17.12.2013, 12:04 Uhr | 0 |

Bislang größter Auftrag Siemens baut in Iowa Windpark mit einem Gigawatt Leistung

Siemens hat den weltweit bislang größten Auftrag für einen Windpark an Land ergattert. Bis 2015 wird der Münchner Technologiekonzern in Iowa für den US-Energieversorger MidAmerican 448 Windkraftanlagen mit einer Gesamtleistung von 1050 Megawatt installieren. Das Megaprojekt ist wohl mehr als eine Milliarde Dollar schwer.

Rotorblätter
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Für die 448 Windenergieanlagen, die der US-Energieversorger MidAmerican bestellt hat, wird Siemens insgesamt 1344 Rotorblätter an fünf Projekte im Bundesstaat liefern. Aneinandergereiht würden die 53 Meter langen Rotorblätter über eine Strecke von 71 km reichen – das entspricht der Entfernung zwischen München und Ingolstadt.

Foto: Siemens

Und die Firma aus München ist auch mächtig stolz darauf: „Siemens ist bei der Offshore-Windenergie weltweit führend. Aber auch bei der Windenergie an Land sind wir sehr gut positioniert. Allein in Europa und Afrika haben wir im vergangenen Geschäftsjahr mehr als ein Gigawatt erfolgreich installiert. Der neue Großauftrag von MidAmerican unterstreicht zudem, dass wir zu den führenden Lieferanten im wichtigen US-amerikanischen Windenergiemarkt zählen“, sagte Markus Tacke, Chef der Siemens-Windkraftsparte.

Rotorblätter machten Probleme

Es sind Windturbinen mit einer Leistung von 2,3 Megawatt und einem Rotordurchmesser von 108 Meter, die Siemens in fünf Projekten im US-Bundesstaat Iowa aufstellt. Siemens setzt dabei auf die Rotorblätter des Typs SWT-2,3-108. Genau mit einem Rotorblatt dieses Typs gab es im Frühsommer Ärger: Da löste sich ein solches gut zehn Tonnen schweres Rotorblatt in einem von Siemens bestückten Windpark in der Kalifornischen Wüste und krachte 50 Meter entfernt auf eine Straße. Auch in einem Park von MidAmerican in Iowa gab es Probleme mit einem solchen Rotorblatt. „Die Rotorblätter stammten aus einer fehlerhaften Charge“, sagte eine Siemens-Sprecherin. „Wir haben umfassende Analysen durchgeführt. Es gibt keinen Hinweis, dass ein Serienfehler vorliegen könnte.“ Siemens wertet den MidAmerican-Auftrag für Iowa deshalb als Vertrauensbeweis.

Iowa setzt voll auf Windstrom

Iowa ist einer der führenden US-Bundesstaaten im Bereich der Windenergie. Im vergangenen Jahr wurde dort rund ein Viertel des gesamten Stroms aus Wind erzeugt. Die USA setzen offenbar trotz ihrer vehementen Schiefergas-Förderung – das ist das umstrittene Fracking – auf die Kraft des Windes. Ende vergangenen Jahres waren in den USA Windräder mit einer Kapazität von rund 60 Gigawatt am Netz, allein 2012 kamen Anlagen mit einer Leistung von etwa 13 Gigawatt hinzu.

„Anders als von vielen Skeptikern befürchtet, wird die Schiefergas-Revolution den Ausbau der erneuerbaren Energien in den USA nicht dämpfen“, sagt Markus Tacke. „In einigen Regionen sind die Wetterbedingungen so günstig, dass Windstrom schon heute mit konventionellen Arten der Energieerzeugung konkurrieren kann. Wind und Gas ergänzen sich perfekt. In den nächsten Jahren erwarten wir in beiden Bereichen ein starkes Wachstum.“

Seit 2008 hat Siemens schon 1,2 Gigawatt für MidAmerican installiert

MidAmerican und Siemens arbeiten bei der Windenergie schon länger zusammen. Insgesamt hat Siemens seit 2008 für MidAmerican bereits 1,2 Gigawatt an Windleistung installiert. Unter anderem das Windkraftwerk Eclipse, welches aus 87 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 200,1 Megawatt besteht und das mehr als doppelt so große  Windkraftwerk Rolling Hills: Das sind 193 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 443,9 Megawatt.

Der jetzt geschnürte Deal umfasst die Errichtung von fünf Windkraftwerken im Windland Iowa: Der größte ist das Werk Highland mit einer Gesamtleistung von 500 Megawatt, dem folgt Lundgren mit 250 Megawatt, dann kommen Wellsburg mit 138,5 Megawatt und Macksburg mit 117 Megawatt. Schlusslicht in dieser Reihung ist das Windkraftwerk Vienna II mit 44 Megawatt Gesamtleistung.

Siemens wickelt diesen Mega-Auftrag im Prinzip komplett in Amerika ab. Die Maschinenhäuser und die Naben für die Windturbinen werden im Siemens-Werk in Hutchinson im US-Bundesstaat Kansas hergestellt, die Rotorblätter wird Siemens in Fort Madison in Iowa – also vor Ort – fertigen. Erst vor einem Jahr hatte der Konzern an diesen beiden Standorten wegen ausbleibender Aufträge rund 600 Arbeitsplätze gestrichen. „Inzwischen konnten wir jedoch einen Großteil der Mitarbeiter dort wieder einstellen“, sagte Tacke. Durch den Mega-Auftrag von MidAmerican sei die Produktion für zehn Monate ausgelastet.

Aneinandergereiht ergeben Rotorblätter eine Strecke von 71 Kilometer

Es ist auch eine Menge Material, welches Siemens dort für MidAmerican verbaut. Reiht man all die gut 53 Meter langen Rotorblätter der Windmühlen aneinander, gibt das eine Strecke von 71 Kilometer. Das entspricht der Entfernung zwischen München und Ingolstadt. Und schwer sind die Teile: Ein einziges dieser Rotorblätter wiegt etwa zehn Tonnen. Siemens ist im Windgeschäft inzwischen so etwas wie ein Trendsetter. Seit 2010 stellt das Unternehmen die Maschinenhäuser der Windturbinen mit einer Leistung von 2,3 Megawatt in Fließfertigung her – als erster in der Windbranche. Die Montagezeit pro Maschinenhaus konnte so von 36 Stunden auf 15 Stunden mehr als halbiert werden.

660.000 Haushalte können ab 2015 mit Grünstrom versorgt werden

Die 448 Windkraftanlagen in Iowa können nach der Fertigstellung etwa 320.000 Haushalte mit grünem Strom versorgen. Nach Abschluss aller Windprojekte für MidAmerican sollen 2015 mehr als 660.000 amerikanische Haushalte mit sauberer Energie versorgt werden. Es stehen dann 2,2 Gigawatt Grünstrom für Iowa bereit.

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Von Detlef Stoller
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