29.07.2014, 08:32 Uhr | 0 |

Lebensqualität für Streuner Automat in Istanbul tauscht Plastikflaschen gegen Hundefutter

In Istanbul sind streunende Hunde ein Riesenproblem. Ständig suchen sie etwas Essbares. Nun sollen spezielle Automaten Abhilfe schaffen: Sobald jemand eine recycelbare Plastikflasche hineinwirft, spuckt die Maschine eine Portion Hundefutter und Wasser aus. 

Herrenlose Hunde und Katzen pilgern angeblich schon in Scharen zu den Automaten
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Herrenlose Hunde und Katzen pilgern angeblich schon in Scharen zu den Automaten. Und für die Passanten bedeutet die Flaschenabgabe kein Verlust. In der Türkei gibt es nämlich keinen Flaschenpfand. 

Foto: Pugedon/Screenshot

Sie lungern vor den Moscheen, genauso vor dem Teppichhändler oder vor der Teestube: Herrenlose Hunde gehören in der türkischen Metropole Istanbul zum Straßenbild. Schätzungen zufolge leben dort 150.000 streunende Hunde. Und dann kommen noch Abertausende Katzen hinzu. Die Vierbeiner schlagen sich mehr schlecht als recht durch. Etliche sind krank und abgemagert. Jetzt könnte ihr Leben ein wenig leichter werden. In der 13-Millionen-Stadt wurden spezielle Automaten aufgestellt, mit denen tierliebe Menschen den Vierbeinern helfen können.

Für jede PET-Flasche gibt es Futter und Wasser

Die Bedienung der Automaten ist kinderleicht. Falls die mitgebrachten Flaschen nicht ganz leer sind, kann man die Flüssigkeit in einen eingebauten Trichter füllen. Die leere Flasche legt man dann in den Automaten – so wie bei Recyclingautomaten in deutschen Supermärkten. Statt eines Bons spuckt das Gerät aber unten die trockene Tiernahrung und das Trinkwasser aus. Streunende Vierbeiner können das dann fressen. Gleichzeitig können Bürger auch etwas für die Umwelt tun, indem sie herumliegende PET-Flaschen aufsammeln und hineinwerfen. Ein Verlust ist die Flaschenabgabe nicht, in der Türkei gibt es keinen Flaschenpfand. 

Das Projekt nennt sich Pugedon. Eine türkische Firma, die unter anderem Hochdruck-Dampfkessel und Tanks herstellt, hat es entwickelt. Für die Stadt entstehen keine Kosten. Und die Einnahmen durch die eingeworfenen Flaschen decken die Ausgaben für die Tiernahrung.

Die herrenlosen Tiere haben sich offenbar schnell an diese neuen Fressstellen gewöhnt und kommen scharenweise dorthin. Das macht es auch den Behörden leichter, sogenannte Catch-Care-Release-Maßnahmen durchführen: Sie fangen die Hunde ein, versorgen sie medizinisch, kastrieren sie und lassen sie dann wieder frei.

Der Türkei fehlt eine Strategie für Umgang mit Straßentieren 

Doch das ist nur eine kleine Maßnahme, um das Streunerproblem in den Griff zu bekommen. Denn bisher ist es der Türkei nicht gelungen, eine effektive Strategie zu entwickeln, wie Straßentiere würdig überleben könnten, kritisieren Tierschützer. Die Gruppe Animal Protection Group mit Sitz in Bitterfeld beispielsweise stellt fest: „Kommunalverwaltungen haben keine Tierheime und setzen die Straßentiere in den Wäldern und unbewohnte Gebieten um Istanbul herum aus.“ Dort verhungern viele der Vierbeiner. Aus Sicht von Tierschützern fehlt auch ein sinnvolles Konzept zur Geburtenkontrolle. 

Ähnliche Probleme gibt es aber auch in Ländern wie Bulgarien, Rumänien und Ungarn. Das Bewusstsein für den Tierschutz ist dort noch nicht sehr ausgereift. Aus Angst vor Krankheiten und Hundebissen werden die Tiere oftmals geschlagen und getötet.

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Von Lisa von Prondzinski
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