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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Umweltfreundliche Marmelade

Bei dem Haßfurter Unternehmen Maintal Konfitüren GmbH erfolgte die Produktion des nötigen Dampfes bisher in einem sehr energieintensiven Verfahren über einen ölbefeuerten Kessel. Deshalb wurde beschlossen, die Anlage durch eine deutlich effizientere Mikrogasturbine zu ersetzen, die sowohl Heizwärme und einen Großteil des nötigen Prozessdampfs als auch Strom bereitstellt.


Die Konfitüre ist beliebt wie eh und je: Einer Umfrage aus dem Jahr 2016 zufolge essen fast 80 % aller Deutschen mehrmals im Monat am liebsten süße Brotaufstriche, wie etwa Marmelade. Dazu zählt auch die Hagebuttenkonfitüre des über 130 Jahre alten Familienunternehmens Maintal Konfitüren aus dem unterfränkischen Haßfurt, die weltweit auf den Frühstückstisch kommt. Für die Produktion des Sortiments, das rund 600 Produkte umfasst, sind große Mengen Dampf nötig. Der wurde bisher jedoch über eine ölbefeuerte Anlage erzeugt, die sehr ineffizient und teuer war und damit nicht mehr den Anforderungen des Unternehmens entsprach. Die Anlage war zudem nicht stufenlos regelbar und benötigte häufig mehrere Starts, womit ein hoher Energieverbrauch einherging.
Um die Energieversorgung effizienter zu gestalten, wählte man einen eher ungewöhnlichen Weg: Das Unternehmen ging eine Kooperation mit dem örtlichen Gas- und Stromlieferanten, der Stadtwerk Haßfurt GmbH, ein. Die schlug für die Planung der neuen Anlage gleich ein passendes Ingenieurbüro vor: Die Gammel Engineering GmbH aus dem niederbayerischen Abensberg besitzt langjährige Erfahrung bei der Planung und Realisierung von individuellen Energiekonzepten in Unternehmen aller Größenordnungen und hatte bereits vorher gemeinsame Projekte mit dem Stadtwerk Haßfurt durchgeführt. Maintal Konfitüren überließ dem Abensberger Team deshalb die Projektentwicklung mit Erstellung eines Energiekonzeptes sowie die System-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung. Daneben übernahm Gammel die Qualitätssicherung und eine umfassende Inbetriebnahmeplanung.

Installation einer Gasturbine mit Vierzugkessel

Bild 1 Da die alte, ölbefeuerte Anlage zur Prozessdampferzeugung ineffizient und teuer war, entschied sich das Unternehmen dafür, eine erdgasbetriebene Mikrogasturbine zu installieren, die einen Großteil des Strom- und Dampfbedarfs abdeckt sowie Wärme für das Heizungssystem bereitstellt

Bild 1
Da die alte, ölbefeuerte Anlage zur Prozessdampferzeugung ineffizient und teuer war, entschied sich das Unternehmen dafür, eine erdgasbetriebene Mikrogasturbine zu installieren, die einen Großteil des Strom- und Dampfbedarfs abdeckt sowie Wärme für das Heizungssystem bereitstellt

Das Ingenieurbüro erstellte zunächst ein Energiebedarfsprofil des Werkes. Am wichtigsten war dem Konfitürenhersteller eine energieeffiziente Bereitstellung des benötigten Prozessdampfes mit 10 bar. Zudem wurde auch der Stromverbrauch mit berücksichtigt. Aus diesem Grund entschied sich das Unternehmen auf Anraten von Gammel Engineering, eine KWK-Anlage mit Mikrogasturbine zu installieren.

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Die neue Turbine erzeugt neben 100 kW Strom auch Abgase. Diese durchströmen einen speziellen Vierzugkessel und produzieren so 0,5 t/h Sattdampf, der die Grundlast im Betrieb abdeckt. Bei einem höheren Bedarf kann zusätzlich ein stufenloser Gasbrenner betrieben werden, so dass im Kombibetrieb bis zu 2,5 t/h Sattdampf erzeugt werden

Die mit Erdgas betriebene Mikrogasturbine von Dürr mit einer Leistung von 100 kW erzeugt konstant Strom und deckt zwei Drittel des werksinternen Bedarfs ab. Zusätzlich wird die Abwärme der Turbine für die Dampfproduktion genutzt. Die Abgase durchströmen dabei einen abgetrennten Teil des Vierzugkessels (Bild 1). Nachgeschaltet sind zudem Economizer für Speisewasser-Vorwärmung und Heizwasserbereitung. Auf diese Weise sichert die Gasturbine im Abhitzebetrieb die Grundlast mit circa 0,5 t/h Sattdampf. Allein durch die Abwärme der Turbine können so auch zwei Drittel des Wärmebedarfs der Konfitürenproduktion gedeckt werden. Bei einem höheren Dampfbedarf kann zusätzlich der stufenlos regelbare Gasbrenner im Kessel hinzugeschaltet werden. So stellt die Anlage im Kombibetrieb bis zu 2,5 t Sattdampf und 50 kW Heizwärme bereit (Bild 2).

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Autoren

 Thomas Winkler

Gammel Engineering GmbH, Abensberg

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