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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Das andere Loch und sein Verschluss

Einige Leser werden sich erinnern, dass bereits im Jahr 2005 (HLH Nr. 5, S.18) die Diskussion zu einem Loch und seinem Verschluss eröffnet wurde. Systematisch dargestellt wurden die einzuhaltenden Anforderungen bei den umgangssprachlich „Überströmöffnung“ genannten „Löchern“ zum Nachströmen von Zuluft oder Abströmen von Abluft. Die Herleitung der damaligen Ausführungen wurde im Ergebnis der in diversen Gremien geführten Diskussion bestätigt. Heutzutage sind Bauprodukte als Abschlüsse besonderer Art – Zulassungsbereich 6.50 des DIBt – am Markt verfügbar.


In diesem Beitrag soll nunmehr diskutiert werden, was an technischen Lösungen bauordnungsrechtlich zulässig ist, um ein anderes Loch zu verschließen: Gemeint sind die nach der Musterbauordnung vorgesehenen ständig freien Öffnungen am Kopf der Aufzugsschächte zur Rauchableitung.
Dargestellt werden soll, wozu diese Öffnungen dienen sollen. Ferner wird überlegt, was zur Erfüllung der bauordnungsrechtlichen Schutzziele zulässig ist, wenn die Öffnungen verschlossen werden.

Rauchübertragung von Geschoss zu Geschoss versus Fahrschachtentrauchung

Rauchübertragung von Geschoss zu Geschoss versus Fahrschachtentrauchung

Schutzziel

Das Schutzziel der Vorschriften des § 39 Abs. 3 MBO – Musterbauordnung – besteht darin, dass im Brandfall eine Rauchübertragung von einem Geschoss über den Aufzugsschacht in ein anderes Geschoss zu verhindern ist.
Das Ausgangsszenario ist folgendes: In einem Geschoss (Lüftungsgeschoss) erfolgt die Abführung von Luft ins Freie. Entweder durch eine mechanische Abluftanlage oder durch natürliche Lüftung. Durch diese Entlüftung wird in dem Lüftungsgeschoss ein Unterdruck zu anderen Geschossen im Gebäude entstehen. Dieses Druckgefälle zwischen den Geschossen muss ausgeglichen werden, was durch Nachströmen von Luft erfolgen wird. Diese Luft kann relativ einfach durch die Spalte der Fahrschachttüren aus einem Aufzugsschacht in das Lüftungsgeschoss nachströmen. In der Folge wird in anderen Geschossen Luft umgekehrt in den Aufzugsschacht strömen.
Wenn nun der Worst-Case eintritt und es in einem dieser anderen Geschosse brennt, würde über diese Strömungskaskade Brandrauch vom Brandgeschoss über den Fahrschacht in das Lüftungsgeschoss strömen können.
Bei solch einer Strömung wären die Schutzziele nicht erreicht. Daher sind im Aufzugsschacht am Kopf ständig freie Öffnungen vorzusehen, die für eine Ableitung von in den Schacht eingeschleppten Brandrauch ins Freie sorgen sollen (Bild). 
 Es wird davon ausgegangen, dass der natürliche Auftrieb in dem Schacht (durch den Wärmeeintrag über die Schachtwände) für eine größere Druckdifferenz sorgt, als die Entlüftung im Lüftungsgeschoss.
Es heißt hierzu in § 39 Abs. 3 MBO – Aufzüge: „Fahrschächte müssen zu lüften sein und eine Öffnung zur Rauchableitung mit einem freien Querschnitt von mindestens 2,5 v. H. der Fahrschachtgrundfläche, mindestens jedoch 0,10 m² haben. Diese Öffnung darf einen Abschluss haben, der im Brandfall selbsttätig öffnet und von mindestens einer geeigneten Stelle aus bedient werden kann. Die Lage der Rauchaustrittsöffnungen muss so gewählt werden, dass der Rauchaustritt durch Windeinfluss nicht beeinträchtigt wird.“

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Autoren

Dipl.-Ing. Knut Czepuck

Ministerialrat im für das Bauen zuständigen Ministerium des Landes NRW.

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