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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Sanierung kontaminierter Anlagen

Werden Veränderungen der Trinkwasserqualität bekannt, sollen auf der Grundlage einer Gefährdungsanalyse die vorhandenen Mängel aufgedeckt und hygienisch bewertet werden, um sinnvolle Möglichkeiten für eine Sanierung aufzuzeigen und einen zielführenden Instandhaltungsplan zu erstellen.


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Bild 1
Insbesondere in Warmwasser-Installationen aus schmelztauch-verzinktem Stahl kann es bereits nach kurzer Zeit zu massiver Korrosion kommen

Ein Mangel in einer Trinkwasser-Installation kann in der Nichteinhaltung der Grenzwerte der Trinkwasserverordnung bestehen (mikrobiologisch/chemisch), kann aber auch eine ästhetische Veränderung des Trinkwassers sein (z. B. schwarze Biofilme, Änderungen in Geruch und Geschmack, Rost, Kleinlebewesen etc.). In bestehenden Trinkwasser-Installationen mit verzinkten Stahlleitungen im Warmwasserbereich kann es beispielsweise durch Korrosion bereits nach kurzen Stagnationszeiten zu einer Verfärbung des Trinkwassers kommen (Bild 1).

Regelwerke als Handlungsleitfaden

Wie eine mikrobiologische Kontamination durch z. B. Legionellen beseitigt werden kann, wird im DVGW-Arbeitsblatt W 556 beschrieben. Hinweise zur Sanierung einer Anlage bei einer Kontamination mit Legionellen sind aber auch dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 zu entnehmen. Zur Instandsetzung von Trinkwasser-Installationen, die durch Korrosion oder Steinbildung geschädigt sind, liegt aktuell der Entwurf des neuen DVGW-Arbeitsblatts W 558 vor und Vorgaben zu Reinigung und Desinfektion von Trinkwasser-Installationen sind dem DVGW-Arbeitsblatt W 557 zu entnehmen. Diese Regelwerke zeigen praxistauglich auf, welche Maßnahmen jeweils geeignet sind, um die Mängel zu beseitigen, welche Voraussetzungen hierfür vorliegen müssen oder welche Maßnahmen entsprechend nicht geeignet sind.

Keine Einzelmaßnahmen

Der Begriff der Sanierung ist nach W 557 klar definiert als die Gesamtheit der „Betriebs- und bautechnischen Maßnahmen zur Wiederherstellung des bestimmungsgemäßen Betriebs einer Trinkwasser-Installation, die über eine Reinigung und/oder Desinfektion hinausgehen, wobei Reinigung und Desinfektion Bestandteile einer Sanierung sein können“. Bereits durch diese Definition ist klargestellt, dass eine „Heißspülung“, die Installation einer Desinfektionsanlage, eine thermische oder ein chemische Desinfektion keine Sanierung einer kontaminierten Trinkwasser-Installation darstellen. Das Ziel eines Sanierungsplans, basierend auf einer fundierten Ursachenermittlung, muss immer die dauerhafte Wiederherstellung der Gebrauchstauglichkeit sein, d. h. eine Trinkwasser-installation so instand zu setzen, dass hinterher ein bestimmungsgemäßer Betrieb nach den Anforderungen der Trinkwasserverordnung möglich ist.
Eine regelmäßige, fachgerechte Instandhaltung ist dabei die Voraussetzung für einen hygienisch unbedenklichen, bestimmungsgemäßen Betrieb einer Trinkwasser-Installation. Ein bestimmungs-gemäßer Betrieb liegt nach W 557 (A) dann vor, wenn

  •  die Trinkwasser-Installation wie bei der Planung zugrunde gelegt betrieben wird,
  •  bedenkliche Stagnation in der gesamten Trinkwasser-Installation vermieden wird (u. a. regelmäßiger Wasseraustausch durch Entnahme),
  •  die Temperaturen für kaltes und erwärmtes Trinkwasser eingehalten werden,
  •  die Maßnahmen zum Schutz des Trinkwassers nach DIN EN 806–5, DIN EN 1717 und DIN 1988–100,
  •  sowie die Instandhaltungsintervalle, insbesondere die Wartungsintervalle, eingehalten sind.

Mikrobiologische Kontamination

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Bild 2
Endständige, bakteriendichte Filter dürfen außer in Hochrisikobereichen von Krankenhäusern nur zeitlich befristet bis zum Abschluss der Sanierung verwendet werden

Der Einsatz bakteriendichter Filter („Hygienefilter“, Ultrafilter, „Sterilfilter“ u.ä.) kann nach W 556 nur übergangsweise den Weiterbetrieb an ausgewählten endständigen Entnahmestellen während des Sanierungszeitraumes ermöglichen. Mit Ausnahme von Hochrisikobereichen in Krankenhäusern sollten bakteriendichte Filter nur vorübergehend bis zur Wiederherstellung mikrobiell einwandfreier Verhältnisse installiert werden (Bild 2).
Aus Gründen des unmittelbaren Gesundheitsschutzes kann es, unter bestimmten Bedingungen, notwendig sein, vor oder während einer Sanierung eine zeitlich befristete Desinfektion des Trinkwassers vorzunehmen. Es ist dabei aber nicht auszuschließen, dass es durch eine Trinkwasserdesinfektion zu Schädigungen der nachgeschalteten Rohrleitungen und Bauteile kommt. In keinem Fall ersetzt jedoch eine Desinfektion die Sanierung einer Trinkwasser-Installation.

Seite des Artikels
Autoren

 Arnd Bürschgens

Sachverständiger für Trinkwasserhygiene und beteiligt sich zudem aktiv an der Regelwerksarbeit des DIN, VDI und DVGW. Er ist u.a. Vorsitzender im Richtlinien-Ausschuss VDI 3810 Blatt 2 und war als Fachexperte und Vertreter des VDI im Ausschuss VDI/BTGA/ZVSHK 6023 Blatt 2 an der Erarbeitung des neuen Regelwerks zur Gefährdungsanalyse beteiligt.
buerschgens@wissen-fuer-wasser.de

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