29.05.2017, 07:29 Uhr | 0 |

Service auf vier Rädern Dieser Roboter kappt das Unkraut im Blumen- und Gemüsebeet

Sein Name ist Tertill. Und er sieht aus wie ein farbloser Spielzeugtraktor für Kleinkinder. Doch weit gefehlt: Tertill ist ein Unkrautroboter. Ausdauernd fährt er durch Beete und beseitigt Unkraut. Ohne chemische Mittel und angetrieben durch Sonnenenergie. 

Unkrautroboter Tertill
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Unkrautroboter Tertill fährt mit Solarstrom und trimmt ungebetene Pflanzen weg.

Foto: Franklin Robotics

Gehören Sie auch zu den Menschen, für die Gärtnern ein Quell der Freude ist? Einzig getrübt durch lästiges Unkraut jäten? In Zukunft könnten Sie entspannt auf dem Liegestuhl ruhen, während Tertill für Ordnung im Blumen- oder Gemüsebeet sorgt.  

Die Idee dazu stammt von Joe Jones, technischer Direktor des Start-ups Franklin Robotics. Wäre er nicht an dem Unternehmen beteiligt, würde man sich wahrscheinlich kopfschüttelnd von dem kleinen Tertill im Spielzeuglook abwenden. Doch Jones hat auch den Staubsaugerroboter Roomba erfunden. Und der wurde 2002 eingeführt und bis 2016 über 15 Millionen Mal weltweit verkauft. Roomba ist damit der weltweit erfolgreichste Dienstroboter.

Trimmer am Unterboden

Jetzt will Jones mit Tertill die Gartenarbeit revolutionieren und das Unkraut jäten per Hand abschaffen. Dafür kommt der autonome Tertill ins Beet. Er kann dort selbstständig auf vier Rädern umherfahren und vernichtet Unkraut quasi schon im Keim. Tertill selbst ist so kompakt und niedrig, dass er bequem zwischen Pflanzen umherfahren kann. Und er ist mit einem kleinen Trimmer an seinem Unterboden ausgestattet. Mit diesem kappt er ungewollte Pflänzlein sobald sie das Sonnenlicht erblicken und kleiner als 2,5 cm sind.

Apropos Sonnenlicht: Auf dem kleinen Roboterfahrzeug befinden sich Solarzellen, die Tertills Batterie mit Energie versorgen. Das Aufladen an der Steckdose ist nicht vorgesehen. Trotzdem soll er laut Hersteller jederzeit einsatzbereit sein. Sensoren sorgen dafür, dass Tertill große Pflanzen automatisch erkennt und um sie herumfährt. Das Beste an diesem Roboter: Er ist kein Schönwettergärtner, sondern wasserfest.

Beete müssen umrandet sein

Damit der Unkrautroboter reibungslos funktioniert, müssen allerdings ein paar Vorkehrungen getroffen werden: Das Beet benötigt eine Umrandung, damit Tertill seinen Aufgabenbereich erkennen kann und nicht in Nachbars Garten oder sonst wohin ausbüxt.

Auch ist Tertill kein ausgebildeter Botaniker, er unterscheidet die Pflanzen nur anhand ihrer Größe. Wird also etwas frisch gesät, muss auch um dieses Gebiet eine kleine Schutzbarriere errichtet werden. Denn sobald es sprießt, würde Tertill auch bei Nutzpflanzen seinen Trimmer aktivieren.

Noch gibt es den kleinen Gartenhelfer nur als Prototypen. In Kürze soll allerdings eine Crowdfunding-Kampagne starten, bei der sich Unterstützer erste Modelle sichern können. Der Kaufpreis wird etwa bei 270 Euro liegen. Läuft die Finanzierung sollen die Unkrautroboter Ende des Jahres ausgeliefert werden.

Bonirob und Naturzap vernichten ebenfalls Unkraut

Schon Ende 2015 haben Bosch-Forscher einen selbstständig agierenden Unkrautvernichter für die Landwirtschaft gebaut.

Die Maschine namens Bonirob ist nicht nur ungleich größer als Tertill, sondern verfügt über ein hoch spezialisiertes Bilderkennungssystem, das zuverlässig zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheidet. Den Bericht finden Sie hier.

Für Hobbygärtner gedacht ist der Naturezap – ein Leuchtstab, der Unkraut mit Hitze und Licht vernichtet. Ingenieure der US Air Force waren an der Entwicklung beteiligt. Autonom agiert dieser nicht, aber immerhin muss man sich bei der Unkrautvernichtung nicht bücken. Und wie Tertill kommt das Gerät ohne Chemiekeulen aus.

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Von Martina Kefer
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