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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Regenwasserbewirtschaftung bei großflächig versiegelten Liegenschaften

Der Umgang mit Regenwasser bei großflächigen Liegenschaften mit hohem Versiegelungsgrad bedarf einer flexiblen ingenieurmäßigen Betrachtungsweise. Je nach Ausgangssituation sind Versickerungssysteme, Rückhaltesysteme und Teilabflüsse in Richtung der öffentlichen Kanalisation oder in Richtung des Gewässers zu berücksichtigen. Oftmals kommen dabei Kombinationen aus verschiedenen Systemen zum Einsatz. Am Beispiel von großflächigen Gewerbe- und Handelsstandorten werden in der Praxis umgesetzte Planungslösungen aufgezeigt.


Ausgangssituation und Planungsgrundlagen: Als Grundlage für die individuelle planerische Lösung sind Informationen zu den Bodenverhältnissen einzuholen, Abstimmungen mit dem Kanalbetreiber und der Wasserbehörde zu führen, Festsetzungen zu Abwasserabgabegebühren zu prüfen und bauordnungsrechtliche Belange sowie betriebliche Abläufe zu berücksichtigen. Zusätzlich sind Kenntnisse über das Facility Management und zum Lebenszyklusgedanken des Betreibers wesentlich, damit neben wasserwirtschaftlichen und umwelttechnischen Aspekten das gewählte Entwässerungssystem insbesondere für den Nutzer eine sinnvolle und wirtschaftliche Lösung darstellt.

Bild 1 Übersichtsplan einer Liegenschaft mit hohem Versiegelungsgrad

Bild 1
Übersichtsplan einer Liegenschaft mit hohem Versiegelungsgrad


Bild 1 zeigt beispielhaft eine Liegenschaft mit großem Versiegelungsgrad. Die Gebäudefläche wird von Außenanlagen für Stellplätze und einem Anlieferungsbereich eingefasst. Als Grünfläche verbleiben Muldenflächen im Bereich der Stellplätze. Für solche Liegenschaften sind in Anlehnung an das DWA-Arbeitsblatt A 138 und das DWA-Merkblatt M 153 genehmigungsfähige wasserwirtschaftliche Planungsvarianten der Bauherrschaft transparent darzulegen. Das Aufzeigen der Randbedingungen der Planung, den möglichen Optionen und des Betriebes der Anlagen sind wiederum Grundlagen für die herbeizuführende Bauherrenentscheidung bezüglich des umzusetzenden Konzeptes.
Die zu entwässernden Flächen liegen bei den betrachteten Standorten oftmals in einer Größenordnung von mindestens drei bis vier Hektar. Vollständige Regenwasserabflüsse mit Anschlüssen an den öffentlichen Kanal sind hydraulisch in der Regel nicht machbar oder infolge der dann anfallenden Abwassergebühren nicht gewollt. Das Regenwasser ist zum Großteil vor Ort zu behandeln und zu versickern, wobei je nach Standort der Anschluss eines Drosselabflusses aus dem System oder die Abgabe einer Teilregenwassermenge an den öffentlichen Regen- oder Mischwasserkanal nicht möglich ist. Ein Gewässer zwecks Einleitung ist in der Regel ebenso wenig in unmittelbarer Nähe.
Demnach sind vielfältige Ansätze zur Versickerung vor Ort in Betracht zu ziehen. Bild 2 zeigt für sieben ausgewählte bundesweite Projekte den entstehenden Regenwasserabfluss bei der jeweils betrachteten Regenspende r10,2.
Bild 2  Regenwasserabfluss bei hohem Versiegelungsgrad

Bild 2
Regenwasserabfluss bei hohem Versiegelungsgrad

Bezogen auf die undurchlässige Fläche Au in Hektar kann für die Beispiele ein Mittelwert zur Regenspende von rund 180 l/(s∙ha) als erster Anhaltswert zur Abschätzung der Regenwassermengen angegeben werden. Die spezifischen Projekt-Regenspenden können beim Deutschen Wetterdienst (KOSTRA-DWD) erfragt werden. Bild 2 verdeutlicht, dass beispielsweise bei einer hochgradig versiegelten Liegenschaft mit drei Hektar Größe und der Regenspende r10,2 eine Regenwassermenge im Mittel von etwa 550 l/s zu behandeln bzw. zu bewirtschaften ist.

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Autoren

Dr.-Ing. Achim Hamann

Vorstand bei der RS-Plan AG, Bad Kreuznach.

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