18.08.2014, 12:40 Uhr | 0 |

Erfindung aus dem Silicon Valley Helm mit digitalem Rückspiegel macht Motorradfahren sicherer

Der Helm Skully filmt den Verkehr hinter dem Motorradfahrer und projiziert ihn auf sein Visier. Per Sprachbefehl kann der Fahrer zudem ein Navigationsgerät steuern, Musik auswählen und Telefonanrufe annehmen. Motorradfans sind begeistert und haben den Entwicklern aus dem Silicon Valley über Crowdfunding bereits 1,2 Millionen US-Dollar zukommen lassen.

Im Visier sieht der Fahrer den Verkehr hinter ihm
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Rechts unten im Visier sieht der Fahrer das projizierte transparente Bild des Verkehrs hinter ihm. Das soll unter anderem die Sicherheit beim Überholen erhöhen.

Foto: Skully/Screenshot

Der Motorradhelm Skully AR-1 scheint eine der Erfolgsgeschichten zu werden, bei dem eine persönliche Passion und ein einschneidendes Erlebnis zu einem neuen Produkt führen. Marcus Weller, der Erfinder des neuartigen Helms, ist 29 Jahre alt, kommt aus Minnesota und fährt leidenschaftlich gerne Motorrad. Beruflich hatte der promovierte Wirtschaftspsychologe eigentlich andere Pläne, aber dies änderte sich an einem Tag, als er auf den Straßen von Barcelona bei einem bösen Auffahrunfall sein Motorrad zu Schrott fuhr.

Kamera nimmt Verkehr im 180-Grad-Winkel auf

Heute ist Weller der Kopf von Skully Helmets, ein Start-up-Unternehmen im Silicon Valley, zu dem auch sein Bruder Mitchell gehört, ebenfalls begeisterter Motorradfahrer. Beide haben in den letzten Jahren genau den Helm entwickelt, den sie selbst gerne tragen würden und der, so hoffen die Brüder, das Motorradfahren sicherer macht.

Zu den wesentlichen Merkmalen des neuen Helms gehört die eingebaute Kamera, die den rückwärtigen Verkehr aufnimmt. Statt des Blicks über die Schulter oder in kleine Rückspiegel soll der Motorradfahrer mit einer Aufnahme versorgt werden, die im 180-Grad-Winkel alles zeigt, was sich in seinem Rücken und im toten Winkel abspielt. Eingespielt wird die Aufnahme in der unteren rechten Ecke vorne im Helm über ein sogenanntes Head-up-Display. Hierbei wird das Bild durch ein kleines Prisma in die Ferne projiziert. Der Blick des Fahrers nach vorne wird nicht gestört, eine winzige Seitenbewegung der Augen reicht, um die Bilder zu verfolgen.

Neben der Kamera ist der Helm von Skully mit Lautsprechern und Mikrofonen ausgestattet. So kann der Fahrer per Sprachbefehl Navigationsziele ansteuern oder Musiktitel auswählen. Umgekehrt werden ihm auch eingehende Telefonanrufe angesagt. Ebenfalls vom Smartphone kommt per Bluetooth die Navigation, die auch offline funktioniert, wenn vorher entsprechende Karten heruntergeladen wurden. Weitere Apps sollen folgen, versprechen die Entwickler.

Bisher kamen auf Indiegogo über 1,24 Millionen Dollar zusammen

Die Resonanz auf den digital vernetzten Motorradhelm ist bisher überwältigend. Über die Crowdfundingplattform Indiegogo wollten die Brüder Weller 250.000 US-Dollar sammeln. Die Kampagne, die am 10. August begann und noch drei Wochen läuft, hat inzwischen aber bereits 1,24 Millionen Dollar eingespielt.

Auch Sean White glaubt daran, dass der neue Helm wesentlich dazu beitragen kann, die Sicherheit beim Motorradfahren zu erhöhen. White arbeitet bei Greylock Partners, einem der führenden Risikokapitalfirmen im Silicon Valley und berät Skully Helmets. „Marcus Weller ist unglaublich hartnäckig, wenn er ein Problem lösen will“, sagt der Techniker. „Es gibt zurzeit viel technische Entwicklungen im Bereich der virtuellen Realität, aber die wirklich praktischen Anwendungen sind sehr selten. Von der Technologie ist Skully fast schon langweilig im Vergleich zu anderen Produkten, aber es ist weitaus bedeutender. Im 180-Grad-Winkel zu sehen, was hinter einem los ist, könnte Leben retten.“

Bei Vorbestellung über Indiegogo gibt es Skully in den Größen S bis XXL und in den Farben Mattschwarz oder Glossy White für 1400 US-Dollar. Ausgeliefert werden soll der Helm im Mai 2015.

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Von Gudrun von Schoenebeck
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