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Ausgewählte Ausgabe: 10-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Trinkwasser-Anlage mit Hygiene-Plus

Die Wahrung höchster Hygienestandards hat im Gesundheitssektor besondere Priorität. Bei der Planung der Trinkwasserversorgung für einen ergänzenden Neubau des Celler Krankenhauses gingen die Verantwortlichen deshalb äußerst detailorientiert vor: Schlanke Rohrleitungssysteme und zielgerichtet verbaute Spülstationen mit Hygiene+ Funktion sichern den Patienten in der niedersächsischen Mittelstadt eine konstant hohe Trinkwassergüte.


Bild 1 Leistungszentrum für die gesamte Region: Das Allgemeine Krankenhaus in Celle

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Leistungszentrum für die gesamte Region: Das Allgemeine Krankenhaus in Celle

Für die Auslegung, die Installation und den Betrieb von Trinkwasser-Anlagen in Krankenhäusern gelten verschärfte Hygienebedingungen: Belastungen des Trinkwassers beispielsweise durch Legionellen könnten aufgrund des geschwächten Immunsystems der Patienten ansonsten schnell zu epidemieartigen Erkrankungswellen führen. In enger Zusammenarbeit mit der Klinikleitung entwickelte TGA-Fachplaner Dipl.-Ing. Mark Schulz (Braunschweig) daher für den Neubau eines Klinikkomplexes am Allgemeinen Krankenhaus Celle (AKH) ein umfassendes Hygienekonzept. In dem spielt die bedarfsgerechte Auslegung und Umsetzung mit den Viega Rohrleitungssystemen „Sanpress Inox“ und „Raxofix“ eine ebenso wichtige Rolle wie die Betrachtung der Betriebsphase. „Die größte Gefahr, die hier besteht, sind Stagnationsrisiken. Um sie zu verhindern, wurden in definierten Nutzungsbereichen Viega Spülstationen mit Hygiene+ Funktion installiert“, so Mark Schulz.

Das Objekt

Das Allgemeine Krankenhaus Celle (AKH) ist mit insgesamt 635 Betten und circa 1 900 Mitarbeitern eines der größten Akutkrankenhäuser Niedersachsens (Bild 1). Auf 26 Stationen, davon drei Intensivstationen, werden hier jährlich rund 30 000 Patienten stationär versorgt und etwa 12 000 Operationen vorgenommen.

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Bild 2
Strikte Trennung: die Löschwasserinstallation im Krankenhaus ist „trocken“ ausgeführt, die Schaumanlage für den Helikopter-Landeplatz mit Druckluft. Für die Verrohrung konnte es aber durchgängig beim Edelstahlrohrleitungssystem „Sanpress Inox“ von Viega bleiben

Für einen sechsgeschossigen Neubau am Rande der Celler Altstadt musste nun ein stimmiges Konzept für die Trinkwasserversorgung erarbeitet und umgesetzt werden. Auf 13 700 m² Gesamtgrundfläche verfügt der Komplex unter anderem über zwei Bettenstationen für je 43 Patienten, eine Intensivstation mit 27 Betten, sieben Operationsräume mit zwei Aufdeckplätzen und Technikflächen sowie über eine provisorische Notaufnahme und eine Cafeteria. Auf dem Dach des Neubaus befindet sich außerdem noch ein Hubschrauberlandeplatz. Für den wurde, neben der im Krankenhaus ohnehin notwendigen Feuerlöschanlage (trocken), eine eigenständige Schaumlöschanlage installiert (Bild 2).
Die unterschiedlichen Nutzungsanforderungen in den Räumlichkeiten (Bettenstationen, Notversorgung, Cafeteria, Aufenthaltsräume) brachten aus trinkwasserhygienischer Sicht zwangsläufig entsprechend stark variierende Risiken für die Trinkwasserhygiene mit sich: In den Patientenzimmern in den beiden obersten Geschossen sind auch länger andauernde Nutzungsunterbrechungen möglich. Der zu erwartende Bedarf an PWH deckt sich im Krankenhaus erfahrungsgemäß nicht mit den Vorgaben aus den Regelwerken; in der Regel liegt er deutlich unter diesen Werten. Die wirtschaftlich und technisch sinnvolle Rohrleitungsführung in abgehängten Decken und in Vorwänden lässt erhebliche Wärmelasten erwarten. Von der PWH-Installation ausgehend bedeuten diese Lasten ein entsprechendes Erwärmungsrisiko der Kaltwasser führenden Trinkwasserleitungen.

