14.07.2015, 11:03 Uhr | 0 |

Premiere im Werk Gent Arcelor Mittal produziert künftig Biotreibstoffe aus Abfallgasen

Nachts stehen sie leuchtend über den Stahlwerken, mächtige Feuersäulen, die an der Spitze von Schornsteinen brennen. Kohlenstoffmonoxyd wird dort abgefackelt, das bei der Stahlproduktion anfällt und bisher nicht genutzt wird, sondern die Umwelt belastet. Der größte Stahlkonzern der Welt, Arcelor Mittal, will künftig in seinem Stahlwerk in Gent das Kohlenmonoxyd zu Biotreibstoff verarbeiten.

Stahlwerk von Arcelor Mittal
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Stahlwerk von Arcelor Mittal: Der weltgrößte Stahlkonzern will das Kohlenstoffmonoxyd, das bislang abgefackelt wird, zu Biokraftstoffen weiterverarbeiten. Die erste Anlage dieser Art in Europa wird im belgischen Werk Gent installiert.

Foto: Arcelor Mittal

Arcelor Mittal investiert im belgischen Stahlwerk Gent 87 Mio. € in eine neue Technik, mit der Kohlenmonoxyd zu Biotreibstoff verarbeitet werden kann. Das ist die erste großtechnische Anwendung dieser Technik, die sich bisher in Pilotanlagen vor allem in China bewährt hat. Wenn alles gut geht, wird Arcelor Mittal diese Anlagen auch in seinen deutschen Stahlwerken installieren.

Das Verfahren baut auf der Gas-Fermentierung auf

Das von Arcelor Mittal genutzte Verfahren ist in Neuseeland vom Unternehmen LanzaTech entwickelt worden. 2012 hatte LanzaTech als weltweit erstes Unternehmen die Gasfermentierung zur vorkommerziellen Einsatzreife gebracht. Seitdem arbeitet LanzaTech mit Siemens zusammen, um das Verfahren großtechnisch einzusetzen. Und genau das passiert nun in Gent.

Das bei der Stahlproduktion anfallende Kohlenstoffmonoxyd wird in der Anlage von LanzaTech fermentiert. Dies geschieht durch Mikroben. In der Natur geschieht Ähnliches nahe manchen Vulkanen, wo aus Erdspalten Gase austreten, in denen Mikroben existieren. Während in der Natur die häufig vorkommende Fermentierung meist auf der Basis von Zucker geschieht, wird bei dem Verfahren von LanzaTech Kohlenstoffmonoxyd als Ausgangsstoff der Fermentierung eingesetzt. Daraus entsteht schließlich Bioethanol, das Treibstoffen beigemischt wird.

Durchschnittlich entstehen 1,8 t Kohlendioxid bei der Produktion einer Tonne Stahl. Bisher werden diese Abgase abgefackelt oder zur werksinternen Erzeugung von Prozesswärme und elektrischer Energie genutzt.

Arcelor Mittal rechnet damit, dass allein im Werk Gent 47.000 t Bioethanol im Jahr produziert werden können. Würden alle europäischen Werke mit der neuen Technik ausgerüstet, könnte Arcelor Mittal nach eigenen Angaben rund 500.000 t Ethanol pro Jahr erzeugen, das würde 10 % des europäischen Bioethanolbedarfs decken.

Mit dem Bau der Anlage in Gent will Arcelor noch in diesem Jahr beginnen, die Bioethanol-Produktion könnte Mitte 2017 starten. In der ersten Phase kann Anlage 16.000 t Ethanol produzieren, die Kapazität wird 2018 die angepeilte Kapazität von 47.000 t pro Jahr erreichen.

Bislang mehrere Probleanlagen in China

Die Entwicklungskosten des LanzaTech-Verfahrens liegen bei rund 185 Mio. €, die zum großen Teil von dem Wagnisfinanzier Vinod Khosla aus dem Silicon Valley in den USA stammen. Erfolgreich erprobt wurde das Verfahren in mehreren Pilotanlagen in der chinesischen Stahlindustrie, so auch vom chinesischen Branchenführer Baosteel in deren Werk nahe Shanghai.

Ähnlich wie Arcelor Mittal hat inzwischen auch der chinesische Stahlkonzern China Steel die Nutzungsrechte für das LanzaTech-Verfahren erworben. Die jetzt von Arcelor Mittal für Gent beschlossene Anlage hat immerhin die dreißigfache Kapazität der chinesischen Pilotanlagen. Zu den Baukosten dieser Anlage steuert die EU 10 Mio. € bei. 

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Von Peter Odrich
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