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Ausgewählte Ausgabe: 06-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Optimale Wohnungslüftung – welche Planungsgrößen sind entscheidend?

Im Wohnungsneubau und nach einer energetischen Sanierung ist der Einbau einer Ventilator-gestützten Wohnungslüftung praktisch unumgänglich. Mit reiner Fensterlüftung lässt sich nämlich der nach DIN 1946–6 geforderte Luftaustausch in dichten Gebäudehüllen nicht sicherstellen. Allerdings wird derzeit das Thema Lüftung in erster Linie unter dem Aspekt der Energieeffizienz betrachtet. Darunter leidet allerdings oftmals der wesentliche Sinn einer kontrollierten Wohnungslüftung: die Absicherung eines gesunden Raumklimas. Dabei ergibt sich eine vorbildliche Energieeffizienz bei Lüftungsanlagen praktisch automatisch, wenn die Anlagenwahl und Regelung in erster Linie auf den Komfort ausgerichtet ist …


In welche Richtung sich die Haustechnik für energieeffiziente Gebäude bewegt, ist deutlich an der sogenannten „EnEV easy“ abzulesen. Damit wird umgangssprachlich das Modellgebäudeverfahren für nicht gekühlte Wohngebäude bezeichnet, mit dem seit November 2016 die Erfüllung der Energieeinsparverordnung (EnEV) nachgewiesen werden kann – und zwar bis zur Erstellung des Energieausweises. Das Planen mit vorgegebenen Gebäudemodellen und Ausstattungsvarianten erspart somit die Berechnung des tatsächlichen Primärenergieverbrauchs des Hauses.

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Menschen sind gerne an der „frischen Luft“ – verbringen aber die meiste Lebenszeit in Räumen. Lüftungsanlagen müssen daher auf Komfort und Hygiene hin geplant sein, um auch hier Frischluft zu bieten

Unabhängig von der Beurteilung, ob diese zusätzliche Verfahrensweise eine tatsächliche Vereinfachung darstellt: Die Wahl der richtigen Anlagentechnik und die Beurteilung der Wechselwirkung mit der Bauphysik wird dadurch auf keinen Fall „easy“. Insbesondere nicht, wenn eine kontrollierte Wohnungslüftung zu planen ist, die in der „EnEV easy“ in 6 von 13 zur Wahl stehenden Anlagenkonzepten gefordert wird. Die Kriterien zulässiger Lüftungsanlagen beschränken sich dabei jedoch auf sehr rudimentäre energetische Vorgaben. Damit spiegelt die „EnEV easy“ eine extrem eindimensionale Denkweise wider, die in vielen Förderbindungen und Gesetzesvorgaben zu Effizienzhäusern zu finden ist. Die originäre Aufgabe einer Wohnungslüftung lautet jedoch: ein behagliches Innenraumklima sicherstellen (Bild 1). Wird das nicht erreicht, kann in der Praxis auch keine Energie eingespart werden.

Wohnungslüftung – notwendiges Übel?

Die „EnEV easy“ macht in den Anlagenvarianten mit Wohnungslüftung folgende energetische Vorgaben:
- eine oder mehrere Lüftungsanlage(n) mit Wärmerückgewinnung,
- Wärmerückgewinnungsgrad mindestens 80 %,
- Leistungszahl aus rückgewonnener Wärme zu Endenergieaufwand des Betriebs der Anlage mindestens 10,
- die anlagentechnische Belüftung muss das gesamte beheizte Gebäudevolumen direkt oder durch Überströmung erfassen.
Investoren, aber auch nicht ausreichend informierte private Bauherren, sehen damit eine verpflichtende Ventilator-gestützte Wohnungslüftung eher als notwendiges „Kosten-Übel“. Denn da in der „EnEV easy“ auch sieben Ausstattungsvarianten ohne Wohnungslüftung angeboten werden, wird der Eindruck vermittelt, es ginge auch ohne. Doch abseits der ökologisch-energetischen Betrachtung eines Hauses ist es fraglich, ob Gebäude nach heutigen Dämmstandards tatsächlich ohne kontrollierte Wohnungslüftung auskommen. Eine Berechnung der Nennlüftung nach DIN 1946–6 wäre also auf jeden Fall erforderlich – und mit der kostenlosen Software „Systemair-Airplan“ ist das sogar in wenigen Minuten erledigt [1].
In realitas erfolgt die Planung einer entsprechenden Anlage aber vielfach nach der Maxime: „Wenn schon eine Wohnungslüftung gefordert ist, wie lässt sie sich mit möglichst geringen Investitionskosten realisieren?“ Doch entscheidend für die optimale Nutzung einer Wohnungslüftungsanlage – und damit nicht zuletzt auch für die tatsächliche Energieeffizienz – sind Komfortmerkmale.
Ein Beleg aus der Praxis dafür ist, dass Bewohner eine Lüftung häufig aufgrund der Geräuschbelastung ausschalten. Diese störende Lärmbelastung ist aber vornehmlich bei dezentralen Lüftungsanlagen der Fall, denn hier ist in jedem Wohnraum ein Ventilator direkt in der Wand eingelassen – mit entsprechender Geräuschkulisse.

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Autoren

Dipl.-Ing. Carsten Dittmar

System & Application Manager / Vertrieb Wohnungslüftung bei Systemair, Boxberg-Windischbuch.
www.systemair.de

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