23.11.2013, 07:00 Uhr | 0 |

Lebenshilfen für Senioren Japan entwickelt zunehmend mehr Roboter für alte Menschen

Ob Roboteranzüge für die Obsternte, künstliche Hände mit 24 Fingern zum Haarewaschen oder Kuschelroboter im Seniorenheim: Japan bemüht sich, Senioren im Alter ein gutes Leben zu ermöglichen. Angesichts der demographischen Entwicklung scheinbar unabdingbar. 

Der Haarwaschroboter von Panasonic
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Panasonic hat einen Roboter entwickelt, der mit 24 Fingern Haare waschen und auch Kopfmassagen geben kann. 

Foto: Panasonic

Menschen werden weltweit immer älter. Im Jahr 2050 werden 1,5 Milliarden Menschen über 65 Jahre alt sein. In Japan schreitet die Überalterung der Gesellschaft am schnellsten voran: Dort sind heute schon ein Drittel der rund 127 Millionen Menschen zählenden Bevölkerung über 60 Jahre alt. Den Vorhersagen zufolge werden 40 Prozent der Bevölkerung bis 2055 ein Alter von über 65 Jahre erreichen. Um ihnen auch im fortgeschrittenen Alter Mobilität und Unabhängigkeit zu ermöglichen, konzentrieren sich die Anstrengungen der Unternehmen und der Forschungseinrichtungen derzeit stark auf die Entwicklung von Robotern.

Roboteranzüge für die Obsternte

Wird weltweit schon seit längerem an diversen Roboteranzügen gearbeitet, so sind die Einsatzbereiche in Japan ungewöhnlich. Die Universität für Landwirtschaft und Technologie in Tokio hat einen Roboter-Anzug entwickelt, der älteren Bauern bei der Ernte helfen soll. Der Prototyp, ein Anzug mit acht Motoren und 16 Sensoren, hilft beispielsweise bei der Apfelernte. Federn, Griffe und Stützapparate stärken die Bewegungen und unterstützen die Haltung alter Menschen. Mit kleinen Motoren und Sensoren werden die Bewegungen der Glieder und Gelenke erleichtert.

Ob sich das derzeit 5000 Dollar teure Gerät durchsetzen wird, ist fraglich. Professor Shigeki Toyama ist aber optimistisch, weil sich die Anzüge inzwischen immer besser auf diverse Ansprüche der Bauern abstimmen lassen.

Gehhilfen und Roboter zum Haare waschen

Japanische Unternehmen haben das Potenzial zur Entwicklung von Robotern für den Einsatz zuhause aber auch im Pflegedienst und im Gesundheitswesen schon lange erkannt. Gerade Autohersteller wie Toyota und Honda, aber auch der Elektrokonzern Panasonic arbeiten unermüdlich an neuen Lösungen, um die alltäglichen Aktivitäten der Älteren zu unterstützen und ihnen eine bessere Lebensqualität zu ermöglichen.

Toyota hat einen Gehhilfe-Assistenten entwickelt, Panasonic einen Spezialroboter mit 24 Fingern, der Haare waschen und Kopfmassagen geben kann. Eine verbesserte Version des  Honda Elektro-Hockers „Uni-Cub“, ein elektrischer Fahrapparat in Form eines Pinguins, wurde jetzt auf dem Tokioter Auto Salon vorgestellt. Mit ihm können ältere Menschen lange Wege in Flughäfen, Museen oder Bahnhöfen besser zurücklegen.

Elektronische Kuschel-Robben im Seniorenheim

Dem Einsatz autonomer Maschinen steht man in Japan, einem stark technisch orientierten Land, weniger skeptisch gegenüber als hierzulande. Roboter und automatische Lösungen für ältere Menschen etablieren sich schnell und übernehmen auch Pflegeaufgaben. Das Robotertier „Paro“ ist bereits in einigen Seniorenheimen im Einsatz und unterstützt die alten Menschen dort emotional. Die kuschelige, weiße Robbe, verfügt über zwei visuelle, zehn Berührungs- und einen Temperatursensoren. Mit Hilfe eines eingebauten Computers reagiert sie ganz unterschiedlich auf Berührungen. Die Kuschel-Robbe kommt bei den älteren Menschen gut an und soll vor allem Gesprächsstoff liefern.

Regierung fördert die Roboterentwicklung

Die japanische Regierung hat im Haushalt 2013/2014 insgesamt 2,39 Milliarden Yen, rund 17 Millionen Euro, für die Entwicklung von Robotern für alte Menschen bereitgestellt. Das Wirtschaftsministerium will 24 Unternehmen bei der Entwicklung von Pflegerobotern subventionieren und bis zu zwei Drittel der Entwicklungskosten übernehmen. „Unser Ziel ist es, künftig billigere Gesundheits-Roboter in Masse zu produzieren,“ erläutert Akifumi Kitashima, zuständig für die Sparte Industriemaschinen im Wirtschaftsministerium. 

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Von Peter Odrich
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