).

 

Logistik 4.0 Innovation mit 6-fachtiefem Kleinteilelager

Abgesehen vom schlüssigen und gegenüber der ursprünglichen Planung für Linde Hydraulics noch nutzbringenderen Logistikgesamtkonzepts, brachte IGZ im AKL eine logistische Innovation ein: Auf den AKL-Regalbediengeräten sichern speziell konzipierte Lastaufnahmemittel in Verbindung mit SAP EWM/MFS eine raum- sparende, sechsfachtiefe Lagerung. Durch diese Innovation entfällt die übliche Suche nach einem Ausweichfach, was erheblichen Einfluss auf die Lagerspiele hat. Hierdurch wird zusätzlich zu der möglichen hohen Lagerverdichtung gleichzeitig eine erhebliche Performance generiert. „Zwischen Linde Hydraulics und IGZ entstand somit eine zukunftsorientierte, SAP EWM-basierte, Logistik 4.0 – Lösung. Im Vordergrund stand stets die Flexibilität und Wirtschaftlichkeit um den größtmöglichen Kundennutzen zu erzeugen“, so Christian Mattes, IGZ Geschäftsführer, zuständig für das IGZ-Generalunternehmer-Geschäft (Bild 3).

Bild 3 Christian Kilian (Linde Hydraulics) und Christian Mattes (IGZ) freuen sich über die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes.

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Christian Kilian (Linde Hydraulics) und Christian Mattes (IGZ) freuen sich über die erfolgreiche Umsetzung dieses Projektes.

„Dies sei nur durch die große Erfahrung mit SAP EWM und gleichzeitiger Technikkompetenz im automatisierten Umfeld möglich gewesen.“, so Christian Mattes. Ein anerkanntes Haupt-Attribut von Industrie 4.0 sowie Logistik 4.0 ist die durchgängige und standardisierte Vernetzung der verschiedenen Systeme untereinander, wie sie für SAP Anwender nur durch einen durchgängigen Einsatz von SAP gegeben ist. Dadurch werden Transparenz, Flexibilität und auch zusätzlicher Performancegewinn bei der Prozessabwicklung, aber auch bei z.B. Prozessänderungen erreicht. SAP EWM ist das einzige Lagerverwaltungs- und auch Materialfluss-System, welches eine durchgängige Standard-Integration (Plug&Play) mit dem SAP ERP-System bei gleichzeitiger Standardintegration in die SPS- und Aktoren-Ebene ermöglicht.
„Durch dieses von IGZ realisierte Gesamtsystem konnte entlang der gesamten Wertschöpfungskette ein durchgängiger Materialfluss realisiert werden. Hohe Effizienzsteigerung, Kostenvorteile und eine flexible zukunftsorientierte Auslegung beschreiben die Effektivität dieses Systems“, merkt Christian Kilian, Head of Logistics Drives bei Linde Hydraulics, an (Bild 3). „Wir rufen aktuell nur einen Teil der möglichen Umschlagsleistung ab und haben somit zahlreiche Reserven, über die wir jederzeit schnell und flexibel auf neue Anforderungen und Leistungsspitzen reagieren können.“

Investitionsschutz mit SAP EWM und Siemens TIA-Portal

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SAP EWM unterstützt die hohe Kommissioniereffizienz und -ergonomie aus verschiedenen Ladungsträgern.

Das Zentrallager wird mittels SAP EWM (Extended Warehouse Management) verwaltet und über die integrierte Materialflusssteuerung SAP MFS (Material Flow System) direkt angebunden (Bild 4). Unterlagert auf Maschinenebene setzte IGZ mit Siemens TIA Portal und S7–1500 Steuerungen einen weiteren Zukunftsbaustein für Linde Hydraulics ein. „Diese Systemarchitektur mit SAP EWM und Siemens TIA Portal sorgt für den aktuell höchstmöglichen Investitionsschutz auf dem Intralogistikmarkt“, erläutert Mattes. Weiter werden durch die intuitive Bedienung über die Siemens WinCC Anlagenvisualisierung schnelle Eingriffe ermöglicht.

SAP EWM-Generalunternehmer bevorzugt

SAP EWM als Standardsoftware war im Vorfeld nicht zwingend vorgesehen, gleichwohl wollten die Verantwortlichen bei Linde Hydraulics „die Gefahren eines proprietären Systems ausschließen“. Im Rahmen der Ausschreibung wurden Gespräche mit mehreren potenziellen Anbietern geführt. Hierbei kristallisierten sich die besonderen Vorteile einer SAP EWM-basierten Lösung heraus – auch reduzierte Schnittstellen sprachen für eine durchgängige Integration des Zentrallagers in SAP EWM.
Nachdem es IGZ bereits unter die letzten verbliebenen Finalisten geschafft hatte, punktete das SAP-Projekthaus für Logistik und Produktion aus der Oberpfalz mit einem entscheidenden Aspekt. „IGZ hat sich sowohl als SAP-Spezialist präsentiert, besitzt aber gleichzeitig auch die hohe Kompetenz als Generalunternehmer“, so Christian Kilian. „Das hat uns überzeugt.“
Infolge erhielt IGZ von Linde Hydraulics den Zuschlag für das SAP EWM-Generalunternehmer-Projekt. Christian Mattes ergänzt: „Gut angenommen wurden auch unsere IGZ-Testtools, die in jedem unserer Projekte in Einsatz kommen. Durch den frühzeitigen Einsatz erreichen wir bei unseren Kunden eine hohe Verfügbarkeit und Leistung bereits ab Produktivbeginn.“ Das wiederum sichere beiden Parteien den Projekterfolg und dadurch nachhaltig Aufwände und Kosten.

