Donnerstag, den 17. August 2017
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Ausgewählte Ausgabe: 01-02-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Logistik-Mitarbeiter werden Smart Talents

Weiterbildung | Ob VR-Brille, Augmented Reality oder Pick-to-Place-Kommissionierungsassistenten. Die Digitalisierung verändert auch die Bildung. Heute wird nicht mehr auf Vorrat gelernt, sondern in der konkreten Arbeitssituation. Und auch ungelernte Mitarbeiter werden mit den neuen Systemen zum smarten Talent.


Eine Situation, die aus dem normalen Arbeitsalltag nicht wegzudenken ist: „Gut, dass du da bist, wir haben echt Stress hier“, begrüßt der Schichtleiter den Neuankömmling. Er erläutert die Situation: Mehrere Kollegen krank oder im Urlaub, der Wareneingang brummt. Dazu ist auch noch ein Paket verschwunden, das unbedingt gefunden werden muss. Die Situation wird gespielt von einem sympathischen Schauspieler in einer Videosequenz im digitalen Lernprogramm eVideo 2.0. „Auf die motivierende Handlung kommt es an“, ist sich Björn Schulz vom KES-Verbund sicher. Sein Fachbereich Bildung und E-Government wird vom Verein Arbeit und Leben e.V. in Berlin getragen. Mit seinem Team und Linde Material Handling entwickelte er die 22 Übungen für Mitarbeiter in der Logistik. Die Zielgruppe: lernschwache und ungelernte Kräfte. Mit einem animierten Gabelstapler fahren die Lernenden dann am PC durch eine virtuelle Lagerhalle, müssen Stellplätze ansteuern, Anweisungen und Zahlen lesen und verstehen. „Es geht darum, eine authentische Situation zu schaffen, die wirklich etwa in einer Umschlaghalle anzutreffen wäre“, erläutert Schulz. Und parallel suchen sie nach dem verschwundenen Paket. Die folgenden Übungen fordern den Logistikmitarbeiter in der Lernsituation auf, Arbeitsanweisungen sorgfältig zu lesen, Zahlen abzugleichen und konzentriert zu bleiben. Die Reihenfolge bestimmt die Jagd nach dem verschwundenen Paket. „Wir richten uns an Erwachsene in der Logistik, die wenig Erfahrung haben und wenig Schulbildung.“ Typische Lagerarbeiter haben häufig Probleme damit, längere Texte zu lesen, Wörter korrekt zu schreiben und Zahlen im Kopf zu addieren. Mit diesem webbasierten Training sollen sie es anhand einer motivierenden Handlung üben.

Leistungsdruck abmildern

Didaktisch haben die Experten von Arbeit und Lernen so einiges berücksichtigt. Die Schulungsteilnehmer sind oft Menschen, die schon lange keine Weiterbildung mehr besucht haben oder nicht sehr versiert mit dem Computer sind. Die freundliche Eingangssequenz soll den ersten Leistungsdruck abmildern. Auch sind die Übungen etwa mit Drag & Drop oder Lückentexten sehr einfach und ohne Zeitdruck machbar. Es läuft kein Countdown, der User hat so viel Zeit wie er braucht. „Menschen, die keine Computer mögen, erreichen wir mit so einem Training nicht. Aber inzwischen haben die meisten Mitarbeiter ihre Hemmungen gegenüber dem PC abgebaut“, so Schulz.

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Christian Wachter, Vorstand IMC AG: „Digitales Lernen findet immer weniger im stillen Kämmerlein am PC statt. Sondern immer häufiger in einer konkreten Arbeitssituation.“

„Digitales Lernen kommt immer mehr in Bereichen an, wo das frühere E-Learning als Alternative zu Präsenztrainings kaum eingesetzt wurde. Heute ist Lernen immer häufiger Aus- und Weiterbildung in einer konkreten Arbeitssituation“, erläutert IMC-Vorstand Christian Wachter (Bild 1). Er führt ein Unternehmen, das sich seit rund 20 Jahren mit digitalem Lernen beschäftigt. Beispielsweise entwickelt er derzeit ein Assistenzsystem für einen Kommissionierer. Die Anwendung soll Packer Schritt für Schritt durch einen Kommissioniervorgang leiten: Anzahl Teile pro Paket, erste Lage, zweite Lage und so weiter.

