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Ausgewählte Ausgabe: 05-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Das Geld liegt auf der Straße…

2016 durften sich die Planer und ausführenden Betriebe von zwei innovativen nachhaltigen sanitärtechnischen Objekten für zehn und zwanzig Jahre störungsarmen und problemlosen Betrieb die Hände schütteln. Sie hatten die Anlagen 1996 und 2006 in Betrieb genommen. Nämlich die Grauwassernutzung sowohl in einem Hotel als auch in einem größeren Wohnkomplex. Die Stimmung hielt sich jedoch in Grenzen.


Sie hielt sich deshalb in Grenzen, „weil die Wirklichkeit mal wieder dem eigenen Motto ‚Wir können Zukunft: Das SHK-Handwerk’ Hohn spricht“, schüttelt Joachim Zeisel, einer der enttäuschten Grauwasser-Experten, verständnislos den Kopf. „Wobei an dieser Stelle SHK-Handwerk nur als Synonym für die Mehrheit der Bau- und Ausbauunternehmen steht: für Architekten, Planer, Industrie, Berater, Anlagenbauer. Tatsächlich beschränkt sich der Blick der Branche in die Zukunft auf die Hoffnung auf einen riesigen Berg von tropfenden Wasserhähnen, den sie gegen Chrom glänzende Stilarmaturen austauschen darf, und auf die Planung und Umplanung von Badezimmern. Mehr Vision ist nicht. In Deutschland hat das Gewerk bis heute, das heißt über einen Zeitraum von rund 25 Jahren – solange beherrscht man bereits die Technologie –, maximal 1 500 Grauwasseranlagen verkauft. In den Verbänden und Innungen redet man von Nachhaltigkeit und Ressourceneffizienz. An der Front freut man sich, dass die Funktionäre damit etwas für das Image tun – um dann weiterhin mit der Rohrzange den Wasserhahn auszutauschen beziehungsweise eine Sanitärtechnik zu planen, die teures Wasser nach einmaligem Gebrauch weg kippt. So sieht die Realität aus“, zürnt der Verfahrensingenieur mit Diplom der TH Karlsruhe.

Gelebte Nachhaltigkeit

Er machte seinem Unmut im Rahmen seiner Begrüßungsansprache anlässlich 10 Jahre Grauwassernutzung in Block 6 in Berlin-Kreuzberg Luft. Dort lebt man Nachhaltigkeit, wie es der Begriff verdient. Verschmutztes Wasser aus Waschmaschine, Küche und Dusche bereitet eine biologische Kleinkläranlage zu Betriebswasser für die Toilette auf. Und nicht mit einer damals neuen Technologie. „In Block 6 kombinierten die Beteiligten lediglich bekannte Komponenten aus der Abwasserreinigung mit bekannten Komponenten aus der Wasserversorgung. ‚Bekannte Techniken’ soll sagen, die gesamte Branche sollte qua Ausbildung die Qualifikation zu Multiplikatoren der dezentralen Wasseraufbereitung haben. Aber wie gesagt, die gerade 1 000 oder 1 500 Anlagen in Deutschland belegen eigentlich ‚Wir können nicht Zukunft’“.
Davon ist die Rede: Das 20-jährige Jubiläum beging das 400-Betten-Sheraton Hotel in Offenbach, das seit 1996 – damals hieß es noch Arabella-Hotel – seine Toiletten mit gereinigtem Wasser aus den Duschen spült, das 10-jährige der Block 6 mit rund 100 Wohnungen in der Dessauer Straße, Berlin-Kreuzberg, der seit 2006 Gleiches tut. HLH ließ sich in Block 6 das Verfahren von Rudi Büttner und Joachim Zeisel erklären. Büttner verantwortet in dem Sanitär- und Heizungsbetrieb Lokus GmbH die Grauwassernutzung. Die Lokus GmbH installierte sie seinerzeit in Kreuzberg. Zeisel berät den Anlagenbauer.

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Autoren

Dipl.-Ing. Bernd Genath

Freier Journalist, Düsseldorf.

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