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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Betriebshöfe – jeder bewirtschaftet Regenwasser auf seine Art

Kommunen, Landkreise und Bundesländer unterhalten Betriebshöfe mit Fuhrparks und Werkstätten. Regenwasserbewirtschaftung ist für die meisten dieser Einrichtungen selbstverständlich – insbesondere bei den neu gebauten Betriebsstätten der Straßen- und Flussunterhaltung, der Müllabfuhr und der Stadtreinigung.


Im nachfolgenden zweiten Teil des Beitrages1) werden die Straßenmeisterei in Hüfingen, Baden-Württemberg, und der Betriebshof der Stadt Zweibrücken, Rheinland-Pfalz, vorgestellt.
Lesen Sie Teil 1 des Beitrages hier.

Straßenmeisterei des Schwarzwald-Baar-Landkreises in Hüfingen - Regenwassernutzung, -behandlung und verzögerte Ableitung

Der neue Standort der Straßenmeisterei Hüfingen befindet sich seit 2015 an der Kreuzung der Bundesstraßen 27 und 31. Ganzjährig kümmern sich die 32 Mitarbeiter – davon 8 bis 10 Personen ständig am Ort – um die Sicherung und Instandsetzung von Bundes-, Landes- und Kreisstraßen. Der Landkreis Schwarzwald-Baar ließ dafür einen Neubau (Bild 1) erstellen, da hier am Rande des Schwarzwaldes besonders oft Winterdienst erforderlich ist.

Bild 1 Neubau der Straßenmeisterei Hüfingen, Fertigstellung 2015. Auf den Dachflächen anfallendes Regenwasser wird aus ökologischen Gründen genutzt. Hierfür wurde ein System, bestehend aus Filterschacht, Speicher und Pumpentechnik eingebaut. Für die Behandlung des Oberflächenwassers sind Benzin- und Koaleszenzabscheider, Schlammfang und Probenahmeschacht vorhanden

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Neubau der Straßenmeisterei Hüfingen, Fertigstellung 2015. Auf den Dachflächen anfallendes Regenwasser wird aus ökologischen Gründen genutzt. Hierfür wurde ein System, bestehend aus Filterschacht, Speicher und Pumpentechnik eingebaut. Für die Behandlung des Oberflächenwassers sind Benzin- und Koaleszenzabscheider, Schlammfang und Probenahmeschacht vorhanden

Auf einer Bruttogrundfläche von 3 375 m² wurden mehrere große Funktionsbereiche zusammengefasst: Verwaltung und Soziales, Werkstätten und Waschhalle sowie Unterstellmöglichkeiten für Fahrzeuge, Geräte und Material. „Alles unter einem Dach“ war das Motto der Architektur, das mittlerweile bei ähnlichen Projekten in Baden-Württemberg Nachahmer findet. Die Farbgebung der Fassaden korrespondiert mit dem typischen Erscheinungsbild der Einsatzfahrzeuge.
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Verwendung von Regenwasser auch in dieser Fahrzeugwaschhalle, u. a. für Desinfektion bei Seuchen

Die Regenrückhaltung sollte auf Wunsch der Bauherrschaft aus ökologischen Gründen vorbildlich umgesetzt werden. Deshalb wird heutzutage nach Möglichkeit Regenwasser genutzt und bewirtschaftet, nicht wie früher unmittelbar in den Kanal geleitet. Zugleich spart der Betrieb eine Menge Trinkwasser ein. „Anhand von Wirtschaftlichkeitsberechnungen haben die Planer verschiedene Varianten geprüft und das nun realisierte Konzept empfohlen“, sagt Achim Hall, der für den Betriebsablauf verantwortliche Straßenmeister. Das gesammelte Regenwasser wird für WC-Spülung, Fahrzeugwaschhalle (Bild 2), Waschplatz im Freien sowie eine Zapfstelle genutzt. Kehrmaschinen und Tankwagen zur Bewässerung von Bäumen können dort Wasser aufnehmen. Außerdem ist die Soleherstellung für den Winterdienst mit Betriebswasser möglich. Laut Definition in DIN 1989–1 handelt es sich dabei um Wasser für häusliche und gewerbliche Einsatzbereiche, welches keine Trinkwasserqualität haben muss.
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Bild 3
Regenwasser-Verteilleitungen von den Druckerhöhungsanlagen zu den Verbrauchsstellen (unten/grün) sowie Trinkwassernachspeisung zu den Vorlagebehältern (oben/blau)

Die Hälfte des 3 500 m² großen Foliendaches dient als Sammelfläche. Mehr wird für die Nutzung nicht gebraucht. Die restliche Dachfläche entwässert in ein Regenrückhaltebecken. Auf dem Weg in den 38,5 m³ fassenden unter- irdischen Regenspeicher durchläuft das Niederschlagswasser einen Filterschacht. Sein Spaltsieb-Filtergewebe aus Edelstahl hat die Feinheit von 0,6 mm und ist ausgelegt auf eine anschließbare Dachfläche von 1 750 m² sowie den maximalen Durchfluss von 45 l/s. Im Gebäude stehen zwei separate Druckerhöhungsanlagen (Regencenter) mit jeweils zwei mehrstufigen Kreiselpumpen sowie einem Druckausgleichsbehälter. Dazu gehört noch ein Zwischenbehälter mit 200 l Fassungsvermögen, der nach Bedarf automatisch gefüllt wird. Dies geschieht mit Hilfe von Unterwasser-Ladepumpen, die auf der Sohle des unterirdischen Regenspeichers in ca. 50 m Entfernung der Druckerhöhungsanlagen stehen (Bild 3).

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Autoren

Dipl.-Ing. Klaus W. König

Sachverständigen- und Fachpressebüro Überlingen am Bodensee. Als freier Fachjournalist und Buchautor veröffentlicht er regelmäßig Artikel in Umwelt-, Architektur-, Heizungs- und Sanitärzeitschriften. Er ist von der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Bewirtschaftung und Nutzung von Regenwasser, Mitglied im DIN-Ausschuss „Wasserrecycling / Regen- und Grauwassernutzung“ und Lehrbeauftragter an der Universität Stuttgart und an der Hochschule Reutlingen, Thema „Rainwater Management“ in englischer Sprache.
www.klauswkoenig.com
mail@klauswkoenig.com
kwkoenig@koenig-regenwasser.de

Gesetze und Normen

Für die Kennzeichnung nichterdverlegter Rohrleitungen nach dem Durchflussstoff gibt DIN 2403 Hinweise. Eine deutliche Kennzeichnung ist im Interesse der Sicherheit, der sachgerechten Instandsetzung und der wirksamen Brandbekämpfung unerlässlich – sie soll auf Gefahren hinweisen, um Unfälle und gesundheitliche Schäden zu vermeiden. Diese Norm wurde vom Gemeinschaftsarbeitsausschuss NA 095–01–06 GA „Sicherheitskennzeichnung“ des Normenausschusses Sicherheitstechnische Grundsätze (NASG) erarbeitet. Aktueller Stand ist Juni 2014.

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