Wissensaufnahme durch konkretes Handeln

Es werde immer weniger auf Vorrat gelernt, sondern vielmehr on demand – also genau dann, wenn die Information gebraucht und direkt angewendet wird. „Dadurch verzahnen sich Lernen und Praxis mehr und mehr“, beobachtet der Experte für digitales Lernen. Immer häufiger gerät so eine Logistikschulung zum Performance Support, also zu einer direkten Hilfe bei der eigentlichen Arbeit. Für Lagerarbeiter, Logistikleiter & Co ein echter Vorteil. Denn wissenschaftliche Studien belegen, dass wir im Tun am besten Lernen. Das Gehirn nimmt bis zu 70 % seines Wissens beim konkreten Handeln auf. Ein Fünftel des Wissens erwerben wir, indem wir anderen über die Schulter schauen. Bleiben zehn Prozent für klassische Schulungen. Wachter glaubt, dass Unternehmen mit den smarten Methoden Lernzeiten um etwa die Hälfte verkürzen und Schulungskosten um ein Drittel reduzieren können.
Bei Carl Zeiss setzt man auf Lernen in konkreten Situationen mithilfe von Augmented Reality (Bild 2).

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Bild 2
Die Zeiss AG demonstriert gemeinsam mit der IMC AG am Beispiel der „Lernfabrik“, wie heute intelligent produziert wird.

Dabei ergänzen animierte Elemente die echte Welt um uns herum. Während beim beliebten Handy-Spiel „Pokémon Go“ Fantasietiere an Straßenecken lauern, sind es beim Technologiekonzern Produktionsanlagen, die mit Erklärungen versehen werden. In der Praxis geht der für den Prozess verantwortliche Ingenieur mit seinem Tablet in der Hand die Fertigungsstraße entlang. Dabei scannt der Mini-PC die Maschine. Die Schulungs-App blendet auf dem Bildschirm zusätzlich Animationen, Erklärtexte und Beschriftungen ein – etwa zu Verarbeitungsstationen wie einem Vereinzeler oder dem Transportband. Interaktiv kann der Nutzer Bereiche auswählen, die ihn interessieren und sich animierte Sequenzen oder weitere Informationen anzeigen lassen. „Damit schulen wir Servicetechniker. Oder ein leitender Ingenieur kann sich Abläufe bei der Herstellung anschauen“, sagt Dirk Kubitschek, Verantwortlicher für Bildung und digitales Lernen bei Zeiss. Entwickelt hat er das System mit dem Experten für digitales Lernen IMC. Ein zusätzlicher Bonus für die tägliche Arbeit: Die Maschine kann über diesen Weg auch mit seinen Nutzern kommunizieren. „Überprüfe den Füllstand“ sagt sie dann, oder „ein Werkstück hat sich an Stelle XY verklemmt“.

Methoden sind übertragbar

Solche Lernmethoden lassen sich leicht auf die Logistik übertragen. Denn auch hier werden Hochregale zunehmend automatisiert, Warenwirtschaftssysteme mit Pickanleitungen gekoppelt. Da bieten sich Augmented Reality, Online-Kurse oder Mischungen aus Präsenz-Seminaren und digitalen Inhalten an. Denn oft ist es ein Mix, der Erfolge liefert. Firmen wie Zeiss, aber auch Logistiker setzen daher mehr und mehr auf offene Lernmanagement-Systeme. Plattformen wie die IMC Learning Suite, die von Compliance über Technik, Sicherheitsunterweisungen und Big Data alles vereinen. Und Systeme, die Inhalte aller Hersteller übersichtlich und ansprechend darstellen.

Autoren

 Leila Haidar

MC AG –...

... einer der führenden E-Learning Anbieter

Mit mehr als 5 Mio. Nutzern und über 1 000 Kunden weltweit ist die IMC AG, entstanden als Universitäts-Spin-Off, heute einer der führenden Full-Service-Anbieter im Bereich digitale Weiterbildung. Seit Anfang 2013 ist das Unternehmen räumlich wieder an seine Wurzeln an die Universität zurückgekehrt. On-Campus, mit rund 20  Jahren  Erfahrung  und  mit  220  Mitarbeitern  weltweit,  unterstützt  die  IMC  Unternehmen,  öffentliche  Institutionen  und  Bildungseinrichtungen aller Branchen und Größen bei der Umsetzung maßgeschneiderter Bildungsprozesse.
Das vielfach prämierte Produkt- und Service-Portfolio umfasst neben dem Learning und Talent Management System, IMC Learning Suite, auch das innovative Electronic Performance Support System (EPSS), IMC Process Guide, sowie die intuitiv nutzbare Autoren-software, IMC Content Studio. Für Ersteller digitaler Inhalte bietet IMC  den  kostenlosen  Cloud-Service  IMC  Teach.  Darüber  hinaus bietet  IMC  maßgeschneiderte  und  standardisierte  Lerninhalte  zu vielfältigsten Themenbereichen.

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