Die Auslegung

Bild 3 Zentraler Bestandteil des Trinkwasser-Hygienekonzeptes: die sanitärtechnischen „Funktionseinheiten“ auf der Etage (l.), die eine hoch komplexe Trinkwasser-Installation (r.) in einzelne Bereiche zerlegen und jeden dann separat über eine Spülstation gegen Stagnation absichern

Bild 3
Zentraler Bestandteil des Trinkwasser-Hygienekonzeptes: die sanitärtechnischen „Funktionseinheiten“ auf der Etage (l.), die eine hoch komplexe Trinkwasser-Installation (r.) in einzelne Bereiche zerlegen und jeden dann separat über eine Spülstation gegen Stagnation absichern

Als erste Maßnahme gegen diese Risiken setzte Dipl.-Ing. Mark Schulz zu Beginn der Auslegungsplanungen die anzunehmenden Gleichzeitigkeiten herab: „Gerade in Zimmern mit schwer erkrankten Patienten ist die Annahme unrealistisch, dass Waschtisch, Dusche und WC annähernd gleichzeitig genutzt werden und das auch noch regelmäßig. In Abstimmung mit der Krankenhausleitung wurde stattdessen ein empirisch belegter Durchschnittswert angesetzt.“ Das Ergebnis: Die Rohrnennweite DN 40 wird nur noch für die Steigestränge benötigt, die abgehenden Verteilungen sind für jeweils 45 Bäder ausreichend in DN 32 ausgeführt, absteigend auf DN 15 für die Anbindeleitungen. In der Summe ist dadurch das Trinkwasservolumen signifikant geringer als bei konventioneller Auslegung. Schulz: „Damit sinkt gleichzeitig das Stagnationsrisiko, weil überall die notwendige Wasserdynamik gegeben ist. Durch den geringeren Zirkulationsvolumenstrom gibt es außerdem weniger Wärmeverluste, was sich rechnerisch auch am energetisch geringeren Aufwand für die Warmwasserbereitung belegen lässt.“ (Bild 3)

Seite des Artikels
Planen in 3D

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Statt erst im Grundriss gleich in die 3D-Planung: Mark Schulz schätzt den Zugewinn an Planungs- und Verarbeitungssicherheit, wenn die Auslegung von Anfang an auf Basis der Daten des Baukörpers erfolgt

Im Neubau des AKH Celle wurden rund 2 500 m Edelstahlrohr aus dem System „Sanpress Inox“ und etwa 3 900 m aus dem flexiblen Kunststoffrohrleitungssystem „Raxofix“ installiert. Fachplaner Dipl.-Ing. Mark Schulz hat die gesamte, hygiene-
optimierte Planung von Anfang an in 3D – statt nur im Grundriss – angelegt: „Aufbauend auf den Baudaten konnte ich so schon von Anfang an Versprünge und Ähnliches in der Zeichnung berücksichtigen.“ Dieser vermeintliche Mehraufwand in
der Planung sorgte „später für uns auf der Baustelle für deutlich einfachere und wirtschaftlichere Abläufe bei der Installation“, bestätigt Bauleiter Detlef Kante. Für Mark Schulz hat die 3D-Planung aber noch einen weiteren Aspekt: „Dank der farblichen Visualisierungs-Prüfung kann ich auf Knopfdruck beispielsweise identische Dimensionierungen detektieren und so auf einen Blick prüfen, ob die Auslegung auch in sich plausibel ist. Das vermeidet aufwändige Nachbesserungen bei der Installationen – sofern diese Fehler da überhaupt auffallen und nicht erst durch Störungen in der Betriebsphase.“

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