02.06.2016, 12:58 Uhr | 0 |

Cogitai übernommen Sony setzt nach Roboterhund Aibo auf Künstliche Intelligenz

Technologie-Riesen wie Microsoft, Google, IBM und Amazon investieren derzeit massiv in raffinierte maschinelle Lernverfahren. Der japanische Elektronikkonzern Sony, der einst mit dem Roboterhund Aibo und dem Roboter Qrio zu den Pionieren der Künstlichen Intelligenz gehörte, will sich nun ebenfalls verstärkt auf diese Aufgabe konzentrieren.

Sonys Roboterhund Aibo
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So hat sich Sony bislang Künstliche Intelligenz vorgestellt: Der Roboterhund Aibo kann mit dem Ball spielen (l.) oder an einem künstlichen Knochen knabbern (r.).

Foto: Sony

Als Teil dieser neuen Strategie hat Sony in das kalifornische Start-up Cogitai investiert. Cogitai entwickelt Systeme, die aus gemachten Erfahrungen lernen können – „genau wie Kinder es machen“, sagt Cogitai-Entwicklungsleiter Satinder Singh. Bereits im kommenden Jahr könnte das erste Produkt aus dieser Verbindung auf den Markt kommen.

Beide Partner wollen intelligente Systeme schaffen, die aus ihren eigenen Erfahrungen lernen sollen. „Wir teilen die gleiche Vision. Die nächste Welle in der KI wird das kontinuierliche Lernen sein“, erläutert Singh, Mitgründer von Cogitai. Dahinter steht der Gedanke, dass die Intelligenz von Maschinen kontinuierlich wächst, indem sie mit der Welt zusammenwirken, ähnlich wie ein Kind lernt und sinnvolle Erfahrungen unserer Welt macht.

Cogitai wurde von drei amerikanischen Experten für künstliche Intelligenz gegründet und entwickelt Software mit Künstlicher Intelligenz, die große Datenmengen und auch das Internet auf der Suche nach Informationen durchforschen kann.

Sony will sich wieder auf Künstliche Intelligenz konzentrieren

Kontinuierliches Lernen bedeutet nicht nur clevere Geräte zu kreieren, die menschliche Präsenz empfinden, oder virtuelle Assistenten, die Menschen besser verstehen können. Vielmehr handelt es sich um eine Technik, die Maschinen in die Lage versetzt, sich aus sich heraus zu entwickeln und weiterzuentwickeln. „Alles baut darauf aus, was zuvor war“, erläutert Singh. „Es gibt kontrolliertes Deep Learning, um Objekte zu unterscheiden. Und dann gibt es das sogenannte Reinforcement Learning, denn KI muss in der Welt agieren und von den Folgen lernen.“

Während Cogitai keine Erfahrungen mit neuen Applikationen für diese Techniken hat, sieht Sony große Chancen mit den neuen Software-Komponenten Hardware zu verbessern. Denn Sony ist keineswegs ein Neuling im Bereich der Künstlichen Intelligenz. 1999 war der Konzern mit dem Roboterhund Aibo Vorreiter im Einsatz. Damals eröffnete der japanische Konzern sein Sony Intelligence Laboratory und die Sony Computer Science Laboratories mit Augenmerk auf KI-Forschung und Entwicklung.

Einsatz Künstlicher Intelligenz in Kameras und Streaming-Diensten

Auch wenn sich Sony dann zunächst aus der Robotik zurückzog, verfolgte der Konzern die Entwicklung von KI Technologien stets weiter. Derartige Anstrengungen gipfelten auch in der Xperia SmartAR, der Gesichtserkennung bei der Playstation, digitalen Kameras und jüngst auch dem Projekt N – einem tragbaren Gerät aus dem Sony Future Lab Program, das mit hochwertiger Spracherkennung und Audio-Signalverarbeitung arbeitet.

Aktuell denk Sony an den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Kameras, bei denen die Kamera aus den Kenntnissen des Fotografen lernt und schließlich eigene kreative Vorschläge zur Gestaltung der Fotos macht. Gleichzeitig denkt Sony daran, Video- und Musik-Streaming-Dienste auf diese Weise zu verbessern. Schließlich wird die Rückkehr in den Roboterbau erwogen. „Wir prüfen verschiedene Optionen, darunter Roboter“, sagte jetzt der Chef von Sony Computer Science Laboratories, Hioaki Kitano.Google 

An solchen Systemen versuchen sich viele IT-Konzerne.

Google zahlte 500 Mio. $ für Deepmind

Google investiert massiv in Künstliche Intelligenz und hat schon 2014 für eine halbe Milliarde $ Deepmind gekauft, ein Start-up, das Computern das Denken beibringen will. Google will die gigantische Datenmenge von täglich 3,3 Milliarden Suchanfragen zukünftig noch effektiver auswerten können.

Elon Musk hat das Thema ebenfalls für sich entdeckt und will eine Milliarde $ investieren, auch in die Frage, ob selbst denkende Maschinen nicht zu einer Bedrohung der Menschheit werden können.

Toshiba will den Besuchern der Olympischen Spiele in Tokio 2020 ein ganz direktes Erlebnis Künstlicher Intelligenz verschaffen. Das Unternehmen hat die Roboterdame Aiko Chihara entwickelt. Sie hat schon testweise Dienst in einem Kaufhaus geschoben und soll dann 2020 mehrsprachig als Gästebetreuerin arbeiten.

Microsoft musste Experiment mit Tay abbrechen 

Natürlich gibt es auch immer wieder Fehlschläge. So hat gerade erst Microsoft ein Experiment mit seinem Chat-Bot namens Tay nach nur 24 Stunden abgebrochen. Die Künstliche Intelligenz sollte mit jungen Leuten kommunizieren und sich deren Jargon aneignen. Das allerdings ging schief.

Facebook setzt Künstliche Intelligenz bereits ein, um zu erkennen, was ein Bild darstellt. Blinde können sich damit künftig Bilder vorlesen lassen. Aber natürlich profitiert auch Facebook davon zu wissen, wer und was auf geposteten Bildern gezeigt wird.

Deep Blue von IBM schlug 1996 erstmals einen Schachweltmeister

IBM hat schon in den 1990-er Jahren mit Deep Blue den erfolgreichsten Schachcomputer der Welt entwickelt, der 1996 erstmals den damals amtierenden Schachweltmeister Garri Kasparow schlug.

Deep Blue war damals noch ein tonnenschweres Ungetüm. Aber eben ein früher Vertreter der Künstlichen Intelligenz. Heutige Systeme können innerhalb von nur drei Tagen so viele Spiele und Erfahrungen auswerten, dass sie 98 Prozent der Schachspieler der Welt besiegen können.

Der große Pionier der Künstlichen Intelligenz, Marvin Minsky, ist im Januar im Alter von 88 Jahren gestorben. Hier lesen Sie mehr über den Urvater der Künstlichen Intelligenz.

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Von Peter Odrich & Axel Mörer-Funk
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