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Ausgewählte Ausgabe: 11-12-2016 Ansicht: Modernes Layout
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Wird es einen sicheren „eierlegenden Wollmilchsau-Roboter“ geben?


Die Entwicklungen im Bereich Roboterapplikationen  sind  nicht  erst  seit  heute  geprägt von dem Wunsch, dass Mensch und Maschine möglichst  eng  miteinander  agieren.  Schnell und  dynamisch soll dabei die Zusammenarbeit im Idealfall aussehen, die Produktivität immer im  Blick. Was  aber  ist  mit  der  Sicherheit? Die Arbeitsräume von Mensch und Roboter  überschneiden  sich  damit  in  der  Regel räumlich und zeitlich.
Darum  muss  einem  wesentlichen  Unterschied der engsten Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine – der Mensch-Roboter-Kollaboration  –  besondere  Aufmerksamkeit  zuteilwerden:  Im Gegenteil  zur  „klassischen“,  umhausten Roboterapplikation, die keine direkte Kollision  vorsieht,  lässt die  Mensch-Roboter-Kollaboration  diese grundsätzlich  zu  – Kollisionen  zwischen  Maschine  und  Mensch können  ein  reales  Szenario  sein.  Das  könnte richtig weh tun.
Oft wird aber dieses Szenario nicht wirklich ausreichend betrachtet. Denn, um überhaupt Sicherheit  zu  gewährleisten,  müssen  die  neuen,  besonderen  Herausforderungen  an  den Schutz  des  Menschen  bei  einer  solchen  Zusammenarbeit  unbedingt  einbezogen  sein. Warum? Weil im Unterschied zur Kooperation klar ist: Hier, bei der Kollaboration, teilen sich Mensch und Roboter einen gemeinsamen Arbeitsraum, hier treffen Mensch und Maschine direkt aufeinander. Um  vor  diesem  Hintergrund  die  hierfür angestrebte  Idealvorstellung  von  Zusammenarbeit,  nämlich  eine  Kombination  aus  den Stärken bzw. Vorteilen der Maschine, zu denen Eigenschaften  wie  Zuverlässigkeit,  Ausdauer und  Wiederholgenauigkeit  gehören,  mit  den Stärken  des  Menschen,  sprich  der  Geschicklichkeit,  seiner  Flexibilität  und  seinem Entscheidungsvermögen zu erreichen, müssen jedoch zwingend bestimmte Voraussetzungen erfüllt  sein:  Zum  einen  braucht  die  Mensch-Roboter-Kollaboration  zuverlässigere  Steuerungen  und  auch  intelligente,  dynamische Sensoren.  Zum  anderen  die  normativen Grundlagen.
Das  bislang  hier  herrschende  Normen-Vakuum ist nun im Begriff, sich zu füllen: Um Lösungswege  aufzuzeigen,  wurde  das  internationale  Normengremium  ISO/TC  184/SC2 WG3 beauftragt, die Technische Spezifikation ISO/TS  15066  „Robots  and  Robotic  Devices  – Collaborative industrial robots“ zu erarbeiten. Als Mitglied in dieseminternationalen  Normengremium  hat  Pilz aktiv  an  der  Ausgestaltung  mitgewirkt.
Diese  neue  Norm  ist bahnbrechend  und wegweisend  für  die Mensch-Maschine-Kollaboration  im  industriellen  Umfeld. Ihre  Anwendung  ist  kein  „Kann“,  sie  ist  ein „Muss“.
Auf  dieser  Basis  muss  dann  die  komplette Applikation,  der  komplette  Raum,  in  dem sich  Mensch  und  Roboter  begegnen  werden, betrachtet werden. Die noch immer verbreitete Ansicht, schon der Roboter per se könne sicher sein, ist zu kurz gedacht – einen sicheren „eierlegenden  Wollmilchsau-Roboter“,  der  alle möglichen Anwendungsfälle abdeckt – wird es nicht  geben.  Auch  nicht  die  eine  sichere Sensorik, die alle möglichen Anwendungsfälle sicherheitstechnisch abdeckt.Um Schutz und Sicherheit tatsächlich dennoch zu erreichen, werden oft Kombinationen nötig  sein,  die  über  den  Roboter  hinaus  aus sicherer sowie taktiler Sensorik bestehen müssen.  Dazu unerlässlich:  Jede  neue  Roboter-Mensch-Zusammenarbeit  muss  separat  und individuell betrachtet werden. Für eine schnelle,  dynamische,  produktive  und  sichere  Zusammenarbeit zwischen Mensch und „Kollege Roboter“.

Autoren

 Renate Pilz

Vorsitzende der Geschäftsführung Pilz GmbH & Co. KG
Felix-Wankel-Straße 2
73760 Ostfildern
Tel.: 07 11/34 09-0
Fax: 07 11/34 09-133
E-Mail: info@pilz.de
www.pilz.com

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