11.09.2014, 14:58 Uhr | 0 |

Retter für Verschüttete Silikonroboter Softbot kriecht durch Flammen, Wasser und Eisstürme

Er geht unbeschadet durch Gasflammen und Eisstürme und lässt sich sogar von einem Auto überfahren: der Roboter Softbot, den Ingenieure der US-amerikanischen Universitäten Harvard und Cornell entwickelt haben. Das 65 Zentimeter große X in schweinchenrosa besteht aus Silikon und bewegt sich mithilfe eines Luftdruckantriebs.

In Tests schicken die Forscher Softbot durch 2700 Grad Celsius heiße Flammen
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In Tests schicken die Forscher Softbot durch 2700 Grad Celsius heiße Flammen. In Zukunft soll er beispielsweise in brennenden Häusern oder Flugzeugwracks nach Menschen suchen.

Foto: Cornell University

„Silikonroboter sind widerstandsfähig, sicherer für Menschen und noch dazu weniger teuer als klassische Metallroboter“, erklärt Michael Tolley von der Harvard Universität. Im Video zur Vorstellung ihres neuen Robotertyps gehen die Wissenschaftler nicht gerade zimperlich mit ihrer Silikonkreatur um.

Erst windet sich der 65 Zentimeter große Roboter wie ein auf dem Rücken liegender Käfer im Schnee, dann wird er im Feuer gegrillt und muss ins Wasser, um schließlich vom Auto überfahren zu werden. Nett geht anders, muss aber sein, um zu demonstrieren, wozu diese neue Klasse der Roboter prinzipiell in der Lage ist.

Softbot besteht aus Silikon und muss ganz ohne steife Stützelemente auskommen. Das Vorbild dafür kommt aus der Natur: Seesterne, Schnecken, Tintenfische und andere Weichtiere kommen ebenfalls gut ohne Skelett oder Panzer aus. Es kann also nicht von Nachteil sein, kein Skelett zu besitzen, dachten sich die Forscher. In das Silikon sind hohle Glaskügelchen und Polyamidfasern zur Stabilisierung eingegossen.

Softbot bewegt sich mit einem Luftdruckantrieb

Für die Bewegung nutzt Softbot poröse Kunststoffpolster. Sie krümmen oder strecken sich durch Veränderungen des Luftdrucks im Inneren. Auf diese Weise kriecht der Silikonroboter vorwärts. Innen sieht das so aus: Ein Mikroprozessor und ein miniaturisierter Kompressor, der von einer Batterie angetrieben wird, regeln den Luftdruck in den Kammern. Wird Luft in eine der Kammern gepumpt, so dehnt sich das jeweilige Körperteil aus und verformt sich.

Der Luftdruck beträgt dabei knapp 0,7 bar. Langsam, aber stetig krümmen und strecken sich die Beine und sorgen für die Vorwärtsbewegung des Roboters. Eine Akkuladung reicht für zwei Stunden.

Softbot kann knapp 3,5 Kilogramm mit seinen rosa Beinchen in die Höhe stemmen und überzeugt auch auf der Langstrecke. Der rosa Roboter trägt stolze acht Kilogramm und ist widerstandsfähig: Im Test marschiert er völlig unbeeindruckt durch einen Schneesturm mit Temperaturen von minus neun Grad Celsius und sehr starkem Wind.

Auch flaches Wasser ist kein Problem. Besonders eindrucksvoll sieht es aus, wenn dieses Silikonwesen vollkommen unbeeindruckt durch den Brenner einer Gasflamme latscht. „Obwohl er dabei extrem hohen Temperaturen von gut 2700 Grad Celsius ausgesetzt war, erlitt der Roboter nur oberflächliche Schäden – das Silikon ist gegenüber Feuer und hohen Temperaturen relativ unempfindlich“, erklärt Tolley.

Jetzt soll der Softbot auf Tempo getrimmt werden

All diese jetzt getesteten Eigenschaften machen Softbot zu einem möglichen Helfer, um beispielsweise in eingestürzten Gebäuden nach Verschütteten zu suchen oder nach Flugzeugabstürzen in brennenden Wrackteilen Leichen zu lokalisieren.

Videoquelle: Cornell

Zwar sind die Silikonroboter aus Harvard noch etwas langsam. Doch im nächsten Schritt wollen die Forscher in weiteren Robotermodellen aus Silikon das Lauftempo des rosa X-Men erhöhen. Und auch an seiner Navigationsfähigkeit wollen sie jetzt arbeiten.

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Von Detlef Stoller
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