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Ausgewählte Ausgabe: 05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Die Dynamik der Digitalisierung


Veränderungen bringen Dynamik mit sich. Wie  dynamisch  Veränderung  manchmal  sein kann,  zeigt  das  Beispiel  der  Schwarzwälder Uhrenindustrie.  Mitten  in  ihrer  vermeintlichen  Blütezeit  wurde  sie  völlig  überrascht: von  neuen  Uhrendesigns,  von  Produktionsstätten in  Fernost  und  von  einem  Wechsel von  mechanischen  auf  elektronische  Uhren. Die Folge war der fast vollständige Niedergang eines kompletten Industriezweigs.
Auch der traditionelle Maschinenbau steht derzeit  vor  großen  Veränderungen  –  und  einem  Paradigmenwechsel:  Die  Digitalisierung revolutioniert  Technologien  und  ganze  Geschäftsmodelle.  Bereits  heute  sind  20  Milliarden Dinge weltweit vernetzt, bis 2020 wächst die Datenmenge im weltweiten Netz auf 44 Billionen Gigabyte. Die vielzitierte Industrie 4.0 ist längst keine Zukunftsmusik mehr: So werden  Produkte  bereits  heute  hochflexibel,  ressourcenschonend und individualisiert  gefertigt. Gleichzeitig steigt die  Komplexität,  Entwicklungs-  und  Innovationszyklen  werden kürzer  und  der  Ruf nach  individualisierten Produkten lauter. Was bedeutet dieser Wandel  beispielsweise für  ein Unternehmen wie  Schmalz?  Klar  ist, dass  sich  die  Digitalisierung auf den unterschiedlichsten  Ebenen  im  Unternehmen  auswirkt. Die Art der Zusammenarbeit mit unseren Kunden und Lieferanten verändert sich genauso  wie  die  Zusammenarbeit  in  Teams,  die immer  internationaler  aufgestellt  sind  und in  der  Entwicklung  immer  häufiger  auf  agile Methoden setzen.
Besonders  interessant  ist  aus  meiner  Sicht die Betrachtung der Produktebene: Wir bieten unseren Kunden unter anderem verschiedene Komponenten  für  die  Automatisierung  mit Vakuum, zum Beispiel Vakuum-Erzeuger. Diese  bisher rein  mechanischen  Komponenten waren bis dato fix auf der Feldebene verortet. Über die Automatisierungspyramide kommunizierten sie Status- und Steuerungssignale. An die  Stelle  solcher  Komponenten  treten  heute immer mehr Geräte mit Intelligenz und unbegrenzter  Vernetzung,  sogenannte  Smart  Field Devices.  Sie  sammeln  Daten,  speichern  sie, werten sie aus und kommunizieren mit anderen  Teilnehmern  des  Produktionsnetzes.  Der hierarchische  Aufbau  der  Automatisierungspyramide  weicht  einer  durchgängigen  Kommunikation in der Cloud. Intelligente Produkte  werden  zum  Schlüssel,  um  dem  Paradigmenwechsel erfolgreich zu begegnen. Sie sind allerdings gleichzeitig nur ein erster Schritt: Das Sammeln von Daten bietet keinen Mehrwert.  Viel  wichtiger  ist  es,  die  Daten  zu verstehen,  sie  richtig  zu  interpretieren  und  daraus Maßnahmen für die Optimierung von Prozessen  abzuleiten.  Nur  dann  entsteht  aus reinen Daten ein Nutzen für die Kunden. Intelligente  Vakuum-Erzeuger  beispielsweise  bringen  Funktionen  wie  Condition  Monitoring, Energy  Monitoring  oder  Predictive  Maintenance  mit  sich.
Intelligente  Vakuum-  und Druckschalter  übertragen  Daten  direkt auf  ein  Smartphone  – der  Instandhalter kann  bei  drohenden Systemausfällen  umgehend  eingreifen und teure Maschinenstillstände vermeiden. In der Zukunft wird es  durch  die  Vernetzung  unterschiedlicher  Smart  Field  Devices  zu  neuen,  bisher  kaum  vorstellbaren Funktionen  kommen:  So  liefert  die  Vernetzung  von  Einkaufsdaten  aus  dem  ERP  mit Daten  zum  Werkstück  am  Greifsystem  Rückschlüsse  auf  die  Qualität  der  eingesetzten Materialien.  Die  Korrelation  von  Bewegungsdaten  eines  Roboters,  den  Auftragsdaten  des ERP  und  den  Daten  eines  Vakuum-Greifsystems  erlaubt  eine  kontinuierliche  Optimierung der Zykluszeit einer kompletten Anlage.
Ich  bin  davon  überzeugt,  dass  diese  Entwicklungen viel mehr Chancen als Risiken für Unternehmen bieten. Aus meiner Sicht ist der deutsche Maschinenbau auf einem sehr guten Weg. Er hat die Zeichen der Zeit erkannt – ganz anders  als  die  Schwarzwälder  Uhrenindustrie vor einigen Jahrzehnten.

Autoren

Dr. Kurt Schmalz

Geschäftsführender Gesellschafter, J. Schmalz GmbH
Johannes-Schmalz-Str. 1, 72293 Glatten
Tel.: 0 74 43/24 03-0
schmalz@schmalz.de
www.schmalz.com

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