30.12.2015, 15:31 Uhr | 0 |

TEST GESCHEITERT Transport-Roboter AlphaDog zu laut für US Marines

Das war wohl eine teure Pleite: Wie ein Lastesel sollte der Roboter AlphaDog US-Elitesoldaten im Einsatz folgen. Doch in ausführlichen Tests zeigte sich, dass er entweder viel zu wenig tragen kann oder viel zu viel Krach macht.

Laufender Roboter AlphaDog von Boston Dynamics
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Laufender Roboter AlphaDog von Boston Dynamics: Der Transport-Muli ist zwar nicht so leicht umzuwerfen, für militärische Einsätze aber viel zu laut.

Foto: Boston Dynamics

Ein Video der US Marines zeigt es deutlich: Gegen den AlphaDog ist ein Benzin-Rasenmäher wirklich ein sanft säuselndes Gerät. Wenn man dem Feind unbedingt ein leichtes Ziel bieten will, dann nimmt man den mit in die Schlacht. Aber nur dann …

Das Seltsame daran ist, dass dieser Militärroboter der Google-Tochter Boston Dynamics von Anfang an Höllenlärm gemacht hat. Aber erst nach mehr als zwei Jahren Praxistest scheint nach einem Bericht von military.com auch der US Armee klar zu sein: Für den Krieg ist das blöd.

Nach dem Bericht des Fachportals hat das Militär den Versuch nun beendet und plant auch keine weiteren. Umgerechnet rund 35 Millionen € soll die Armee Boston Dynamics für die Entwicklungsarbeit überwiesen haben.

Leiseres Modell ist nicht autonom

Die Experten haben sich ja auch viel von dem Roboter versprochen: Bis zu 180 kg Last sollte er tragen können und dabei ganz automatisch dem Herrchen folgen, auf das er vorher geprägt, also programmiert worden war. Steiles, matschiges oder steiniges Gelände sollte kein Problem sein. Das klappt wohl auch alles recht gut.

Abgesehen vom Lärm stellten die Soldaten aber auch fest, dass der Roboter im Einsatz schwer zu reparieren ist. Noch ein Totschlagargument – wenn der Begriff in diesem Zusammenhang erlaubt ist.

Der Hersteller hat zwar noch ein deutlich leiseres Modell im Angebot, aber das hat wiederum den Nachteil, dass es nicht einmal ein Zehntel des Gewichts tragen kann. Dennoch wurde er von Soldaten 2014 auf Hawaii und 2015 in den Wäldern Virginias ausgiebig getestet. Ergebnis: Er taugt allenfalls als Basis für weitere Entwicklungen, weil er nicht autonom ist, sondern permanent von einem Menschen gesteuert werden muss.

28 Grade an Freiheit

Natürlich haben fortschrittliche Militärs längst Roboter im Einsatz. Sie dienen als Spürhunde, dringen in enge Gänge vor oder erkunden als unbemannte Flugobjekte feindliches Gebiet. Einen treuen Begleiter, einen R2D2 wie in „Star Wars“, haben Soldaten allerdings bisher nicht.

Boston Dynamics hat aber durchaus solche elektronischen Kameraden in Arbeit. Einer davon heißt Atlas, sieht aus wie R2D2s Kollege C3PO ohne Haut und kann klettern oder Werkzeuge bedienen, die eigentlich für Menschen gemacht sind. Und er verfügt, hydraulisch gesteuert und irgendwie beneidenswert, laut Hersteller über „28 Grade an Freiheit“.

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Von Werner Grosch
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