15.09.2014, 06:54 Uhr | 0 |

Windkraft für Jedermann Die eigene kleine Windturbine auf dem Hausdach liefert Strom

Im windreichen Niedersachsen hat ein junges Unternehmen die erste Mikrowindturbine für Privathaushalte entwickelt. „SkyWind NG“ ist kompakt gebaut, kann auf dem Hausdach installiert werden und kostet rund 3000 Euro. Der erzeugte Strom wird sofort verwendet oder gespeichert.

Das Mini-Windrad SkyWind NG
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Das Mini-Windrad SkyWind NG wiegt nur 600 Gramm und soll fast lautlos Strom auf dem privaten Hausdach produzieren.

Foto: Skywind

Dass es auf deutschen Hausdächern neben den bereits vielfach installierten Solarpanelen bald auch kleine Windräder geben wird, ist eine einigermaßen realistische Vorstellung. Bei schönem Wetter kommt der Strom von der Sonne, ist der Himmel bedeckt, übernimmt die Mikrowindturbine die Stromerzeugung. Ein Schritt in Richtung privater Autarkie in Sachen Energie. Das Start-up-Unternehmen FuSystems Sky Wind aus dem niedersächsischen Langenhagen liefert dafür jetzt ein Mikrowindrad, das auch für den Privathaushalt erschwinglich ist.

Das Windrad kann auf fast jedem Dach installiert werden

Das Mikrowindrad SkyWind NG ist nur 1,5 Meter groß und könne praktisch auf jedem Dach schall- und vibrationsentkoppelt mit Standardhalterungen montiert werden, teilt das Unternehmen mit. Weder würden Fundamente oder Kranwagen für die Installation benötigt. Auch eine spezielle Genehmigung sei nicht erforderlich.

Der Preis für eine einzelne Anlage belaufe sich auf rund 2500 bis 3000 Euro, inklusive Montage. Die Nennleistung beträgt 1 Kilowatt. Wie schnell sich die Anlage amortisiert hat, hängt natürlich von den vor Ort herrschenden Windbedingungen und dem Strompreis ab. Nach etwa zehn bis 13 Jahren sei das Windrad aber abbezahlt.

Bei der Entwicklung hat Erfinder Fritz Unger darauf geachtet, dass die Lärmbelastung so gering wie möglich ist und auch die Sonne vom Rotor nicht unangenehm reflektiert wird. Der Rotor selbst hat deshalb eine ungewöhnliche Form und ist aus hoch belastbarem Luftfahrtaluminium gefertigt. Der Rotor wiegt lediglich 600 Gramm und soll nach Angaben des Unternehmens fast keine Geräusche entfalten. Auch einen unangenehmen Drehschatten soll der Rotor nicht erzeugen. „Unsere Wohngebietstauglichkeit haben wir durch den TÜV-Nord mit einem umfangreichen Gutachten bestätigen lassen“, so Unger.

Zurzeit wird die Mikrowindturbine auf einem Windtestfeld für Binnenlandkraftwerke vermessen und seine Leistung nach den Standards der großen Windkraftanlagen zertifiziert. Als besonders interessant erweist sich das private Windrad, wenn es Teil einer umfassenderen Lösung wird.

Das sieht dann so aus, dass die Solaranlage auf dem Dach bei Sonnenschein den Strom liefert, beziehungsweise die erzeugte Energie in einem Akku speichert. Weil der Wind fast immer genau dann weht, wenn die Solaranlage schwächelt, ist die kleine Windturbine auf dem Dach die perfekte Ergänzung. Der mit ihr erzeugte Strom kann dann ebenfalls gespeichert oder aber direkt verbraucht werden.

Windturbine liefert den Strom für die „Sonnenbatterie“ bei schlechtem Wetter

Fritz Unger, einer der Mitbegründer von FuSystems SkyWind, hat schon als 19-jähriger Abiturient die ersten Mini-Windräder gebaut. Das war vor vier Jahren. Damals hatte sich auch die Caravan-Branche für die praktische Erfindung interessiert. Ein transportables Windrad, das dem Camper unterwegs und fast überall sauberen Strom liefert, schien perfekt.

Inzwischen hat der Jungunternehmer bereits die zweite Firma gegründet und will mit seiner patentierten Mikrowindkraftanlage SkyWind NG noch größer in den Markt mit erneuerbarer Energie einstiegen.

Bei steigenden Strompreisen einerseits und interessanten (allerdings immer noch teuren) Speicherlösungen wie der „Sonnenbatterie“ andererseits, könnte die Rechnung mit der privaten Windturbine aufgehen. An sonnigen Tagen verteilt die Sonnenbatterie den Sonnenstrom mittels Funksteckdosen an weitere Stromverbraucher im Haus, wie Geschirrspülmaschine oder Wäschetrockner.

Wenn der Akku allerdings bei Schlechtwetter oder im Winter über längere Zeit keine Energie erhält, erschöpft er schnell. Hier würde dann die Windenergie einspringen und den Speicherstrom liefern.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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