05.04.2013, 16:59 Uhr | 0 |

Solar Photovoltaik plus Stromspeicher gilt als Königsweg aus der Krise

Die Photovoltaik, weltweit vorangetrieben durch die Einspeisevergütung nach deutschem Muster, steckt in einer Wachstumskrise. Eine Technologie-Roadmap und die Stromspeicherung als Zusatznutzen sollen den Markt aus dem Tal führen.

Solaranlage
Á

Geht es mit der Photovoltaik-Branche wieder voran? Branchenkenner sehen hoffnungsvolle Zeichen.

Foto: dpa

Mittlerweile umfasst die solare Stromerzeugung ein jährliches Handelsvolumen von 100 Mrd. $. Das aktuelle Problem besteht im massiven Angebotsüberhang: Einer Fertigungskapazität von weltweit 60 GW Nennleistung stand 2012 eine Nachfrage von nur 30 GW gegenüber. Entsprechend stark ist der Preisdruck auf die Anbieter, mit Konsolidierungen und Insolvenzen, besonders im bislang führenden deutschen Markt. Neue Billiganbieter und politische Bremsmanöver bei den Einspeisetarifen haben ein Drittel des deutschen Fertigungsvolumens wegbrechen lassen oder nach Asien, vor allem China, verschoben.

Doch die Branche sieht hoffnungsvolle Zeichen: "2013 dürfte besser werden", sagt Stefan de Haan vom Marktforscher IHS Solar, "aber noch keine gesunde Situation bringen." Immerhin sollen sich in diesem Jahr die Modulpreise "stabilisieren". Zweistellige Wachstumsraten "wird es aber nie mehr geben".

In gewisser Weise wird die Photovoltaikindustrie also von ihrem eigenen Erfolg gejagt. Weltweit sind bisher Module mit insgesamt etwa 110 GW Leistung ausgeliefert worden. Das aus der Chipindustrie entlehnte Lernkurvenmodell hat Anfang 2013 zu einem mittleren Modulpreispunkt von 0,69 $/W geführt. Das entspricht einer Degression von je 21 % bei Verdoppelung der kumulativen Auslieferung. Vor drei Jahren lag der Preis für die Module noch bei 1,87 $/W. Ergebnis: Die Industrie ist mit der absurden Situation konfrontiert, dass der Preis der Module unter den aktuellen Fertigungskosten liegt.

Und die Degression geht natürlich weiter. Um 2015 werden Modulpreise um 0,50 $/W erwartet. "Für Massenmärkte", so de Haan, "heißt das harter Wettbewerb." Noch verschärft durch die Anforderungen an "local content" in den neuen, kleineren Exportmärkten Indien, Indonesien und Afrika. Wegen unzureichender Stromversorgungsnetze gelten sie als die kommenden Hauptabnehmer für die Photovoltaik.

Drei Ansätze, das wurde auf dem 7. PV Fab Managers Forum des Halbleiterverbandes Semi PV Group Mitte März in Berlin deutlich, könnten die Industrie aus ihrem winterlichen Stimmungstief führen: erstens ein von Semi angestrebter weltweiter Handelspakt nach dem Muster des World Semiconductor Council (WSC). Dem sollen die Industrieverbände der Anbieter- und Abnehmerländer beitreten und für faire Praktiken sorgen. Ein von Semi publiziertes White Paper ("Global War and Peace") gibt die Richtung vor.

Zweitens: die Weiterentwicklung der kristallinen Siliziumphotovoltaik mit genau dosierten inkrementellen Verbesserungen: effizienter Materialeinsatz sowie bessere Zellen- und Modulwirkungsgrade "ohne signifikante Erhöhung der Fertigungskosten". Dazu präsentierte die Semi PV Group in Berlin ihre vierte "International Technology Roadmap for Photovoltaics". Sie prognostiziert die Technologiefortschritte bis 2023 für die gesamte Wertschöpfungskette, von den Silizium- und Waferlieferanten, den Zellen- und Modulherstellern bis hin zur Systemtechnik.

Der dritte Ansatz zur Belebung der Nachfrage, speziell in weit entwickelten Märkten wie Deutschland: die Einbeziehung der diversen Stromspeichertechnologien, aktuell vor allem von Lithium-Ionen-Batterien. So ließen sich einerseits die Stromnetze stabilisieren, andererseits wäre das eine Hedging-Strategie aufseiten der dezentralen Stromerzeuger. Hedging ist hier der vorgreifende Ausgleich von Preisfluktuationen, Steuerersparnissen etc. und deren Einbeziehung in die Anschaffungs- und Betriebskosten ihrer Anlagen.

"Die Speichertechnologien sind heute dort, wo die Photovoltaik vor sechs oder sieben Jahren war", konstatiert Markus Hoehner vom Marktforscher EuPD Research. Ihre Aussichten seien von Land zu Land verschieden – abhängig von den stark variierenden Endverbraucherpreisen und Einspeisetarifen. Das bedingt unterschiedliche "Opportunitätskosten" für den Eigenverbrauch versus Netzeinspeisung. "Auch die Endverbraucher werden das Hedging lernen", ist Hoehner sicher.

"Die größten Vorteile der Speicherung", so Hoehner, "entstehen in hochpreisigen Ländern wie Deutschland, Dänemark und England." Das schafft Anreize für die Verbraucher zu einer anderen Sicht auf die Solarstromerzeugung. "Wir haben den Punkt erreicht, an dem die Speicherung für Privathaushalte positive Ergebnisse zeigt." Einen wesentlichen Impuls für die Kombinationen aus Stromerzeugung und -speicherung erwartet Hoehner zur Intersolar 2013: "Wahrscheinlich ist das der Startschuss."  WERNER SCHULZ

Anzeige
Von Werner Schulz | Präsentiert von VDI Logo
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden