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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Gleichstrom: Steht der Paradigmenwechsel bevor?

Die Geschichte der Stromverteilung begann mit einem Irrtum: Der geniale Erfinder Thomas Edison setzte auf die Gleichstrom-Übertragung – und damit aufs falsche Pferd. Doch neuerdings gewinnt die Gleichstrom-Technik mehr und mehr Befürworter, denn die Art und Weise, wie wir Strom erzeugen, verteilen und verbrauchen, hat sich grundlegend geändert. Das wird auch in der Industrie auf allen Ebenen einschließlich der Verbindungstechnik tiefgreifende Veränderungen mit sich bringen.


Bild 1 Die Zukunft könnte in der Gleichspannung liegen. Mit der „Ölflex DC 130H“ hat Lapp ein neues Kabel im Programm, das eigens für Gleichspannungen bis 600 Volt ausgelegt ist.

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Die Zukunft könnte in der Gleichspannung liegen. Mit der „Ölflex DC 130H“ hat Lapp ein neues Kabel im Programm, das eigens für Gleichspannungen bis 600 Volt ausgelegt ist.

Er gilt als einer der größten Erfinder aller Zeiten: Thomas Edison, Erfinder des Phonographen und natürlich der elektrischen Glühbirne – 1093 Patente gehen auf sein Konto. 1882 nahm Edison sein erstes Kraftwerk in Betrieb, das unter anderem die New Yorker Wall Street elektrifizierte. Das Kraftwerk arbeitete mit Gleichstrom und Edisons Mitarbeiter Nikola Tesla sollte dafür einen Dynamo entwickeln – was er auch erfolgreich tat. Doch der gebürtige Kroate hatte noch eine andere Idee: Statt mit Gleichstrom beschäftigte sich Tesla mit Wechselstrom-Technik, die er nach einem Streit mit Edison fortan mit dessen Konkurrenten George Westinghouse weiterverfolgte. Edison blieb stur: Statt ebenfalls auf die offensichtlichen Vorteile des Wechselstroms zu setzen – einfaches Anpassen der Spannung mit Transformatoren zur Übertragung über größere Distanzen, dünnere und damit günstigere Kabel – versuchte der renommierte Erfinder seine beiden Konkurrenten zu diskreditieren. Edison setzte durch, dass der gerade erst erfundene elektrische Stuhl mit der Technik der Konkurrenz betrieben wurde. Wechselspannung gleich Tod, sollte die Botschaft sein. Der Coup gelang, doch Edison konnte sich nur kurz freuen. Die Weltausstellung in Chicago 1893 wurde mit Wechselstrom erleuchtet und läutete ihren Siegeszug im 20. Jahrhundert ein. Thomas Edison gestand später seinem Sohn: „Ich glaube, der größte Fehler meines Lebens war, dass ich nicht auf Wechselstrom umgestellt habe.“

Revival einer alten Technik

Heute, 86 Jahre nach Edisons Tod, deutet sich an, dass der große Erfinder mit seiner Unterstützung der Gleichstrom-Technik vielleicht doch nicht so falsch lag, wie man lange dachte. Edison könnte rehabilitiert werden, denn durch mehrere aktuelle Entwicklungen wird Gleichstrom wieder attraktiv:
1. Energieerzeugung: Bisher erfolgt die Energieerzeugung mit Wechselstrom etwa in den Generatoren großer Kohle- und Kernkraftwerke, aber auch in Wasserturbinen. Die verteilen ihre Energie über ein Wechselspannungs-Stromnetz. Mittels Transformatoren lässt sich die Spannung auf einige 100 000 Volt erhöhen, das hält die Ströme in den Kabeln und damit die Verluste gering. Doch zunehmend drängen Erzeuger ins Netz, die ihre Energie als Gleichstrom bereitstellen: Photo- voltaikanlagen zum Beispiel, die zunehmend auch noch durch Batterien oder chemische Speicher unterstützt werden. Die Umwandlung von Gleich- in Wechselstrom bringt jedoch Verluste mit sich – ein Gleichstromnetz wäre für diese Erzeuger die bessere Wahl.

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Autoren

 Georg Stawowy

 Vorstand und CTO, Lapp Holding AG

 Guido Ege

Leiter Produktmanagement und Produktentwicklung, Lapp

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