Noch keinen Zugang? Dann testen Sie unser Angebot jetzt 3 Monate kostenfrei. Einfach anmelden und los geht‘s!
Angemeldet bleiben
Ausgewählte Ausgabe: 04-2017 Ansicht: Modernes Layout
| Artikelseite 1 von 3

Abschottungen von Leitungssystemen häufig bemängelt

Die objektspezifische Erfüllung des baulichen Brandschutzes in der Planung und auf der Baustelle wird im Zuge des technischen Fortschritts immer komplexer. Täglich berichten Baufachleute über steigende Aufwendungen, Zielkonflikte mit Investoren und - trotz aller Sorgfalt - von Beanstandungen bei Brandschutz-Abnahmen. Diese Erfahrungswerte aus der Praxis hat Viega gebündelt und daraus neue Brandschutzlösungen für Rohrleitungssysteme und Durchführungen entwickelt. Sie sorgen nicht nur im Brandfall für Sicherheit, sondern schon bei der „Feuertaufe“ – der Abnahme.


Mit die häufigsten Konflikte beim baulichen Brandschutz ergeben sich aus fehlerhaften Leitungsdurchführungen durch Geschossdecken und Brandschutzabschnitte. Denn die Vielfalt und Menge der Versorgungssysteme nimmt zu. Installationsschächte sind in der Regel mindestens mit Trinkwasserleitungen, Heizungsleitungen und dem Abwasserrohr belegt. Die Entlüftungsleitung für Bäder, Nebenräume oder Wrasenabzüge in Küchen kommen häufig noch hinzu. Hochgedämmte Bauwerke benötigen zudem eine kontrollierte Wohnungslüftung (KWL) bzw. raumlufttechnische Anlage (RLT).

Leitungsabschottung nicht im Fokus

Die Brandausbreitung über Lüftungsanlagen durch Brandschutz- bzw. Rauchschutzklappen zu verhindern, ist fester Bestandteil jeder Planung und wird bei einer Abnahme in den seltensten Fällen beanstandet. Die statistische Auswertung eines kürzlich fertiggestellten Großprojekts in der Rhein-Main-Metropolregion ist dafür exemplarisch: Bei einer Klassifizierung von 3 000 Mängeln beim baulichen Brandschutz entfielen nur 2 %auf Brandschutzklappen. Mit weitem Abstand führten dagegen fehlerhafte Abschottungen (37 %) die Mängelliste an, gefolgt von Beanstandungen an Installationsschächten und -kanälen (8 Prozent). Auf Platz drei kamen nicht eingehaltene Mindestabstände (6 %).
Vielfach sind die Grenzen zwischen diesen Mängeln fließend und weisen in der Regel einen gemeinsamen Ursprung auf: Die Verwendbarkeitsnachweise der Hersteller von Leitungs- und Brandschutzsystemen sind kompliziert und limitieren die Möglichkeiten der Produktkombination auf der Baustelle. Die Durchführung in Decken und Wänden mit Brandschutzanforderungen ist außerdem im Detail geregelt. Die daraus resultierenden Einschränkungen passen aber nicht zur baulichen Praxis, weil sie viel Raum fordern. Doch Nutzfläche ist ein kostbares Gut.
Viega hat daher für seine Rohrleitungssysteme für Trinkwasser, Heizung und andere Medien umfangreiche Prüfungen vorgenommen. Das Ziel: den Nullabstand zwischen Rohrleitungen – auch zu Fremdsystemen – zu ermöglichen und die Abschottung bei Wand- und Deckendurchführungen zu vereinfachen. Wie das gelungen ist, zeigen zwei Beispiele, die häufig zum Scheitern von Brandschutzabnahmen führen.

Vermörtelung von Durchbrüchen mit Lüftungsleitungen

Lüftungsleitungen werden nahezu ausschließlich durch größere Bauteilöffnungen in feuerwiderstandsfähigen Decken geführt. Parallel dazu verlaufen dann weitere Versorgungsleitungen für Trinkwasser, Heizung und Abwasser. Diese typische bauliche Situation führt oft zu einer Beanstandung der Restspaltverfüllung.
Der Hintergrund: Die bauaufsichtlichen Prüfungen der meisten Rohrleitungssysteme basieren auf einem Testaufbau, bei dem Rohre mit einem Brandschutzsystem durch Kernbohrungen verlaufen, statt durch übliche, unförmig gestemmte Durchbrüche.

HA227-Bildartikel-1

Bild 1
Bauteilöffnungen, wie hier in einer Brandschutzdecke, sind wieder so zu verschließen, dass sich Feuer und Rauch nicht ausbreiten können. In den Verwendbarkeitsnachweisen der Rohrhersteller ist das bis ins Detail definiert

Das Ergebnis: Die Verwendbarkeitsnachweise spiegeln diese Situation wider und definieren die minimale und die maximale Größe des Ringspalts, der zum Beispiel mit Mörtel verfüllt werden darf. Ausgehend von der Prüfung in einer Kernbohrung sind das in der Regel ≤ 50 mm. Ein so enges Maß wird bei Durchbrüchen in der Praxis regelmäßig überschritten. Dann ist jedoch eine mit dem Verwendbarkeitsnachweis konforme Ausführung nur noch mit sehr hohem Aufwand herzustellen: Die Restöffnung, die über das zulässige verfüllbare Spaltmaß hinausgeht, muss in der Qualität der Massivdecke wiederhergestellt werden. Dabei ist nicht nur der gleiche Beton zu verwenden, sondern in der Öffnung auch gegebenenfalls eine Bewehrung einzubringen und an die Decke anzuschließen (Bild 1). Dieser Aufwand wird kaum betrieben – und deshalb oft beanstandet.

Seite des Artikels
Autoren

 Markus Berger

Sachverständiger für baulichen und gebäudetechnischen Brandschutz (EIPOS) und Leiter des Kompetenzbereichs Brandschutz bei Viega, Atttendorn.
www.viega.de/brandschutz