16.01.2015, 11:55 Uhr | 3 |

PROBLEME ÜBERWUNDEN Windräder mit ein Gigawatt Leistung in Nord- und Ostsee am Netz

Jahrelang schien der Ausbau der Windenergie auf hoher See in Deutschland nicht voranzukommen, weil technische Probleme, fehlende Netzanbindung und Unsicherheit über die gesetzlichen Bedingungen Investoren abschreckten. Nun gibt es einen gewaltigen Schub, meint zumindest die Offshore-Branche selbst.

BARD 1
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Vor allem die Anbindung ans Netz sorgte immer wieder für Probleme beim ersten deutschen Hochsee-Windpark BARD 1. Die Anlage befindet sich nordwestlich von Borkum. 

Foto: BARD-Gruppe

Die Windkraft in Nord- und Ostsee hat eine Schallmauer durchbrochen: Ende 2014 waren erstmals Windkraftanlagen mit einer Leistung von einem Gigawatt Strom am Netz. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die Stiftung Offshore Windenergie (SOW) zusammen mit anderen Verbänden in Auftrag gegeben hat.

Demnach waren zum Stichtag 31. Dezember insgesamt 258 Offshore-Anlagen im Dienst, die knapp 1050 Megawatt Leistung erreichen. Mehr als die Hälfte dieser Windräder wurde erst 2014 ans Netz angebunden. Das ist ein starker Zuwachs. Und die Branche erwartet noch viel mehr.

Leistung soll sich 2015 verdreifachen

Innerhalb der nächsten zwölf Monate soll sich die Gesamtleistung demnach auf rund drei Gigawatt verdreifachen, was der Leistung zweier Atomkraftwerke mittlerer Größenordnung entspricht. 268 Anlagen seien bereits Ende 2014 errichtet, aber noch nicht ans Netz angeschlossen gewesen, berichtet die Stiftung. Hinzu kämen 220 Windräder, für die bereits die Fundamente im Meeresboden verankert seien.

In den Jahren zuvor hatte die Offshore-Windenergie in Deutschland vor allem durch technische und genehmigungsrechtliche Probleme auf sich aufmerksam gemacht. Die Branche selbst sieht den Grund für den neuen Schub vor allem in den politischen Rahmenbedingungen. Norbert Giese, Vorstand der Stiftung Offshore-Windenergie, verweist auf die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes im vergangenen Jahr: „Das EEG 2014 hat den Rahmen für den planmäßigen Ausbau der Offshore-Windenergie und damit für mehr Wertschöpfung, wachsende Exportquote und die Sicherung der Beschäftigung bis zum Jahr 2020 gesetzt.“

Viele Ausfälle bei Vorzeigeprojekt

Die Reform trat allerdings erst im August 2014 in Kraft – den gewaltigen Zubau im selben Jahr kann das kaum erklären. Hauptgrund dürfte sein, dass die technischen Probleme vor allem bei der Anbindung der Windparks an das Stromnetz so langsam behoben werden können. Gerade die schwierige Installation der Kabel auf dem Meeresboden hatte immer wieder für Verzögerungen gesorgt.

Allerdings ist nicht alles Gold, was glänzt: Das Beispiel „BARD 1“, mit 80 Windrädern und einer Leistung von 400 Megawatt das deutsche Offshore-Vorzeigeprojekt, zeigt, wie anfällig die Offshore-Technik immer noch ist. Seit gut eineinhalb Jahren am Netz, ist die Anlage nordwestlich von Borkum mehrfach ausgefallen, insgesamt über mehrere Monate.

Offshore ist Pfeiler der Energiewende

Die Offshore-Windenergie ist ein wesentlicher Pfeiler der Energiewende-Strategie der Bundesregierung. Bis zum Jahr 2020 soll die installierte Leistung der Anlagen in Nord- und Ostsee auf 6500 Megawatt jährlich steigen. An Land ist ein Zuwachs an Wind-Leistung derweil fast nur über höhere, stärkere Windräder denkbar, weil kaum noch geeignete Flächen für neue Anlagen zur Verfügung stehen.

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Von Werner Grosch
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kommentare
16.01.2015, 15:50 Uhr ge
'6.500 Megawatt jährlich' sind doch viel zu wenig. Das sollte doch peak sein?

22.01.2015, 17:22 Uhr MOSFET
"Gut ein Gigawatt Strom haben die Windkraftanlagen in deutschen Hoheitsgebieten auf Nord- und Ostsee im vergangenen Jahr produziert." Das ist so sinnvoll wie "Mein Auto hat 100 PS in der Stunde." Peinlich für eine Seite, die sich ingenieur.de nennt!

03.02.2015, 09:03 Uhr a.moerer-funk
Liebe Leser,

vielen Dank für die Hinweise. Sie haben natürlich Recht: Es ging nicht um die gelieferten Strommengen, sondern um die Anschlussleistung. Darf nicht passieren ... Wir haben den Beitrag entsprechend aktualisiert.

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