04.12.2013, 08:30 Uhr | 0 |

Robotik im Dienst der Forschung Koboter Baxter hilft an der Universität Erlangen-Nürnberg

Baxter heißt er, der freundliche Forschungsroboter. Baxter kommt aus Amerika und ist jetzt erstmals in Deutschland an der Universität Erlangen-Nürnberg im Einsatz. Dort soll er helfen, Produkte, Dienstleistungen und Lösungen für ressourcenschonendes, nachhaltiges und intelligentes Wohnen in der Zukunft zu finden.

Forschungsroboter Baxter
Á

Der kooperative Forschungsroboter Baxter überreicht behutsam einen Apfel. Die Universität Erlangen-Nürnberg ist die erste in Deutschland, die die amerikanische Erfindung in ihre Forschungen integrieren kann.

Foto: Griffiths Consulting

Für seine 190 Zentimeter Körpergröße bringt Baxter ordentlich Kilos auf die Waage – immerhin wiegt er 138,8 Kilogramm. Jetzt hat der freundliche Industrieroboter sein Mutterland Amerika verlassen und ist in Deutschland angekommen. Genau gesagt: am Lehrstuhl für Fertigungsautomatisierung und Produktionssystematik (FAPS) der Friedrich-Alexander-Universität Erlagen-Nürnberg. „Die Universität ist sehr stolz, die erste in Deutschland zu sein, die den Baxter-Roboter in ihre Forschungen integrieren kann“, betont Diplom-Ingenieur Sebastian Reitelshöfer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am FAPS.

Baxter ist nah dran

DieFAPS-Forschungsgruppe E|Home realisiert Anwendungen für die Assistenzrobotik und entwickelt Produkte, Dienstleistungen und Lösungen für ressourcenschonendes, nachhaltiges und intelligentes Wohnen. Der Fokus der Wissenschaftler liegt dabei auf der Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Trends. Genau für diese Anwendungen ist Baxter besonders gut qualifiziert, weil er ohne Schutzzone mit Menschen zusammenarbeiten kann.

Die FAPS-Forschungsgruppe E|Home realisiert Anwendungen für die Assistenzrobotik und entwickelt Produkte, Dienstleistungen und Lösungen für ressourcenschonendes, nachhaltiges und intelligentes Wohnen. Der Fokus der Wissenschaftler liegt dabei auf der Berücksichtigung sozialer, ökologischer und ökonomischer Trends. Genau für diese Anwendungen ist Baxter besonders gut qualifiziert, weil er ohne Schutzzone mit Menschen zusammenarbeiten kann.

Denn Baxter ist kein gewöhnlicher Roboter, Baxter ist ein Koboter, auch kooperativer Roboter genannt. Um mit Baxter umgehen zu können, ist kein spezielles Vorwissen nötig. Und: Normale Industrieroboter müssen aus Sicherheitsgründen durch einen Käfig von den Bedienern getrennt werden. Anders Baxter: Der freundliche rote Riese ist einfach zu bedienen, sehr schnell einsatzfähig und überaus sicher. Der Bediener kann sich so im unmittelbaren Umfeld des Roboters aufhalten.

Der Koboter hat sein Umfeld stets im Blick

Baxter hat seine Umgebung durch drei Kameras stets im Blick, ein 360 Grad-Sonar lässt ihn hören, wo Hindernisse auftauchen. Seine beiden Arme sind mit sieben Freiheitsgraden so beweglich wie ganz natürliche Arme. Über jedes Gelenk besteht Vollkontrolle. Baxter ist das Ergebnis einer Vision von Rodney Brooks, der im Jahre 2008 das Unternehmen Rethink Robotics gegründet hat mit dem Ziel, die industrielle Robotik zu revolutionieren. Brooks war in seinem früheren Leben Leiter des Computer Science and Artificial Intelligence Laboratory (CSAL) am Massachusetts Institut of Technology (MIT) und Mitbegründer des Unternehmens iRobot, also ein Fachmann auf dem Gebiet der Robotik.

