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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Nachweislich vertrauenswürdig

Transportsicherheit | Logistikdienstleister in Deutschland stehen auch im Jahr 2017 vor herausfordernden Aufgaben. Geprägt werden sie durch die langfristigen Trends, Geschäftsrisiken zu minimieren und dafür Geschäftspartner zu auditieren. Wolfgang Engel, Leiter des Competence Center Logistics der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS GmbH), erklärt im Interview, wie sich Logistikunternehmen optimal aufstellen können.


LfU: Was ist aus Ihrer Sicht die größte  Aufgabe  für  Logistikdienstleister in diesem Jahr?

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Wolfgang Engel, Leiter des Competence Center Logistics der Deutschen Gesellschaft zur Zertifizierung von Managementsystemen (DQS GmbH).

Wolfgang Engel: Der Transportmarkt  wird  immer  transparenter  und  unübersichtlicher  zugleich.  Denn  wer  Frachtraum mit wenigen Klicks online ganz einfach  einkaufen  kann,  muss sich  umso  mehr  versichern, dass seine Waren auch ihr Ziel sicher  erreichen.  In  diesem Spannungsfeld, in dem sich die Player  immer  weniger  persönlich kennen, wird es für Spediteure  und  Frachtführer  gleichermaßen immer schwieriger, vertrauensvolle Geschäftsbeziehungen aufzubauen.

LfU: Welche Lösung empfehlen Sie?

Wolfgang  Engel:  Um  beiden Vertragspartnern die Sicherheit zu geben, dass sie sich aufeinander  verlassen  können,  haben wir im Competence Center Logistics der DQS einen Standard entwickelt,  der  sich  „Qualified Carrier“  nennt  –  also  qualifizierter Frachtführer. Damit bieten wir Transportunternehmen ein Gütesiegel, mit dem wir die Qualität ihrer Arbeit bestätigen. Bei  ihnen  vor  Ort  betrachten unsere  Auditoren  dafür  mehr als 40 Kontrollkriterien, wie etwa  die  kalkulatorische  Grundlage  bei  der  Auftragsbearbeitung oder das Vorgehen bei Unfällen.  Sie  schauen  außerdem, wie  das  Unternehmen  für  die Zukunft plant und vorgeschriebene  Schulungen,  Versicherungs-  und  Sozialstandards  erfüllt. Wer für uns unverzichtbare  KO-Kriterien  nicht  einhält, besteht  das  Audit  nicht.  Wer aber so arbeitet, wie es auch der gesunde Menschenverstand gebietet,  besteht  das  Audit  mit Leichtigkeit und kann sich von seinen Konkurrenten abheben.

LfU:  Es  kommt  also  auf  die Zuverlässigkeit an. Wo gilt das noch?

Wolfgang  Engel:  Ein  exaktes Vorgehen ist in der Pharmalogistik in ganz besonderem Maße wichtig. Denn hier müssen sich die Hersteller und Händler von Arzneimitteln sicher sein, dass auch in der gesamten Logistikkette die Vorschriften der europäischen  GDP-Richtlinie eingehalten  werden.  Das  wird behördlich  kontrolliert.  Und wer  einzelne  Teilprozesse  an Dienstleister  überträgt,  muss diese  selbst  überprüfen.  Auch hier nehmen unsere Auditoren die  erforderlichen  Kontrollpunkte sorgfältig unter die Lupe. Wer alles sorgfältig bearbeitet,  bekommt  natürlich  ein GDP-Zertifikat der DQS.

LfU: Im Jahr 2016 wurden so viele  Frachten  wie  nie  zuvor gestohlen. Wie kann man das vermeiden?

Wolfgang Engel: Wer die physische Sicherheit von Lager- und Transportprozessen verbessern will, findet in den Standards der TAPA-Organisation  (Transported  Asset  Protection  Association)  sinnvolle  Empfehlungen. Dieser  Zusammenschluss  von Produzenten  und  Dienstleistern verfügt über enorme Erfahrungen  und  betreibt  auch  ein eigenes  Informationsnetzwerk mit Hinweisen zu gefährlichen Routen oder sicheren Parkplätzen.  Mit  einer TAPA-Zertifizierung  durch  das  CCL  können Dienstleister  ihren  Auftraggebern gegenüber die Einhaltung dieser Standards nachweisen.

LfU: Welche anderen Bereiche sind noch sicherheitsrelevant?

Wolfgang Engel: International ist  die  Cyberkriminalität  immer  stärker  auf  dem  Vormarsch.  Das  betrifft  sowohl die  Bordelektronik  der  Fahrzeuge als auch die operativen IT-Systeme in den Logistikunternehmen.  Oft  fehlt  Spediteuren noch das Bewusstsein, wie viele Geschäftsgeheimnisse  ihrer  Kunden  in  den  Auftragsdaten  abzulesen  sind. Hinzu  kommt  noch,  dass  die Logistik  eine  unverzichtbare Rolle  für  die  Versorgung  der Bevölkerung einnimmt – und deshalb Ziel von Sabotage und Online-Kriegsführung werden kann.  Das  hat  das  Bundesinnenministerium  erkannt  und mit  dem  IT-Sicherheitsgesetz ein  neues  Schutzniveau  entworfen. Nun ist es an den Unternehmen,  diese  staatlichen Vorgaben zu erfüllen. Ihre Einhaltung wird künftig in mehrjährigen Zyklen von externen Dritten wie den Auditoren der DQS überprüft.

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