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Ausgewählte Ausgabe: 04-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Pflicht für alle: Kleine Lebensretter kommen groß raus

Immer noch sterben in Deutschland jährlich etwa 400 Menschen durch Brände − der Großteil davon in den eigenen vier Wänden. Mehr als 70 % der Feuer ereignen sich nachts. Oft lassen Rauch und giftige Gase die schlafenden Bewohner in eine tiefe Bewusstlosigkeit fallen. So sind rund 95 % der Todesfälle auf eine Rauchvergiftung zurückzuführen. Ein Brand und der dabei entstehende Rauch verbreiten sich rasend schnell. Ist erst ein Feuer ausgebrochen, bleiben nur wenige Minuten zur Flucht.


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Die Ausstattung von Wohngebäuden mit Rauchmeldern ist in Deutschland inzwischen gesetzlich vorgeschrieben

Trotz dieser alarmierenden Zahlen sind in der Bundesrepublik noch nicht alle privat genutzten Gebäude mit Rauchwarnmeldern ausgestattet. Aber der Einsatz der kleinen Lebensretter nimmt zu. Das liegt nicht zuletzt an der Gesetzgebung. Mittlerweile haben alle Bundesländer ihre Landesbauordnung so geändert, dass die Aus- und Umrüstung von Wohngebäuden mit Rauchwarnmeldern (Bild 1) gesetzlich vorgeschrieben ist. Daraus resultiert ein wachsender Markt mit unterschiedlichsten Geräten und Herstellern. Nachfolgend wird aufgezeigt, welche gesetzlichen Rahmenbedingungen es gibt, worauf Fachleute und Nutzer besonders achten sollten und wie sich die Digitalisierung auch auf die kleinen Lebensretter auswirkt.

Gesetzliche Rahmenbedingungen werden schärfer

Wer für die Installation von Rauchwarnmeldern zuständig ist und wie die Geräte betrieben werden müssen, ist in Deutschland in den Bauordnungen der Länder geregelt. In fast allen taucht die allgemeine Formulierung auf: „In Wohnungen müssen Schlafräume und Kinderzimmer sowie Flure, über die Rettungswege von Aufenthaltsräumen führen, jeweils mindestens einen Rauchwarnmelder haben. Die Rauchwarnmelder müssen so eingebaut und betrieben werden, dass Brandrauch frühzeitig erkannt und gemeldet wird.“ In allen Bundesländern müssen neu errichtete Wohnungen und auch bestehende Wohnungen im Rahmen einer festgeschriebenen Frist mit Rauchwarnmeldern ausgestattet werden. Die Frist zur Nachrüstung ist bei knapp zwei Drittel aller Bundesländer bereits abgelaufen − in Bayern, Berlin, Brandenburg und Thüringen endet sie in den kommenden Jahren. Sachsen ist das einzige Bundesland ohne eine konkrete Frist zur Nachrüstung.
Verantwortlich für die Einhaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sind die Eigentümer von Wohnungen und Wohngebäuden. Sie müssen sicherstellen, dass eine ausreichende Anzahl von Rauchwarnmeldern eingebaut ist. Zudem unterliegt der dauerhaft funktionierende Betrieb der Geräte ihrer Verantwortung. Untersuchungen zeigen, dass die Lebensretter oftmals gar nicht funktionieren − zum Beispiel weil Batterien leer sind oder fehlen. Andere Geräte sind falsch installiert oder nicht in der vorgeschriebenen Anzahl montiert. Unter diesen Mängeln leidet die Sicherheit. Im Ernstfall kann es auch zu rechtlichen Konsequenzen kommen: Wenn Rauchwarnmelder nicht einwandfrei funktionieren oder sie nicht vorhanden sind, sind im öffentlichen und auch im privatem Raum Schadensersatzklagen, zum Beispiel von Mietern oder Hinterbliebenen, möglich. Auch Versicherungen überprüfen nach einem Brandschaden den ordnungsgemäßen Betrieb von Rauchwarnmeldern.
Zusätzlich zu den Rahmenbedingungen der Landesbauordnungen gilt deshalb die Anwendungsnorm DIN 14676. Sie regelt deutschlandweit die Planung, den Einbau, den Betrieb und die Instandhaltung von Rauchwarnmeldern im privaten Bereich und in Räumen mit wohnungsähnlicher Nutzung. Für die Einhaltung der länderspezifischen Rahmenbedingungen existiert kein Aufsichts- und Kontrollsystem. So wird es auch in anderen Bereichen der deutschen Baugesetzgebung gehandhabt.

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Autoren

 Stefan Kroß

Entwicklungsleiter bei der QUNDIS GmbH, Erfurt.

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