Das erklärte Ziel von Rethink Robots mit Sitz im Innovation District von Boston, Massachusetts, USA, ist die Automatisierung wiederkehrender Aufgaben mit geringem Mehrwert in Kleinunternehmen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und dadurch in Industrieländern zur Erhaltung von Arbeitsplätzen beizutragen und Standortverlagerungen zu vermeiden. Zu den Investoren zählen neben vielen anderen auch Bezos Expeditions, die persönliche Beteiligungsfirma von Amazon-Gründer Jeff Bezos.

„Baxter Research Robot“ jetzt erstmals nach Europa lieferbar

Seit rund einem Jahr ist Baxter am Markt erhältlich, vorerst nur in den USA. Nach Europa lieferbar ist jetzt erstmals die Baxter-Version für Forschung und Lehre, der „Baxter Research Robot“. Dieser Baxter ist in zahlreichen Bereichen wie Robotik, künstliche Intelligenz, Steuer- und Regelungstechnik, Bedienung, Planung, Mensch-Technik-Interaktivität, Informatik, Mechanik, Elektronik und vieles mehr ideal einsetzbar. Den europaweiten Exklusivvertrieb, den Hardware-Support, die Schulung sowie der Bereitstellung von Ersatzteilen übernimmt die Firma Generation Robots, ein im Jahr 2008 gegründetes und in Bordeaux beheimatetes Unternehmen.

25.000 Euro für einen vollwertigen Industrieroboter

„Der Roboter Baxter Research lässt bei Lehrbeauftragten und Forschern keine Wünsche offen. Er ist ein hochwertiger kooperativer Roboter, der sicher und benutzerfreundlich ist und auf ROS basiert, dem Open-Source-Programmierstandard in der Servicerobotik. Und vor allem ist er preislich unschlagbar“, sagt Jérôme Laplace, Gründer von Generation Robots. Die Basis-Version vom Baxter Research kostet 25.000 Euro. Damit sind Universitäten, Forschungslabors und Forschungs- und Entwicklungsabteilungen von Unternehmen in der Lage, sich in den Roboter einzuarbeiten und so Know-how im Bereich der kooperativen Robotik aufzubauen.

Open-Source-Software ist den Kinderschuhen entwachsen

Robot Operation System, kurz ROS ist eine Software für persönliche Roboter. Die Entwicklung von ROS begann im Jahre 2007 am Stanford Artificial Intelligence Laboratory. Seit 2012 wird ROS von der Organsiation Open Source Robotic Foundation (OSRF) unterstützt. ROS ist inzwischen den Kinderschuhen weitgehend entwachsen und ein standardisiertes, kostenloses Open-Source-Robotik-Betriebssystem, das zur dynamischen Entwicklung der Robotik beiträgt. Der Roboter Baxter Research ist mit einem ROS-kompatiblen Software Development Kit (SDK) ausgerüstet.

Ab dem zweiten Halbjahr 2014 soll in Europa auch die Baxter-Unternehmensversion auf den Markt kommen. Die beiden Varianten sind baugleich, nur bei der Software gibt es Unterschiede: Unternehmen erhalten einen hochintuitive Version, mit der auch Mitarbeiter ohne IT-Kenntnisse den Roboter programmieren können.

Baxter bekommt einen selbstfahrenden Untersatz

Am E|Home-Center des FAPS werden jetzt die Schraubenzieher gewetzt. Baxter, der freundliche Koboter aus Amerika wird einen selbstfahrenden Untersatz erhalten. Zudem wollen ihn die Forscher für das Wohnen von Morgen mit Cloud-basierten Anwendungen verbinden. Denn Baxter soll Objekte auch in schwierigen Umgebungen erkennen können. Und so ein Wohnhaus wird wohl auch in Zukunft oftmals einer schwierigen Umgebung gleichen.

Anzeige
Von Detlef Stoller
Zur StartseiteZur Startseite
schlagworte: 
kommentare

Aktuell wurden noch keine Kommentare zu diesem Artikel abgegeben. Loggen Sie ich ein oder melden Sie sich neu an, wenn Sie noch keine Zugangsdaten haben
> Zum Login     > Neu anmelden