27.10.2015, 15:31 Uhr | 0 |

40.000 KWh Jahresertrag Deutsche Solarzellen versorgen Parlamentsgebäude in Belfast

Das Parlamentsgebäude in Belfast tankt neuerdings Sonnenenergie ­– mit den dünnsten Solarmodulen, die auf dem Markt erhältlich sind. Sie stammen vom deutschen Hersteller Calyxo, der eine effektive Alternative zum klassischen Silizium gefunden hat. Und: Man kann die Module auf dem historischen Gebäude nur aus der Vogelperspektive sehen. 

Solarmodule auf dem Dach des Belfaster Parlamentsgebäudes
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Solarmodule auf dem Dach des Belfaster Parlamentsgebäudes: Sie erreichen einen Jahresertrag von 40.000 kWh, was einer Stromkosteneinsparung von rund 9000 £ entspricht. 

Foto: Calyxo

Das historische Parlamentsgebäude in der nordirischen Hauptstadt Belfast ist ein Stück unabhängiger vom Stromnetz geworden: Das irische Unternehmen Beacon Renewable Energy hat eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach installiert. Sie besteht aus 339 Dünnschicht-Solarmodulen des deutschen Herstellers Calyxo aus Bitterfeld-Wolfen in Sachsen-Anhalt, die sich laut Calyxo perfekt eignen für die nordirischen Klimabedingungen mit oft schwachen Lichtverhältnissen und Wolken.

Gemeinsam mit 71 zusätzlichen Standard-PV-Modulen erreicht die Anlage einen Jahresertrag von 40.000 kWh, was einer Stromkosteneinsparung von rund 9000 £ entspricht. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt verbraucht pro Jahr etwa 4000 kWh Strom.

Optik des historischen Gebäudes sollte sich möglichst wenig verändern

Die Optik des historischen denkmalgeschützten Gebäudes sollte sich durch die Montage der Solarmodule möglichst wenig verändern. „Bei der Installation kamen sehr dünne Solarmodule zum Einsatz“, erklärt Beacon-Manager Peter McFetridge. Es sind angeblich die dünnsten Solarmodule, die auf dem Markt erhältlich sind. „Diese sind nicht sichtbar, sofern man nicht das Dach des Parlaments begeht oder überfliegt.“

Stellt sich die Frage: Ist das in diesem Fall wirklich so besonders? Schließlich müssten liegende Module auf einem Flachdach schon ziemlich dick sein, damit man sie vom Boden aus sieht. Trevor Reaney, Vorsitzender des nordirischen Parlaments, jedenfalls scheint zufrieden: „Wir waren sehr erfreut, diesen wichtigen Aspekt der Renovierung und Sanierung des Daches des Parlamentsgebäudes umzusetzen. Es war unsere Aufgabe, alles dafür zu tun, um das denkmalgeschützte Gebäude jetzt und für die Zukunft zu erhalten.“

Solarmodule von Calyxo sollen über 15 % Wirkungsgrad erreichen

Calyxo produziert die Solarmodule im sogenannten Solar Valley – ein Industriegebiet im Ortsteil Thalheim. Dort befand sich auch das Produktionswerk von Hanwha Q-Cells. Der Photovoltaikhersteller musste die Solarzellen-Produktion in Deutschland jedoch vor kurzem aufgeben, zu stark war der Preisdruck aus China.

Dass sich Calyxo immer noch am Markt behaupten kann, liegt an der sogenannten Cadmiumtellurit-Dünnschichtechnologie. Cadmium ist ein Abfallprodukt aus der Minenindustrie. Calyxo veredelt es mit Tellur zu einem wasserunlöslichen Halbleiter. Das Cadmiumtellurid ist zwischen zwei Glasscheiben eingebunden, um zuverlässig über Jahrzehnte Strom erzeugen zu können. Laut Calyxo sind die Cadmiumtellurid-Module günstiger als Solarmodule, die auf Siliziumkristallen beruhen, aber genauso effektiv. Zukünftig sollen Wirkungsgrade von über 15 % möglich sein.

Zur Verdeutlichung der Nachhaltigkeit stellt das Unternehmen noch einen interessanten Vergleich an: Ein Kubikmeter Cadmiumtellurid reicht für 330.000 Module, die während ihrer Lebenszeit 520 GWh Elektrizität erzeugen können. Um die gleiche Menge beispielsweise mit Erdgasverstromung zu gewinnen, wären 80.000 m3 Erdgas notwendig. 

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Von Patrick Schroeder
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