13.04.2016, 13:54 Uhr | 0 |

Reiz des Analogen Renaissance der Sofortbildkamera: Die Polaroid kommt zurück

Die Polaroid ist wieder da: Mit dem Modell I-1 lässt schon der dritte Hersteller das Konzept der analogen Sofortbildkamera wieder aufleben. Pionier Polaroid – einst untrennbar mit den schnellen Abzügen verbunden – produziert allerdings keine Filme mehr. Für viele Foto-Enthusiasten können die neu aufgelegten Filme der Fremdhersteller jedoch nicht mit dem Original mithalten. 

Bilder aus einer Sofortbildkamera
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Sie ist zurück, die analoge Fotografie: Gleiche mehrere "Polaroid"-Kameras sind auf dem Markt. Nur der Sofortbild-Pionier Kodak hat sich aus dem Markt verabschiedet. 

Foto: Impossible

Stark überzogene Farben, verblasst schon nach wenigen Monaten, sehr temperaturanfällig: Nein, Abzüge aus Sofortbildkameras galten auch früher nicht als Meisterwerke der Fotokunst. Der Charme der sogenannten Polaroids lag viel mehr im Unperfekten. Und natürlich in der Schnelligkeit. Schon wenige Minuten nach Betätigen des Auslösers ein fertiges Bild in den Händen zu halten, galt in der prä-digitalen Ära als äußert komfortabel.

Doch auch in Zeiten von Megapixel-Schlachten und High-End-Retusche im Rechner scheint der schnelle Abzug wieder gefragt zu sein. Der niederländische Hersteller The Impossible Project (Kurzform: Impossible) wird bald eine neue, moderne Variante der Sofortbildkamera rausbringen. Das Modell soll den Namen I-1 tragen und – zum Zwecke einer gleichmäßigen Motivausleuchtung – mit einem Ringblitz versehen sein.

Im Auslieferungszustand ist die Kamera auf eine automatische Belichtungsmessung eingestellt und verfügt über einen Autofokus. Neben dem Auslöser gibt es noch einen manuellen Fokusregler, ein Rädchen für die Belichtungskorrektur sowie einen quadratischen Sucher. Wer Blende und Belichtungszeit allerdings voll manuell festlegen möchte, kann das zwar tun, allerdings ausschließlich über eine iPhone-App (oder ein anderes iOS-Gerät), die mit der Kamera via Bluetooth korrespondiert.

Impossible produziert Filme für Sofortbildkameras in alter Polaroid-Fabrik

Einst stand der Firmenname Polaroid quasi synonym für die Sofortbildfotografie. Nach einem Insolvenzverfahren Ende 2008 werden allerdings keine originalen Polaroidfilme mehr hergestellt. Anfang dieses Jahres gab das Unternehmen auf der CES in Las Vegas bekannt, sich neu aufzustellen und einen 3D-Drucker auf den Markt bringen zu wollen.

Immerhin hat Polaroid im vergangenen Jahr eine Kamera mit Minidrucker herausgebracht, die Bilder selbst ausdruckt. 

Fotofreunde müssen aber nicht gänzlich auf Filme für Sofortbildkameras verzichten. Seit dem Jahr 2010 stellt Impossible solche selbst her. Dafür übernahm die Firma die frühere Polaroid-Fabrik im niederländischen Enschede. Von einem Eins-zu-Eins-Duplikat der alten Filme kann jedoch keine Rede sein. Da gleich mehrere frühere Zulieferer Polaroids einige Vorprodukte heute nicht mehr produzieren, musste die Rezeptur der Filme neu entwickelt werden – teilweise mit Unterstützung des britischen Filmherstellers Ilford.

In diversen Fotografie-Online-Foren findet sich die Meinung, dass die neuen Impossible-Filme qualitativ nicht an die alten von Polaroid heranreichen (auch der Autor dieses Beitrags hat ähnliche Erfahrungen gemacht). Auf dem Gebrauchtmarkt werden selbst abgelaufene (original) Polaroid-Filme zu zum Teil saftigen Preisen gehandelt.

Auch weitere moderne Sofortbildkameras auf dem Markt

Auch das Unternehmen Fuji stellt Filme her, die für alte und neue Sofortbildkameras genutzt werden können. Zudem hat der Konzern mit der „Instax“-Reihe bereits seit drei Jahren selbst solche Fotoapparate im Programm. Mit der „Instant Wide“ bietet auch der österreichische Hersteller Lomography eine moderne Sofortbildkamera an. Das Modell kann mit Wechselobjektiven und verschiedenen Farbfiltern bestückt werden und dürfte somit einen gewissen kreativen Spielraum bieten.

Die zumindest kleine Renaissance der Sofortbildkamera fällt wohl unter den allgemeinen Retrotrend in der Fotobranche: Seit mehreren Jahren findet man in den Schaufenstern der Fachgeschäfte und Elektromärkte beispielsweise Spiegelreflexkameras, die mit ihrem eckigen Design an die Modelle der 70er-Jahre erinnern – unter der „Haube“ haben sie allerdings große digitale Sensoren im Format 24 x 36 Millimeter und Kratzen nicht selten an der 40-Megapixel-Marke.

Nikon und Canon haben kein Interesse am Retrotrend

Auch zahlreiche spiegellose Kompakt- und Systemkameras erinnern durch ihre schlichte Anmutung und haptischen Elemente wie Blendenring und Zeitwahlrad an die Messsucher-Kameras eines deutschen Traditionsherstellers aus Wetzlar. Einzig die Platzhirsche Nikon und Canon scheinen sich nicht oder nur wenig am Retrotrend zu beteiligen.

Paradox: Wer in digitalen Zeiten in die analoge Fotografie einsteigen will, findet dafür gerade heute äußerst attraktive Bedingungen – zumindest finanziell: Fotoausrüstungen, die vor wenigen Jahrzehnten noch mit fünfstelligen D-Mark-Summen zu Buche schlugen, können heute auf dem Gebrauchtmarkt oftmals für unter 1000 Euro erworben werden – darunter auch Mittelformatkameras von Marken wie Rolleiflex, Mamiya oder auch Hasselblad. Selbst der Einstieg in das analoge Großformat mit Fachkameras, die mit Planfilm-Kassetten gefüttert werden, ist erschwinglich. 

Wer am liebsten Fotos mit seinem Smartphone aufnimmt, der muss übrigens auch nicht auf das Polaroid-Prinzip verzichten. Ein französisches Start-up hat einen Printer herausgebracht, der Fotos an Ort und Stelle sofort ausdruckt. Dazu braucht man nur das Smartphone in den Printer einzuschieben. Und los geht's.

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Von Jan-Martin Altgeld
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