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Ausgewählte Ausgabe: 03-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Feinstaub: Die Klassifizierungsgröße der neuen ISO-Luftfilternorm


Die Auswirkungen von Feinstaub (PM) auf die menschliche Gesundheit wurden in den vergangenen Jahrzehnten intensiv erforscht. Die Erkenntnis ist, dass Feinstaub die Gesundheit ernsthaft gefährden und zu Atemwegs- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen beitragen oder sie sogar auslösen kann. Luftfilter werden meistens in Raumlufttechnischen Anlagen für Gebäude verwendet. Bei dieser Art der Anwendung beeinflussen diese Anlagen maßgeblich die Luftqualität von Innenräumen und somit auch die Gesundheit der Menschen, da diese die Feinstaubkonzentration in der Raumluft verringern.
Die Normenreihe EN ISO 16890 „Luftfilter für die allgemeine Raumlufttechnik“ bezieht sich auf Partikel-Luftfilterelemente für die Raumlufttechnik und ersetzt die EN 779:2012 „Partikel-Luftfilter für die allgemeine Raumlufttechnik – Bestimmung der Filterleistung“. In der ISO-Filternorm wird eine neue Herangehensweise an ein Klassifizierungssystem gewählt. Die neue Wirkungsgradklassifizierung basiert auf der Ermittlung des Fraktionsabscheidegrads, der für die Klassierung zu einem Partikel-Berichtsystem verarbeitet wird. Zur Bewertung von Luftfilterelementen werden die Filterabscheidegrade anhand der Feinstaubklassen PM1, PM2.5 und PM10 bestimmt.
Nach der neuen ISO-Norm werden die Grob- und Feinstaubfilter in vier Gruppen eingeteilt: „ISO ePM1“, „ISO ePM2.5“, „ISO ePM10“ und „ISO coarse“. Voraussetzung für die Einteilung in eine der PM-Gruppen ist eine Abscheideleistung des Filters von mehr als 50 % des entsprechenden Partikelgrössenspektrums. Ist ein Filter beispielsweise in der Lage, mehr als 50 % PM1-Feinstaub abzuscheiden, so wird er als „ISO ePM1“-Filter eingeteilt. Scheidet ein Filter weniger als 50 % PM10 ab, wird dieser als „ISO coarse“, d. h. als Grobstaubfilter bezeichnet.
Anwender von Luftfiltern sind künftig aufgefordert, nach der neuen ISO-Filternorm Ersatzfilter zu bestellen. Da stellt sich automatisch die Frage: Was für eine Bezeichnung haben die eingebauten Filter nach der neuen Norm? Eine „Übersetzung“ der bisherigen Filterklassen nach EN 779 zu ISO 16890 ist wegen der unterschiedlichen Mess- und Bewertungsverfahren nicht ohne weiteres möglich. Die Expertenarbeitsgruppe, welche an der Revision der deutschen VDI 3803–4 und der schweizerischen Luftfilterrichtlinie SWKI VA101–01 arbeitet, empfiehlt nun – verglichen mit EN 779 – für Komfort-Lüftungsanlagen folgende Filterklassen nach ISO 16890: M5 ist neu ISO ePM10 ≥ 50 %, F7 ist neu ISO ePM1 ≥ 50% und F9 ist neu ISO ePM1 ≥ 80 %. „ISO coarse“-Filter sollten nicht eingesetzt werden.
Durch die Einführung der neuen ISO-Norm ergeben sich auch Änderungen für andere Regelwerke. Dies betrifft beispielsweise die VDI 6022 (SWKI VA 104–01), welche zur Aufrechterhaltung der Hygiene in Raumlufttechnik-Anlagen Filter der Klassen M5, F7 bzw. F9 nach EN7 79 empfiehlt. Ebenso wird die EN 13779 (bzw. neu die EN 16798–3 und TR 16798–4 Allgemeine Grundlagen und Anforderungen für Lüftungs- und Klimaanlagen) betroffen sein. Diese Norm empfiehlt den Einsatz von Luftfiltern nach EN 779 – je nach Außenluft- und gewünschter Innenluftqualität. Es besteht also ein erhebliches „öffentliches“ Interesse an einer einfachen und klaren ISO-Filterklassierung, welche sich auf die „alten“ Filterklassen der EN 779 zurückführen lässt und eine zeitnahe Anpassung der Regelwerke ermöglicht.

Autoren

Prof. Arnold Brunner

Brunner Consulting, CH-Pfäffikon ZH, Vorsitzender Expertengruppe VDI 3803–4 / SWKI VA101–01.