16.01.2015, 14:59 Uhr | 0 |

Vergängliche Roboterkunst Bis zur nächsten Flut: BeachBot zeichnet riesige Bilder in den Sand

Im Grenzbereich von exakter Wissenschaft und reiner Unterhaltung ist der „BeachBot“ angesiedelt. Dieser ritzt riesige Ornamente und Bilder in den Sand am Strand. Der orangefarbene Roboter wurde auf Anregung von Disney Research von Studierenden der ETH Zürich und der Zürcher Hochschule der Künste entwickelt.

Der kleine Roboter BeachBot
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Der kleine Roboter BeachBot bei der Arbeit: Mit einem Rechen im Schwanz kann die rollendende Schildkröte Kunstwerke in den Sand zeichnen.

Foto: Disney/Beachbot

Es ist ein bizarrer Anblick, wenn der kleine, an eine Schildkröte erinnernde orangefarbene Roboter über den Strand rollt und eine geometrische Struktur in den Sand ritzt. Noch bizarrer wird es, wenn klar wird, dass der Strandkunst-Roboter in der Schweiz entwickelt worden ist. Denn die Schweizer Eidgenossen sind nicht gerade bekannt für ihre üppigen Strände.

Begonnen hat das Experiment auf drei Kubikmeter Sand

Und doch haben sieben angehende Maschinenbauer und ein Elektrotechniker der ETH Zürich sowie zwei Industriedesigner der Zürcher Hochschule der Künste jetzt einen Roboter vorgestellt, der Kunstwerke in den Sand malt. Mit dem Mangel an Strand begann auch das ungewöhnliche spielerische aber dennoch wissenschaftliche Experiment: Zunächst richtete das zehnköpfige Team einen kleinen Teststrand mit drei Kubikmeter Sand ein.

Das Züricher Büro von Disney Research, das ist die ernsthafte Seite des Unterhaltungskonzerns, ist an die Schweizer Forscher herangetreten, um diesen Unterhaltungsroboter für den Strand zu konstruieren. Herausgekommen ist nun der „BeachBot“, der durch seine eigenwillige orangefarbene Optik an eine Schildkröte erinnert.

BeachBot kann sich jetzt entlang einer zuvor programmierten Linie bewegen und mithilfe einer Art von Rechen, dessen sieben Zinken sich einzeln mittels Servomotoren ansteuern lassen, die zuvor einprogrammierten Kunstwerke in den Sand ritzen. Montiert sind diese sieben Zinken im Schwanz des Roboters.

Dicke Ballonreifen verhindern ungewollte Spuren

Das hat den großen Vorteil, dass das in den Sand zu zeichnende Bild erst hinter dem Roboter entsteht. Da der BeachBot vor allem bei komplizierten Ornamenten immer wieder auch durch die schon in den Sand geritzten Linien düst, hat er recht dicke Ballonreifen. Die sorgen zuverlässig dafür, dass er keine unerwünschten Spuren im Kunstwerk hinterlässt.

Videoquelle: Disney

60 Zentimeter ist der BeachBot lang und misst 40 Zentimeter in der Höhe und auch in der Breite. Um maximale Mobilität zu gewährleisten, setzen die ETH-Konstrukteure auf eine 3-Rad-Anordnung mit Differentialgetriebe der Hinterräder und einem lenkbaren Rad in der Front des Roboters. Die genaue Übersetzung des vorher einprogrammierten Bildes in die riesige Leinwand aus Sand erfordert eine sehr exakte Lokalisierung der orangenfarbenen Schildkröte mit Kunstanspruch.

Laserscanner hält den BeachBot in Schach

Das Konzept besteht aus einem Laserscanner auf dem BeachBot und eine Armada von reflektierenden Masten, die rund um das geplante Aktionsfeld montiert werden. So ist eine ausreichend genaue Positionsbestimmung möglich und erlaubt es dem Roboter, seine Kreise zu ziehen. Der BeachBot kann ziemlich exakt zeichnen, seine Linienbreite beginnt bei fünf Zentimeter und endet bei der Breite des Roboters von 40 Zentimetern.

Der praktische Einsatz am Strand der Wahl erfordert hohe Präzision in der Abdichtung. Denn Sand kennt wie Wasser keine Ritzen, Sand dringt überall ein. Ein Aluminiumgehäuse mit Dichtlippen soll sicherstellen, dass kein Sand in das Innere des BeachBots eindringt. Wer selbst einmal den Clownfisch Nemo oder den König der Löwen auf den Sand am Strand in großen Dimensionen ritzen will, dem sei die Fernbedienung des Beachbots empfohlen. Damit jagt man die orangefarbene Schildkröte in Eigenregie über die Sandpiste. Ein erhöhter Standpunkt für den Überblick und etwa Übung sind dabei sicherlich von Vorteil.

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Von Detlef Stoller
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