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Ausgewählte Ausgabe: 04-05-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Lichtblick im digitalen Daten- und Warenfluss


Die aktuelle Entwicklung der Logistik lässt sich durch viele griffige Formulierungen beschreiben. Fast täglich beschäftigen wir uns mit Schlagworten wie Big Data, Digitalisierung oder Smart Supply Chain. Doch kaum ein anderer Begriff verdeutlicht diese Entwicklung besser als Transformation – denn die gesamte Branche befindet sich im Fluss. Wie so oft übernimmt die Logistik eine Vorreiterrolle, als Impulsgeber für die gesamte Wirtschaft. Märkte wachsen zusammen, globale Warenströme und der damit verbundene Datenfluss nehmen zu. Ein Trend der sich weiter verstetigt, etwa im rasant wachsenden Onlinehandel. Nicht nur unser Kaufverhalten verändert sich, sondern auch unsere gesamte Lebensweise: Bestellungen lassen sich ganz einfach, jederzeit, an jedem Ort und mit mobilen Endgeräten tätigen. Same-Day-Delivery, Sendungsverfolgung in Echtzeit und Zustellung nach Wunsch sind schon heute Realität. Möglich wird all das erst durch eine schlanke und agile Logistikkette. Eine wichtige Grundlage hierfür sind Daten – oder vielmehr die Qualität von Daten. Denn erst durch die vollständige Erfassung, sinnvolle Anordnung und Nutzung dieser Daten lassen sich komplexe Prozesse vereinfachen und Transparenz herstellen. Nehmen wir als Beispiel die logistische Meisterleistung von Paketdienstleistern. In Spitzenzeiten bearbeitet ein Dienstleister über 10 Mio. Sendungen pro Tag und liefert diese an mehrere Millionen Empfänger weltweit aus. Hierbei werden Barcodes und 2D-Codes gelesen sowie kundenbezogene Daten wie Adress- und Zusatzinformationen erfasst. Auch objektbezogene Daten wie Volumen und Gewicht der einzelnen Sendung werden gespeichert. Prognosen zufolge verdoppelt sich in Zukunft alle zwei Jahre die Datenmenge. Automatisierte Lösungen zur Identifikation und Erfassung von Sendungen übernehmen dabei eine zentrale Rolle: sie erhöhen nicht nur den Durchsatz, sondern bilden die intelligenten Komponenten der digitalen Supply Chain. RDW-Systeme (Reading, Dimensioning, Weighing) kommen weltweit zum Einsatz. Schon der Begriff impliziert Mehrwert: als Komplettlösung bündeln sie mehrere Prozessschritte. Vor allem das Auswerten unterschiedlicher Codes und die Volumenvermessung zählen zu den Kernkomponenten moderner Auto-ID-Systeme. Schnelligkeit ist ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, deshalb ersetzen automatisierte Systeme zunehmend den zeit- und personalintensiven Vorgang der manuellen Erfassung mit Scannern. Durch die gezielte Auswertung der gewonnenen Daten lassen sich Optimierungspotenziale erschließen und einheitliche Standards implementieren. Größter Vorteil der Kameratechnik ist die Generierung des 2D- und 3D- Bildes von Objekten. Durch die globale Archivierung aller Objektdaten inkl. dieser Bilder ist sowohl die umfassende Analyse der Daten online, als auch die Nachvollziehbarkeit durch den Menschen offline, jederzeit an jedem Ort der Welt möglich. Die Daten bilden den „digitalen Fingerabdruck“, mit dem Veränderungen wie Beschädigungen oder Manipulationen automatisch erkannt und für wichtige, auch sicherheitsrelevante, Aufgaben genutzt werden können. Damit bilden automatisierte Identifikationssysteme schon heute das Rückgrat für „Big Data“. Und mehr noch – durch anwenderfreundliche Softwarepakete leisten sie einen wichtigen Beitrag für mehr Transparenz entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Mit der zunehmenden Komplexität in der Logistik sind jedoch Lösungen gefordert, die „Big Data“ nicht nur abbilden, sondern erfolgreich managen. Erst durch die Bündelung der Informationen und deren Verknüpfung mit angegliederten Prozessen entsteht die smarte Supply Chain. Die automatisierte Erfassung markiert hier den Startpunkt: sie liefert den kompletten Datensatz zu jeder einzelnen Sendung, inklusive 2D und 3D-Bild, Länge, Breite, Höhe sowie Volumen und Gewicht. Autofokus Zeilenkameras erzeugen hochaufgelöste Bilder von Packstücken (auch auf Paletten) und lesen die dort angebrachten Barcodes, 2D-Codes und Klarschrift (OCR). Praktisch zeitgleich übermitteln die Systeme alle Daten an angebundene Warenwirtschaftssysteme. Volumen- und Gewichtsdaten werden zertifiziert erfasst und ermöglichen damit eine automatische Rechnungsstellung. Zudem bilden die Daten eine wichtige Grundlage für die exakte Planung der Transporte. Eine bessere Auslastung bedeutet weniger Kosten – und letztendlich eine effizientere Logistik, die für die Herausforderungen der Zukunft gerüstet ist.

Autoren

 Gerhard Bär

Chief Operating Officer bei der Vitronic Dr.-Ing. Stein Bildverarbeitungssysteme GmbH, Wiesbaden.

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