09.03.2015, 13:06 Uhr | 0 |

Kamerasystem Hawk-Eye Torlinientechnik wird erstmals im Finale des DFB-Pokals eingesetzt

Überraschung für die deutsche Fußballwelt: Die Torlinientechnik kommt schon im Mai im Finale des DFB-Pokals erstmals in Deutschland zum Einsatz ­– nicht erst in der nächsten Saison der Bundesliga. Die Technik arbeitet mit Hochgeschwindigkeitskameras und hört auf den Namen Hawk-Eye.

Hawk-Eye-Technik im Tennis
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Bekannt ist die Technik des Hawk-Eyes aus dem Tennis. Allerdings hält der Tennis-Profi Roger Federer die Technik für zu ungenau.

Foto: Hawk-Eye

„Nachdem sich die Liga für die Einführung entschieden hat, haben wir uns nun dafür ausgesprochen, die Technik schon vor dem Start der neuen Saison zu nutzen“, sagte DFB-Präsidiumsmitglied Peter Frymuth dem Kölner Express. Debütieren soll sie beim Pokalfinale am 30. Mai 2015 im Berliner Olympiastadion.

„Die DFB-Orga-Abteilung kümmert sich nun mit dem Berliner Stadionbetreiber um die technische Umsetzung.“ Für die Fußballwelt ist diese Entscheidung deswegen eine Überraschung, weil die Technik ursprünglich knapp drei Monate später starten sollte – zum Start der Bundesligasaison 2015/2016 am 14. August.

Britisches Kamerasystem Hawk-Eye kostet 8000 Euro pro Spiel

Die Betreiber des Berliner Olympiastadions installieren jetzt die Torlinientechnik Hawk-Eye – übersetzt Falkenauge.

Fußball DFB-Pokal Finale Borussia Dortmund - FC Bayern München am 17.05.2014 im Olympiastadion in Berlin. Dante (l) vom FC Bayern klärt den Ball. Foto: Kay Nietfeld/dpa (Wichtiger Hinweis! Der DFB untersagt die Verwendung von Sequenzbildern im Internet und in Online-Medien während des Spiels (einschließlich Halbzeit). Sperrfrist! Der DFB erlaubt die Publikation und Weiterverwertung der Bilder auf mobilfunkfähigen Endgeräten (insbesondere MMS) und über DVB-H und DMB erst nach Spielende.) +++(c) dpa - Bildfunk+++
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Im DFB-Pokalfinale 2014 scheint Bayern-Spieler Dante einen Kopfball des Dortmunders Mats Hummels zu klären – tatsächlich ist der Ball schon hinter der Linie. Der Schiedsrichter erkennt das nicht. Die Fehlentscheidung führte zur Entscheidung für die Torlinientechnik.

Foto: Kay Nietfeld/dpa

Das System arbeitet mit sieben Hochgeschwindigkeitskameras pro Tor, die am Stadiondach befestigt sind, und den Ball aus verschiedenen Perspektiven filmen. Eine Software berechnet die Position des Balls im Verhältnis zur Torlinie. Das funktioniert angeblich immer, auch wenn Spieler den Blick einzelner Kameras verdecken.

Sobald der Ball die Torlinie überschritten hat, alarmiert das System den Schiedsrichter über dessen Armbanduhr – auf dem Display erscheint das Wort Goal. Gleichzeitig erstellt die Software eine 3D-Animation, die Fernsehzuschauern und Stadionbesuchern den Ballverlauf anzeigt. Rund 135.000 Euro soll das Hawk-Eye-System jeden Verein pro Saison kosten, das sind 8000 Euro pro Spiel.

Tennis-Profi Roger Federer kritisiert Hawk-Eye als ungenau

Das System Hawk-Eye selbst ist nicht neu: Entwickelt hat es der britische Mathematiker Paul Hawkins im Jahr 2001. Verantwortlich für die Herstellung ist HawkEye Ltd – ein Tochterunternehmen von Sony Europe. Das britische Unternehmen hat sich schon in mehreren Sportarten etabliert. Die Feuertaufe erlebte das System 2001, als es der britische Fernsehsender Channel 4 bei einem Cricketmatch zwischen England und Pakistan einsetzte, um seinen Zuschauern 3D-Animationen zu bieten.

Im Tennis debütierten die Kameras 2006. Ein Jahr später kosteten sie den Tennis-Profi Roger Federer beim Wimbledon-Finale gegen Rafael Nadal den letzten Nerv. Federer kritisierte das System als zu ungenau und brachte den berühmten Satz „It´s killing me.“ Trotzdem ist es heute bei drei der vier Grand-Slam-Turniere Standard. Ausnahme sind die French Open, da reicht immer noch der Ballabdruck im Sand als Beweis.

„Hummels-Tor“ hatte die Torlinientechnik-Debatte ausgelöst

Und im Fußball? Der Weltfußballverband FIFA hat Hawk-Eye im Sommer 2012 lizenziert, die britische Premier League setzt es seit der Saison 2013/2014 ein, die italienische Fußball-Serie-A führt das System in der kommenden Saison ein. In Deutschland stimmten am 4. Dezember 2014 15 der 18 Bundesligisten für die Einführung der Technik in der Saison 2015/2016. Der Vertrag mit Hawk-Eye läuft zunächst für drei Jahre.

Auslöser für die Entscheidung war das DFB-Pokalfinale 2014 zwischen Bayern München und Borussia Dortmund. Damals hatte Schiedsrichter Florian Meyer in der 64. Minute beim Spielstand von 0:0 ein Tor des Dortmunder Mats Hummels nicht anerkannt, obwohl der Ball die Torlinie klar überquert hatte. Bayerns Verteidiger Dante hatte den Ball erst hinter der Linie wieder ins Feld zurückgeschlagen.

Die Bayern gewannen das Finale schließlich mit 2:0. Solche folgenreichen Fehlentscheidungen der Schiedsrichter soll Hawk-Eye zukünftig verhindern. 

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Von Patrick Schroeder
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