15.01.2016, 08:39 Uhr | 0 |

Roboter im Reaktor So sieht Fukushimas neue Putzkolonne aus

Auch knapp fünf Jahre nach dem Unglück im Kernkraftwerk von Fukushima stellen die Aufräumarbeiten die Betreiberfirma Tepco vor große Herausforderungen. Bald soll dort gleich eine ganze Familie neuer Roboter eingesetzt werden, die mit unterschiedlichen Spezialfähigkeiten an Orten arbeiten, die Menschen nicht betreten sollten. 

Neuer Roboter für Fukushima
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Einer der neuen Roboter wird getestet.

Foto: Tepco

Nahezu träge, fast unspektakulär wirkt das weiß-blaue Kettenfahrzeug, während es langsam eine Rampe hinaufrollt. Dabei zeigt das viereinhalb Minuten lange Video, das komplett ohne Audio-Kommentar daherkommt, doch die neuen „Arbeiter“, die im zweiten und dritten Stockwerk der verstrahlten Reaktorgebäude von Fukushima zumindest ein bisschen aufräumen sollen.

Ganze Roboterfamilie

Auf ihrer Facebook-Seite spricht die Betreiberfirma Tepco gleich von einer ganzen Roboter-Familie. Allerdings sind Roboter in dem havarierten Kernkraftwerk keine Neuheit. Im noch stärker verstrahlten Erdgeschoss ist bereits eine ganze Armada der unterschiedlichsten autonomen Maschinen im Einsatz – auf Ketten, Beinen oder auch schwimmend. Auf seiner Webseite gibt das Unternehmen Einblick in die verschiedenen Typen. 

epa04655954 A man is standing on basement of a house destroyed by tsunami at Ukedo in Namie, about five km north of tsunami-crippled Tokyo Electric Company's Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant (seen in right rear), Fukushima Prefecture, northern Japan, 10 March 2015, the eve of fourth anniversary of the March 11 earthquake and tsunami in 2011. Namie town, close to Fukushima Daiichi Nuclear Power Plant, had the largest number of such deaths at 359. The plant suffered a triple meltdown caused by the March 11, 2011 earthquake and tsunami that left about 18,500 dead. EPA/KIMIMASA MAYAMA +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Etwa fünf Kilometer entfernt vom Kernkraftwerk Fukushima bietet sich auch vier Jahre nach der Nuklearkatastrophe noch immer ein Bild der Verwüstung. 

Foto: Kimimasa Mayama/dpa

Eine der auf Ketten fahrenden Maschinen ist laut Tepco mit einem Hochdruckreiniger ausgestattet. Für den Transport von Trockeneis ist indes ein weiterer Robotor zuständig. Wo immer benötigt, zerlegt dieser die großen Blöcke in kleine Stücke und schleudert sie – zu Zwecken der Dekontaminierung – auf verstrahlte Flächen. Ein weiterer seiner „Kollegen“ verteilt starkes Scheuermittel, poliert und saugt den entstandenen Staub anschließend ab. Wie Tepco betont, sind alle Roboter derart wendig, dass sie sich auf der Fläche einer Münze um die eigene Achse drehen können.

Begleitet von Versorgungswagen 

Auch Bodenwellen oder Erhebungen sollen für die Maschinen keine großen Hindernisse sein. Die Roboter werden von mindestens einem Vorsorgungswagen begleitet: ein Kettenfahrzeug auf gelber Stahlbasis, das über eine Schlauchverbindung benötigte Chemikalien und weitere Stoffe zur Verfügung stellt.

Gesteuert werden die Roboter aus der Ferne von Mitarbeitern des Energieversorgungsunternehmens – mithilfe von Controllern, die denen von Spielekonsolen ähneln. Auffällig oft ist auf den Maschinen das Wort IRID zu lesen. Dahinter verbirgt sich das Internationale Forschungsinstitut für Reaktorstilllegung mit Sitz in Tokio, das die Roboter in Kooperation mit Firmen wie Hitachi, Toshiba oder auch Mitsubishi Heavy entwickelt hat.

Erst im vergangenen April sendete ein Roboter Fotos aus dem Inneren der Reaktor-Ruine nach draußen, zurück kehrte die Maschine aber nicht mehr, da sie sich offenbar verkeilt hatte. Ohnehin wäre das Gefährt nach dem Besuch im Reaktor für Menschen eine zu große Gefahr. Im Gebäude hatte der Roboter damals eine Strahlenbelastung von 9,7 Sievert pro Stunde gemessen. Bei einer solchen Belastung würde ein Mensch innerhalb einer Stunde sterben. 

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Von Jan-Martin Altgeld
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