23.04.2014, 13:32 Uhr | 0 |

Miniscanner zum Aufstecken Eine sprechende Lesehilfe für Blinde „to go“

Wissenschaftler haben den FingerReader erfunden: Er wird wie ein Ring aufgesteckt und übersetzt gedruckten Text Wort für Wort in gesprochene Sprache. Damit können Blinde und Sehbehinderte auch unterwegs Texte lesen. Zudem gibt es noch weitere Verwendungsmöglichkeiten.

FingerReader des MIT
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Den FingerReader können Blinde auch unterwegs nutzen, um sich Text, Schilder oder andere Hinweise vorlesen zu lassen. Das kleine Gerät wird einfach auf den Finger gesteckt.

Foto: MIT

Blinde und Sehbehinderte sind von gedruckten Texten bisher praktisch ausgeschlossen. In der Regel sind sie auf einen Vorleser oder auf eine Umwandlung in die Tastschrift Braille angewiesen. Technik, die hierbei hilft, ist allerdings oft unhandlich und kaum transportabel. Mal eben unterwegs ein paar Zeilen zu lesen, ist normalerweise nicht drin. Das könnte sich bald ändern: Am Massachusetts Institute of Technology haben Wissenschaftler den FingerReader erfunden, der Geschriebenes in gesprochene Sprache übersetzt. Dazu kommt, dass er klein und handlich ist, sich also auch zum Mitnehmen eignet: eine Lesehilfe „to go“ gewissermaßen.

Konzept in Abstimmung mit Blinden entwickelt

Entwickelt haben den elektronischen Helfer fünf Wissenschaftler aus der Fluid-Interface-Abteilung des MIT und der Singapure University of Technology and Design: Roy Shilkrot, der Deutsche Dr. Jochen Huber von der TU Darmstadt, Connie K. Liu, Pattie Maes und Suranga Nanayakkara. In Abstimmung mit Blinden und Sehbehinderten entwarfen sie das Konzept für eine tragbare und praxistaugliche Lösung, die es dem Nutzer ermöglicht, Texte schnell und präzise in Echtzeit zu erfassen.

Die Bedienung ist einfach: Der Nutzer steckt den FingerReader wie einen Ring auf einen Finger, mit dem er den Text abtastet – Zeile für Zeile. Eine kleine Kamera erfasst die Wörter, die Software wandelt sie in gesprochene Sprache um und gibt sie über die integrierten Lautsprecher aus.

Außerdem vibriert der Reader auf jeweils spezielle Weise, wenn das Ende einer Zeile ereicht ist, eine neue Zeile anfängt oder der Leser im Text verrutscht ist – so lange, bis die richtige Stelle wieder gefunden ist. So ermöglicht das Gerät eine Orientierung im Text und außerdem einen Eindruck vom Layout. Außerdem kann der Reader größere Textblöcke schnell auf wichtige Inhalte scannen, indem er nach Schlüsselwörtern sucht.

Prototyp soll zur Serienreife weiterentwickelt werden

Eine weitere Einsatzmöglichkeit ist die Textübersetzung in eine andere Sprache: Der FingerReader gibt den gescannten Text direkt in der Zielsprache aus. Damit ist der FingerReader auch für Sehende interessant. Bis der FingerReader zu erwerben ist, wird es aber wohl noch etwas dauern – bisher ist das Gerät lediglich ein Prototyp zu Forschungszwecken. Die Forscher wollen das Gerät rasch zur Serienreife entwickeln und auf den Markt zu bringen. 

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Von Judith Bexten
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