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Ausgewählte Ausgabe: 07-08-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Energieeffizientes Kühlen von Innenräumen

Während die Heizlast kontinuierlich zurückgeht, steigt die Kühllast in Innenräumen aus mannigfachen Gründen. Zum einen sorgt die stetige Elektrifizierung für thermische Lasten, die zwar im Winter als interne Gewinne bilanziert werden, im Sommer allerdings sich negativ bemerkbar machen. Zum andern sind es die hohen Anteile transparenter Flächen in Fassaden und das sich gleichsam verändernde Mikroklima des unmittelbaren Umraums von Gebäuden, welche die Kühllast erhöhen.


Die zunehmende Verdichtung des urbanen Raumes und die daraus resultierenden Aufheizungen (Heat isles) sorgen mit der sommerlichen Sonneneinstrahlung während der zunehmenden Hitzeperioden für einen weiteren Anstieg der Kühllast. Besonders in Büro- und Verwaltungsgebäuden wird im Sinne des Wohlbefindens und der Leistungssteigerung von Mitarbeitern eine Innenraumkühlung immer häufiger notwendig. In diesen Fällen kann die Doppelfunktion von Systemen der Flächenheizung/-kühlung ihre besonderen Vorzüge ausspielen.

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Bild 1
Frank Hartmann, Referent des Fachbereichs Flächenheizung /-kühlung im BDH

Das meint auch Frank Hartmann als Refernt des Fachbereichs Flächenheizung/-kühlung im Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) e.V., der sich unseren Fragen hinsichtlich der Kühlfunktionen dieser Systeme im Folgenden stellt (Bild 1).

HLH, die Kühllast von Gebäuden entwickelt sich heute zu einem zentralen Thema in der Klimatisierung von Innenräumen. Kann man daraus schließen, dass man heute grundsätzlich neben der Heizlastberechnung auch eine Kühllastberechnung vornehmen sollte, um diesen Anforderungen entsprechen zu können?

Frank Hartmann: In der Tat ist es heute nicht selten der Fall, dass die Kühllast von Gebäuden gleichermaßen im Fokus steht und sich zu einer ähnlich relevanten Größe wie die Heizlast entwickelt. Während sich für die Raumheizung immer mehr hocheffiziente Niedrigtemperatursysteme durchsetzen, welche die Heizlast abdecken, die sich in der letzten Dekade mehr als halbiert hat, besteht fraglos eine signifikante Herausforderung an eine nachhaltige Gebäudeplanung darin, die Energieeinsparungserfolge bei der Heizlast von Gebäuden, durch Kühllasten im Sommer nicht zu gefährden.
Allerdings denke ich nicht, dass pauschal für jedes Gebäude neben der Heizlast auch die Kühllast berechnet werden muss. Vielmehr geht es darum, einen integralen Planungsansatz zwischen Architektur, Bauphysik und TGA schon in der Entwurfsplanung zu verfolgen, wofür sich dieser Fachbereich des BDH im Besonderen einsetzt. Bei Einfamilienhäusern ist es mit der richtigen Baustoffauswahl, der Beachtung des sommerlichen Hitzeschutzes, Verschattungsoptionen, sowie der Gestaltung des Umraums durchaus möglich, ohne eine definierte Kühlleistung durch den Sommer zu kommen. Allerdings wird immer öfter der Doppelnutzen einer Flächenheizung/-kühlung für eine effiziente Ankühlung (durch Umkehrung des Wärmestroms, Bild 2) des Innenraums mittels Nutzung von Umweltwärme bzw. -kälte eingesetzt.

Bild 2 Doppelfunktion in einem System: Durch Umschaltung von Wärmequelle auf Wärmesenke erfolgt bei einem System zur Flächenheizung /-kühlung im Sommer die Kühlfunktion

Bild 2
Doppelfunktion in einem System: Durch Umschaltung von Wärmequelle auf Wärmesenke erfolgt bei einem System zur Flächenheizung /-kühlung im Sommer die Kühlfunktion


In vielen Nicht-Wohngebäuden wie z. B. Büro- und Verwaltungsgebäuden oder Schulen ergeben sich, allein durch die sehr verschiedenen und deutlich höheren Nutzungsdichten als es im privaten Wohnungsbau der Fall ist, allerdings ganz andere Lasten, die ungleich schneller zu einem thermischen Unbehagen des Menschen führen.
Bei entsprechender Lage (anstehendes Mikroklima), Bauweise und die Nutzungsdichte eines solchen Gebäudes, ist es in der Tat dringend zu empfehlen eine detaillierte Kühllast (gem. VDI 2078) zu berechnen. Diese Erkenntnis resultiert auch aus mannigfachen Erfahrungen und zahlreichen Mitarbeiterbefragungen.

Seite des Artikels
Vorankündigung:

 4. Fachkonferenz Flächenheizung/-kühlung

„Flächenheizung/-kühlung als Verbindungselement zwischen Architektur und Anlagentechnik“ – unter dieser Überschrift steht die 4. Fachkonferenz Flächenheizung/-kühlung, die der Bundesverband der Deutschen Heizungsindustrie (BDH) gemeinsam mit dem Zentrum für Energie, Bauen, Architektur und Umwelt GmbH (ZEBAU) am 28. November 2017 in Hamburg-Wilhelmsburg im Wälderhaus, Am Inselpark 19, durchführt. Die Konferenz richtet sich an Planer, Architekten sowie das Fachhandwerk und zeichnet sich durch einen hohen Bezug zur Praxis aus. Neben Informationen zur aktuellen Marktentwicklung und zu politischen Rahmenbedingungen berichten Experten von ihren Projekten aus der Praxis und informieren über den Status quo in Sachen Flächenheizung/-kühlung. Abgerundet wird das Programm durch eine Besichtigung des Wälderhauses und des dortigen Science Centers, einem Exzellenzprojekt der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg 2013.
Die Anmeldung ist bereits unter http://www.flaechenheizung-bdh.de/fachkonferenz/anmeldung/ möglich. Neben weiteren Informationen zur Teilnahme wird dort auch in Kürze das vollständige Programm zu finden sein.

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