Herausforderung Plug & Work


Die industrielle Produktion befindet sich in einem radikalen Wandel. Ausgehend von den bahnbrechenden Erfolgen in der Automobilindustrie haben zahlreiche Branchen die Potentiale der Produktionsautomatisierung erkannt und für sich erschlossen. Der Maschinenbau zählt ebenso dazu wie die Konsum- güter-, Kunststoff-, Elektronik- oder Lebensmittelindustrie. Industrieroboter und Montageanlagen sind zu einem entscheidenden Schlüssel für Effizienz, Qualität sowie für den Gesundheitsschutz und die Ergonomie am Arbeitsplatz geworden. Längst nutzen auch kleine und mittelständische Unternehmen die Möglichkeiten der Automation. Der nächste Entwicklungsschritt steht bereits unmittelbar bevor: Schon bald wird die unmittelbare Interaktion von Mensch und Roboter zum alltäglichen Bild in unseren Fabriken werden.
Angesichts dieser Erfolge ist es umso erstaunlicher, wie kompliziert sich die Konstruktion und Integration von Automations-lösungen gestaltet. Auch heute sind die Programmierung und der Aufbau der Kommunikation zwischen den einzelnen Elementen eines Systems mit großem manuellem Aufwand verbunden. Während Hardwareinstallationen am heimischen PC mittlerweile locker leicht per Plug & Play von Grundschulkindern erledigt werden, tun sich Konstrukteure oft schwer mit einem Wust aus Kommunikationsprotokollen, Steckverbindern und Adapterplatten. Mittlerweile buhlen 25 Bus-Systeme um die Gunst der Anwender. Vom viel gepriesenen Plug & Work sind wir heute, an der Schwelle zur Industrie 4.0, noch weit entfernt.
Gerade für die europäische Industrie stecken im Trend zur umfassenden Automa- tion enorme Chancen: die Digitalisierung im Zuge der Industrie 4.0, die Mechatronisierung von Montage- und Handhabungssystemen und das weite Feld der Mensch- Roboter-Kooperation und -Kollaboration versprechen exzellente Perspektiven. Dies gilt umso mehr, je besser es gelingen wird, wirkliche Standards zu etablieren, die die Inbetriebnahme und Nutzung der Systeme radikal vereinfachen. Hierzu zählt auch der Einsatz von Auto- Learn-Technologien, intuitiven Bedienkonzepten und dezentraler Intelligenz. Die Smart Factory wird erst dann wirklich smart sein, wenn der Azubi im dritten Lehrjahr mit der Inbetriebnahme einer Komponente nicht mehr überfordert ist. Das Ziel der europäischen Industrie sollte es sein, auch bei der Installations- und Wartungsfreundlichkeit von Anlagen eine technologisch führende Position zu erarbeiten. Ganz nach der Devise: Keep it simple. Denn Zeit ist zu wertvoll, um sie zu vergeuden. Überall auf der Welt.