13.04.2013, 13:00 Uhr | 0 |

Hannover Messe Windkraftanlagen: "2013 wird noch ein gutes Jahr in Deutschland werden"

Für viele deutsche Hersteller von Windkraftanlagen war 2012 ein düsteres Jahr. Der VDMA-Fachverband Power Systems schätzt den deutschen Windmarkt trotz politischer Unsicherheiten positiv ein, obwohl der Weltmarkt für Neuinstallationen 2013 erstmals zurückgehen soll.

Windprojekt Clauen Deutschland
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Derzeit sind Onshore-Projekte die Hoffnung der Windkraftanlagenbauer. Dass Offshore-Programm in Deutschland schwächelt wegen der schwierigen Rahmenbedingungen.

Foto: Repower

Andreas Nauen ist nicht gut zu sprechen auf die deutsche Politik, die derzeit unter dem Schlagwort "Strompreisbremse" die Energiewende bei Investoren weltweit zu diskreditieren droht. "Wir haben gehofft, dass die angedrohten Kurzfristmaßnahmen für eine EEG-Novellierung noch vor der Bundestagswahl vom Tisch wären", sagte der CEO des Windkraftanlagenbauers Repower am Mittwoch in Hannover. Nauen bezieht sich auf die Androhung, für bestehende Anlagen rückwirkend die Bedingungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) zu ändern.

Weltweite Windkraft-Kapazität wird 2013 sinken

"2013 ist sicherlich ein Wendepunkt", glaubt Nauen, der auch Vorsitzender der Windbranche im VDMA ist. Zum ersten Mal seit 1996, dem Beginn der Statistik der weltweit neu installierten Windenergieanlagen, werden wohl 2013 die Kapazitäten im globalen Maßstab sinken: von noch 44 GW 2012 auf etwa 39 GW.

Da kommen Vorbehalte der deutschen Bundesregierung zur Verbindlichkeit von Rahmenbedingungen für Investitionen zur Unzeit. "Wir hatten gehofft, Deutschland könnte ein Anker im Geschäft sein", sagte Nauen, und auch er rechnet noch mit einem "guten Jahr in Deutschland". Angetrieben würden die Investoren dadurch, dass sie Projekte, die sich rasch fertigstellen ließen, angesichts der Unsicherheit noch schnell unter Dach und Fach bringen wollen. Doch die weitere Zukunft sei kaum einschätzbar.

"2012 war ein Jahr der Restrukturierung und Veränderung", gesteht Nordex-Chef Jürgen Zeschky. Der Windanlagenhersteller verabschiedete sich vom Offshore-Segment, gab seine Rotorblattfertigung in China auf, passte die zu gering ausgelastete Produktion in den USA an, senkte Kosten und strich weltweit Hunderte Stellen. "Wir haben unsere Fertigungsstunden für eine komplette Turbine um 26 % reduziert", sagte Zeschky.

Deutsche Hersteller haben das Schlimmste überstanden

"Die deutschen Hersteller haben das Schlimmste überstanden", glaubt Thomas Richterich, Interimschef von Vestas Zentraleuropa, gegenüber VDI nachrichten. Der Preisverfall dürfte so nicht weitergehen, glaubt er. Vestas strukturierte weltweit um und entließ 5000 von 22 800 Mitarbeitern

Trotz der quälenden Diskussion um das EEG sieht Vestas großes Potenzial in Deutschland. In vielen Bundesländern würden neue Flächen ausgewiesen. Vor allem im Schwachwindbereich gebe es große Nachfrage, erklärte Deutschland-Vertriebschef Andreas Eichler auf der Hannover Messe. 2012 konnte Vestas in Deutschland den Marktanteil von 21 % auf 24 % steigern. Eichler: "Wir wollen unsere Position weiter auszubauen."

Auch Nordex sieht Licht am Ende des Tunnels. Nachdem die Hamburger mit einem Rekordauftragseingang ins neue Jahr gestartet sind, rechnet Zeschky mit einer Fortsetzung der guten Entwicklung. Vor allem in Deutschland, Nordeuropa und Südafrika gebe es eine hohe Nachfrage. Für Deutschland prophezeit Zeschky gar einen "Mini-Boom", sollte es eine Einigung beim EEG geben. 2013 will Nordex schwarze Zahlen schreiben.

Neue Märkte wie Brasilien und Kanada beleben die Nachfrage

Marktführer Enercon blickt optimistisch auf 2013. Laut Vertriebsleiter Stefan Lütkemeyer brächten neue Märkte wie Brasilien und Kanada zusätzlichen Schub. Frankreich, Österreich und die Türkei liefen gut. Das kompensiere die Nachfrageschwäche in Spanien. Zudem expandieren die Ostfriesen nach Asien und setzen auf Japan sowie Taiwan.

Für Deutschland ist Lütkemeyer verhalten optimistisch. Er erwartet zahlreiche neue Projekte in Süddeutschland wie in Bayern und Baden-Württemberg. Lütkemeyer hofft auf langfristig verlässliche Rahmenbedingungen. "Uns nützt ein Strohfeuer nichts." 2012 war für Enercon "das bislang beste Installationsjahr der Firmengeschichte", freut sich Lütkemeyer. Weltweit wurden 1647 Anlagen mit einer Gesamtleistung von mehr als 3500 MW errichtet, davon 1300 MW in Deutschland. Dennoch ging der Marktanteil im wichtigen Heimatmarkt von 59 % auf knapp 57 % zurück.

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Von Notker Blechner/Stephan W. Eder | Präsentiert von VDI Logo
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