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VDI-Konferenz „Agile Methoden in der physischen Produktentwicklung agileING“

Agile Methoden in der Produktentwicklung

Agile Methoden für die Produktentwicklung haben sich zu einem buchstäblichen Trend entwickelt. Hohe Erwartungen werden an sie geknüpft, bisweilen werden sie gar als Allheilmittel betrachtet, um im härter werdenden Wettbewerb zu bestehen – in jedem Fall aber sind sie viel mehr als ein temporärer Hype. Davon ist etwa Prof. Dr. Ayelt Komus, Professor für Organisation und Wirtschaftsinformatik an der Hochschule Koblenz, überzeugt: „agileING hat jede Menge Substanz zu bieten. Derzeit können wir erleben, wie von Konzernen bis hin zum Mittelstand die konkrete Arbeit zunehmend durch die Nutzung agiler Methoden geprägt wird – in einer Übertragung auch auf Themen und Unternehmensbereiche sowie Prozesse, an die man auf den ersten Blick womöglich gar nicht denken würden.“

Die reine „Software-Ecke“ haben agile Methoden jedenfalls längst verlassen. Mit der aktuellen, mittlerweile dritten internationalen Studie, die Prof. Komus zu diesem Thema verantwortet, bestätigt sich: Resultate in Unternehmen, die sich agile Methoden zunutze machen, sind besser – in der Produktentwicklung gleichermaßen wie in anderen Bereichen. Dabei geht es nicht alleine um ein schnelles time-to-market: So erwarten 61 Prozent der befragten Unternehmen eine Optimierung der Produkteinführungszeit durch agile Methoden – aber auch in anderen Bereichen sind die Erwartungen hoch: So nutzen viele Unternehmen agile Methoden auch zur Optimierung der Qualität (47% - Mehrfachantworten waren möglich) oder, um Risiken im Projekt zu reduzieren (42%).

„Alles in der Industrie digitalisiert sich. Auch deswegen wird Agilität immer mehr zum prägenden Faktor, egal ob in der Automobilindustrie oder im Maschinenbau etc.“, so Prof. Komus. Gerade in der letztgenannten Branche sind die Umbrüche so groß, dass es sich Unternehmen kaum mehr leisten könnten, in die falsche Richtung zu entwickeln. Agile Methoden bieten genau das Maß an Flexibilität und die Möglichkeit, schnell Veränderungen umzusetzen, was die Märkte heute erfordern. „Agile Methoden helfen Unternehmen, besser zu verstehen, was ihre Märkte im Detail benötigen“, betont Prof. Komus: „Basis ist ein permanentes sich-Weiterentwickeln, nie-Zufriedensein und laufendes Überprüfen von Prozess und Ergebnissen sowie die Vermeidung unnötiger detaillierter langfristiger Planung, die dann oft doch nicht umgesetzt werden kann.“ 

Die Industrie 4.0 und die Digitalisierung vieler Geschäftsprozesse hat auch im Maschinenbau ein Umdenken ausgelöst – ebenso wie das Auftreten neuer Wettbewerber aus dem Ausland. Die Erkenntnis: Um die weltweit starke Position zu halten, muss und will der deutsche Maschinenbau flexibler, beweglicher – ganz einfach agiler – werden. „Dabei reicht es allerdings nicht, nur die eine oder andere Methode einzusetzen“, unterstreicht Marco Niebling, verantwortlich für das Agile Projektmanagement bei der Heermann Maschinenbau GmbH: „Entscheidend ist das große Ganze: Was will man verändern? Welche Ziele will man erreichen? Wie schafft man einen zum Unternehmen passenden Rahmen, in dem sich die Mitarbeiter verlässlich weiterentwickeln können? Erst wenn diese und weitere Fragen geklärt sind, kann sich ein Unternehmen den individuell passenden, agilen Baukasten zusammenstellen.“

Eine Herausforderung des Maschinenbauunternehmens lautet etwa, Produkte noch stärker kundenseitig zu individualisieren, flexibler und schneller Anforderungen erfüllen zu können. Zugleich folgt das agile Unternehmen dem Weg der Spezialisierung und der Konzentration auf weniger, dafür besonders vielversprechende Produktbereiche. Erfolge sind schon heute für den Mittelständer klar erkennbar: In Form einer ungleich größeren Nachfrage von Bewerbern, einem verbesserten Betriebsklima und einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit. Die Verbesserungen sind aber ebenso ablesbar an konkreten Kennziffern: Die gesteigerte Rentabilität zählt ebenso dazu wie die deutlich verbesserte Liefertreue bei gleichzeitig geringerem Mitteleinsatz. 

Für Dr. Komus jedenfalls steht fest: Agile Methoden sind gekommen, um zu bleiben, die Uhr lasse sich nicht mehr zurückdrehen. Wichtig sei es für Unternehmen, diesen Veränderungsprozess in Angriff zu nehmen. Viele Techniken lassen sich dabei durchaus isoliert betrachten und nutzen, vom Daily Scrum über das relative Schätzen bis zur regelmäßigen Retrospektive gibt es viele Techniken, die – wenn gewünscht – auch das klassische „Wasserfall“-Projektmanagement unterstützen. Das Fazit des Professors ist eindeutig: „Uns stehen heute zahlreiche Elemente zur Verfügung, die sich in der Produktentwicklung und im Projektmanagement hervorragend mit einer klassischen Vorgehensweise verknüpfen lassen. Es ist für Unternehmen dringend empfehlenswert, die Chance zu nutzen und vorwärts zu gehen.“

Intensive Einblicke in diese Thematik bietet die VDI-Konferenz „Agile Methoden in der physischen Produktentwicklung agileING“ unter der Leitung von Prof. Dr. Komus. Termin und Ort: 10. und 11. Mai 2017, Maritim Hotel Düsseldorf  - ausführliche Informationen gibt es unter www.agileing.de.

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