Maßanzug statt Standard von der Stange

Gleichzeitig stimmte die „Chemie“ zwischen den Verantwortlichen von Linde Hydraulics und IGZ. „Wir haben von Anfang an eine sehr konstruktive Zusammenarbeit gepflegt und das Ganze gemeinsam zügig vorangetrieben“, betont Christian Kilian. Auf jede Anforderungsanpassung seien innerhalb kurzer Zeit adäquate Lösungen gefunden worden, darunter auch Neuerungen, die als Antwort auf die individuellen Anforderungen des Aschaffenburger Antriebsspezialisten konzipiert und realisiert worden sind.
So lassen sich im AKL mit integrierten Supermärkten, über das auch die Routenzüge bedarfsgerecht bestückt werden, beispielweise Kleinladungsträger mit den Abmessungen 300 x 200 mm im Kanal 6-fachtief einlagern, größere Behälter (300 x 400 mm) 3-fachtief. Gleichzeitig dienen seitlich installierte Ausgabestationen zur Bereitstellung als Supermarkt mit fester Belegung sowie dynamisch belegbare Bahnen für die zeitnahe Produktionsversorgung über Routenzüge (Bild 5).

Bild 5 Warenentnahme aus dem im AKL integrierten Supermarkt.

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Warenentnahme aus dem im AKL integrierten Supermarkt.

Der Nachschub für diese Supermarktbahnen erfolgt vollautomatisch mit dem Regalbediengerät und kann jederzeit im SAP EWM entsprechend der aktuellen Anforderungen konfiguriert werden. Dies erhöht Schnelligkeit und Flexibilität.
„Eine weitere Besonderheit liegt in der mechanischen Ausführung des Hochregals mit dessen Vorzone. Wir transportieren Gitterboxen, Ganz- und Halbpaletten mit sog. „Elefantenfüßen“ nicht nur horizontal auf Fördertechnik, sondern lagern diese vollautomatisch direkt in den gleichen Stellplätzen chaotisch ein“, so Christian Mattes. Dadurch entfallen Arbeitsschritte, wie Unterpalettierung und Leerpalettenhandling sowie diverse manuell erforderliche Tätigkeiten, was eine langfristige Kostenersparnis bei maximaler Flexibilität für Linde Hydraulics bringt.

Plattform für die weltweite Expansion

„Derartige Lösungen lassen sich nur mit Unterstützung von Partnern realisieren, die in erster Linie auf die Anforderungen der Kunden und nicht auf den eigenen Standardproduktkatalog fokussiert sind“, berichtet IGZ-Geschäftsführer Christian Mattes weiter.

„Als SAP EWM-Generalunternehmer agieren wir herstellerneutral. Gleichzeitig muss stets die Frage geklärt werden, welcher Technikhersteller die Umsetzung der geplanten Lösung bestmöglich beherrscht.“ Dazu Christian Kilian: „Aus der gewonnenen Erfahrung heraus kann ich hierbei nur ergänzen, dass IGZ hier äußerst kunden- und lösungsfokussiert auftritt. Eine Palettenfördertechnik von der Stange ist keine Kunst, aber die Kombination aus bewährten unterschiedlichsten Techniken, wie sie bei uns zur Verwendung kommen, fördert unsere Produktivität enorm.“ Interdisziplinäres und spezifisches Know-how sei darüber hinaus beispielsweise auch bei der Statik erforderlich gewesen.
Seit dem erfolgreichen Go-Live des neuen Zentrallagers im August 2016 sammeln die Projektbeteiligten erste Erfahrungen im realen Praxisbetrieb. „Die Anlage ist durchgängig in Betrieb und wir sehen jetzt, wie das Gesamtsystem im Detail funktioniert und wie leistungsfähig dieses ist“, so der Cheflogistiker von Linde Hydraulics weiter. „Mit dem bislang gemeinsam Erreichten sind wir mehr als zufrieden.“ Ergänzend zum Hochregallager und dem automatischen Kleinteilelager als Dreh- und Angelpunkt finden sich hier Funktionsflächen für die Supermarkt-Abwicklung, einen erweiterten Warenumschlag und das Behältermanagement. Als SAP EWM-Generalunternehmer ist IGZ auch weiterhin Ansprechpartner für alle Gewerke und zudem Dienstleister bei Supportfällen. Die Intralogistik-Experten aus Falkenberg/Opf. leisten also nicht nur den SAP EWM-Support, sondern verantworten auch die Serviceabwicklung für Mechanik und Steuerung in allen Lebensphasen der Anlage. Basis hierfür ist eine individuelle Vereinbarung, durch die IGZ dem Linde-Team unterstützend zur Seite steht.
Der Umzug in das neue Hauptwerk von Linde Hydraulics wurde gegen Ende 2016 am Standort Aschaffenburg vollständig abgeschlossen. Insgesamt rd. 80 Mio. Euro sind in den Bau geflossen – in jüngster Zeit eine der größten Fabrikinvestitionen auf der grünen Wiese in Bayern. Mit dem Projekt hat Linde Hydraulics nun eine verlässliche Basis dafür geschaffen, die eigene Marktposition international weiter auszubauen.
SV