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Ausgewählte Ausgabe: 02-2017 Ansicht: Modernes Layout
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Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz messen!

Die Tricksereien der Automobilhersteller hinsichtlich der Abgaswerte füllen seit längerer Zeit die Pressespalten. Es geht schließlich um die Gesundheit der Menschen, die in Ballungsgebieten wohnen und arbeiten. Nicht minder skandalös ist die Situation in einem TGA-Teilbereich, nämlich der Großküchenlüftung. Dort wird gelegentlich auch getrickst, aber viel schlimmer: Die entscheidenden Parameter werden überhaupt nicht gemessen. Das haben die Fachgazetten noch gar nicht gemerkt. Worum geht es? Bei der Abnahme einer Küchenlüftung wird zwar die Luftleistung gemessen und protokolliert – aber nicht die Schadstoffbelastung der Raumluft.


Das FID-Messgerät erfasst die dampfförmigen Partikel und deren Konzentration

Das FID-Messgerät erfasst die dampfförmigen Partikel und deren Konzentration

Der Küchenbetreiber erfährt nicht, ob die Schadstoffbelastung – Aerosole und Stäube – am Arbeitsplatz der Köche die empfohlenen Werte unterschreitet. Die Schadstoffe sind ein Gemisch aus festen und flüssigen Partikeln, ähnlich dem Feinstaub. Ein wesentlicher Bestandteil sind Fettaerosole. Als Beurteilungswert nennt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) 25 µg/m3 Raumluft für die Partikelgröße PM 2,51) und 40 µg/m3 für die Partikelgröße PM 10. Vor allem die Partikel unterhalb PM 2,5 sind ein großes Gesundheitsrisiko, denn sie dringen beim Einatmen bis in die Bronchien und Lungenbläschen vor. Die Risiken überhöhter Werte reichen von Entzündungen der Lunge und Bronchien über eine verstärkte Plaquebildung in den Blutgefäßen bis zur Thrombose.
Nach der Abnahme einer gewerblichen Küchenlüftung ist also eine Bewertung der Luftqualität dringend geboten. Das Thema wird bislang überhaupt nicht diskutiert. Die meisten Lüftungsunternehmen und Ingenieurbüros haben dafür auch gar nicht die entsprechenden Messgeräte wie z. B. FID2) (Bild) und Streulicht-Partikelzähler.
Es genügt einfach nicht, die im Leistungsverzeichnis angegebenen Zu- und Abluftmengen nachzuweisen; für den Betreiber ist es viel wichtiger zu erfahren, ob die vorhandene Feinstaubkonzentration für das Küchenpersonal ein Gesundheitsrisiko ist oder nicht. Nach jeder Projektübergabe ist daher die Kontrolle der Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz geboten. So heißt es in der neuen DIN EN 16282 Großküchengeräte – Einrichtungen zur Be- und Entlüftung gewerblicher Küchen (seit Februar 2017 in Kraft): „Das Lüftungssystem muss in der Lage sein, Gerüche, Fettbestandteile und gasförmige Produkte von der Abluft zu trennen.“ Messungen, wie sie die Firma Rentschler Reven durchführt, haben ferner dazu beigetragen, dass die bewährten Cyclone-Fettabscheider aerodynamisch verfeinert wurden und immer bessere Abscheidegrade für alle Partikelgrößen hervorbringen. Schon Baron Kelvin (1824 – 1907) wusste: Was nicht gemessen wird, kann auch nicht verbessert werden.

***
Fußnoten
1)  Feinstaub, in der Fachsprache als PM (Particulate Matter) bezeichnet, besteht aus einem Gemisch von festen und flüssigen Schwebstoffpartikeln und wird in drei Fraktionen eingeteilt:
PM 10 mit max. 10 µm Durchmesser
PM 2,5 mit max. 2,5 µm Durchmesser
PM 0,1 mit max. 0,1 µm Durchmesser
Zum Vergleich: Ein menschliches Haar ist durchschnittlich 70 (!) µm dick. Grobstaub dagegen sind Partikel mit mehr als 10 µm Durchmesser.
2)  Der FID (Flammenionisationsdetektor) ist ein Detektor für organische Verbindungen. Er misst gasförmige Kohlenwasserstoffverbindungen.

Autoren

 Sven Rentschler

Geschäftsführer der Rentschler Reven GmbH, Sersheim.

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