27.11.2014, 10:38 Uhr | 0 |

5 Liter pro Duschgang Weltraumdusche aus Schweden spart irdische Ressourcen

Eine Dusche, die einen Bruchteil des normalerweise benötigten Wassers verbraucht, Energie spart und dabei mindestens genauso hygienisch ist wie eine Standard-Dusche? Ja, das geht. Der schwedische Designer Mehrdad Mahdjoubi kann mit fünf Liter Wasser zehn Minuten duschen, in Zukunft wahrscheinlich stundenlang. 

Klassische Dusche in einem Schwimmbad
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Klassische Dusche in einem Schwimmbad: Sie ist an das Frisch- und Abwassersystem angebunden und verbraucht in der Saison Unmengen Wasser. Die Ökoduschen im Ribersborg-Strandbad von Malmö haben hingegen schon sechs Millionen Liter Wasser eingespart. 

Foto: Paul Zinken/dpa

Mit seiner Firma Orbital Systems hat Mehrdad Mahdjoubi eine Dusche entwickelt, die das Wasser, das aus dem Duschkopf über den Körper des Benutzers strömt, auffängt, direkt filtert und mit Trinkwasserqualität wieder in den Kreislauf schickt. 

Das geht so schnell, dass für eine Zehn-Minuten-Dusche gerade einmal fünf Liter Wasser benötigt werden – im Gegensatz zu regulären Duschen, die ausschließlich an den Frisch- und Abwasserkreislauf angebunden sind. Erst am Ende des Duschbads wird das benutzte Wasser den normalen Abfluss hinabgeschickt. 

Der Filtervorgang ist nicht nur schnell, sondern auch effektiv: Wie unabhängige Labore in Schweden bestätigt haben, filtert das von Mahdjoubi verwendete System giftige Bakterienrückstände, Mikropartikel, DNA und Ähnliches zu nahezu 100 Prozent heraus – das Wasser ist damit reiner als die Trinkwasserbestimmung fordert. Das Filtermodul selbst lasse sich leicht auswechseln und recyceln, so der Erfinder.  

Nutzung von Restwärme spart Energie

Da der Kreislauf des Wassers so kurz ist, kann zudem die Restwärme genutzt werden und das Duschwasser energiesparend auf die gewünschte, per Display präzise einstellbare Temperatur gebracht werden. Auf diese Weise spart die Dusche nicht nur Wasser, sondern auch Energie. Bis zu 80 Prozent, erklärt der Erfinder. 

Im Prinzip könnte man mit diesem System stundenlang mit den erwähnten fünf Litern Wasser auskommen – ein ähnliches Prinzip greift zum Beispiel auch auf der Weltraumstation ISS, wo jeder einzelne Tropfen Wasser recycelt werden muss. Auf der Erde ist es zwar noch nicht ganz so weit; trotzdem vertritt Mehrdad Mahdjoubi den Standpunkt, dass die Menschen so schnell wie möglich mit dem Sparen von Ressourcen anfangen sollten. 

Umwelt und Geldbeutel werden gleichermaßen geschont

Schließlich macht es sich auch bezahlt: Feststellbar ist dies nicht zuletzt im Hotel Mäster Johan in Malmö, das die Recycling-Duschen derzeit testet. In Hotels würden Menschen oft besonders lange duschen – das Wasser und die Energie, die sie dabei verbrauchen, gehen schließlich nicht auf ihre Kosten. 

Mit der Ökodusche lassen sich daher bis zu 1000 Euro pro Zimmer und Jahr einsparen, so Orbital Systems: Nach zwei Jahren hätten sich die Kosten für die Dusche somit amortisiert. Der Werbeeffekt, eine ökologische und nachhaltige Lösung gefunden zu haben, die trotzdem weder Hygiene noch Komfort einschränke, sei ebenfalls wertvoll, ist Hoteldirektorin Ulrika Andersson überzeugt. 

Härtetest im Strandbad von Malmö

Einen wahren Härtetest machen die beiden Ökoduschen im Ribersborg-Strandbad von Malmö durch, das zwei Anlagen testweise installiert hat. Hier muss das Filtersystem gegen Algen und Salzwasser antreten, die die Besucher – 170.000 pro Jahr – auf der Suche nach einer langen, warmen Dusche anschleppen. 

Rund zehn Stunden pro Tag laufen die Duschen in der Hochsaison – da kommt schon einiges zusammen. Bisher machen sich die Systeme gut und sparen knapp sechs Millionen Liter Frischwasser, 180.000 Kilowattstunden Strom und jede Menge Geld. Von rund 41.000 Euro im Jahr ist die Rede. 

Skapa Innovation Award 2014

Das System hat auch die Jury des Skapa Innovation Awards überzeugt, die Mahdjoubi als Gewinner des Jahres 2014 kürte. Der Wettbewerb wird von einer 1985 in Gedenken an Alfred Nobel gegründeten Stiftung veranstaltet. Mehrdad Mahdjoubi habe ein System entwickelt, das den Wasser- und Energieverbrauch dramatisch reduziere, sagte Stiftungspräsident Mats Olsson bei der Preisverleihung. 

Erst kürzlich hat die Umweltschutzorganisation WWF übrigens mit einer Studie darauf aufmerksam gemacht, dass globaler Wassermangel deutsche Unternehmen austrocknen könnte

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Von Judith Bexten
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